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In Amenas

Algerische Sicherheitskräfte beenden Geiselnahme

Obama sagt Algerien Unterstützung zu

Die Geiselnahme in der Wüste Algeriens ist beendet. Doch viele Fragen über das Vorgehen der algerischen Sicherheitskräfte gegen die Geiselnehmer bleiben offen.

Algerische Spezialeinheiten stürmten gestern die Gasförderanlage In Amenas, die islamistische Extremisten vier Tage lang besetzt hatten. Nach Angaben der Regierung in Algier wurden seit Mittwoch 23 Geiseln und 32 Extremisten getötet. 685 algerische Arbeiter und 107 ausländische Kräfte hätten befreit werden können. Allerdings werden noch zahlreiche ausländische Arbeiter vermisst und die algerische Regierung erklärte inzwischen, die Zahl der Toten liege noch höher.

Hinweisschild auf die Gasanlage in der algerischen Wüste.
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Die algerischen Sicherheitskräfte hatten die Anlage weiträumig abgesperrt. Es drangen kaum Informationen nach draußen.

Die algerische Armee verteidigte die Erstürmung der Anlage. "Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitierte die Tageszeitung "El-Khabar" einen Armeesprecher. Nach Informationen aus den Reihen der Sicherheitskräfte wollten die Terroristen den Industriekomplex in die Luft sprengen. Der staatliche algerische Ölkonzern Sonattrach, einer der Betreiber der Anlage, teilte mit, das gesamte Raffineriegelände sei mit Sprengsätzen vermint gewesen. Sieben noch verbliebene ausländische Geiseln sollen die Terroristen noch vor der Erstürmung getötet haben.

Unterstützung aus dem Westen

US-Präsident Barack Obama machte die islamistischen Geiselnehmer für das Blutvergießen verantwortlich. "Die Schuld an dieser Tragödie liegt bei den Terroristen, die sie verursacht haben", hieß es in einer schriftlichen Erklärung in Washington. Obama bot den algerischen Stellen jede Unterstützung an. Die USA würden weiter mit ihren Partnern eng zusammenarbeiten, um die "Geißel des Terrorismus" in der Region zu bekämpfen. Der Angriff auf das Gasfeld führe erneut die Bedrohung durch Al Kaida und andere gewalttätige Extremisten vor Augen.

US-Präsident Barack Obama
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Obama sieht die Schuld für das Blutvergießen bei den Terroristen.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande verteidigte die gewalttätige Befreiungsaktion gegen Kritik. "Verhandlungen mit den Terroristen kamen nicht infrage", sagte er, schließlich hätten die Entführer "schändlich gemordet".

Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond sagte: "Verschiedene Länder haben verschiedene Herangehensweisen." Er fügte hinzu: "Aber der gemeinsame Kampf gegen globale Bedrohungen bedingt auch, dass wir manchmal mit Leuten zusammenarbeiten, die Dinge etwas anders regeln als wir." Für die abstoßende Tragödie trügen die Terroristen die alleinige Verantwortung.

Doch der Einsatz in der Sahara rief international auch viel Kritik hervor, da den algerischen Behörden mangelnde Verhandlungsbereitschaft und wenig Rücksicht auf das Schicksal der Gefangenen vorgeworfen wurde. Obama kündigte für die nächsten Tage eine enge Abstimmung mit der algerischen Führung an, um ein klareres Bild von den Ereignissen zu bekommen und so derartige Tragödien künftig zu vermeiden.

Unklarheit über Vermisste

Im Moment ist die Informationslage über die Ereignisse vor Ort und die Zahl der Toten und Vermissten noch widersprüchlich, zumal sich das unübersichtliche Gasfeld über mehrere Hektar Wüste erstreckt.

Satellitenaufnahme vom Gasfeld In Amenas
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Satellitenaufnahme vom Gasfeld In Amenas

Unter den offiziell bestätigten Opfern waren bis zum Samstag mindestens je ein Amerikaner, Franzose, Brite und Rumäne sowie mehrere Algerier. Der britische Premier David Cameron teilte mit, es gebe eine Bestätigung, dass drei Briten getötet worden seien. Weitere drei britische Staatsbürger sowie eine in Großbritannien lebende Person seien vermutlich auch tot. Spezialisten aus Norwegen suchen auf dem Gasfeld nach fünf Vermissten aus dem eigenen Land. Wie das Außenministerium am Sonntag im Rundfunksender NRK weiter mitteilte, bestehe nach wie vor Hoffnung, Betroffene lebend zu finden. Malaysia sucht zwei Mitarbeiter.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts waren keine Deutschen unter den Geiseln. Zwei deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma, die während der Geiselnahme an einem Einsatzort mehrere Kilometer entfernt waren, seien inzwischen nach Großbritannien ausgeflogen worden, so das Außenministerium in Berlin.

Geiselnahme in Algerien beendet
tagesschau 02:40 Uhr, 20.01.2013, Jörg Rheinländer, ARD Madrid

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Widersprüchliche Motive der Geiselnehmer

Nach algerischen Regierungsangaben waren 32 Terroristen unterschiedlicher Nationalitäten über Nachbarländer nach Algerien gelangt. Sie hatten am Mittwoch zunächst zwei Busse mit Mitarbeitern der vom Energiekonzern BP, der norwegischen Statoil und Sonatrach betrieben Gasförderanlage angegriffen, wurden vom bewaffneten Sicherheitsdienst aber zurückgeschlagen. Daraufhin kaperten die Islamisten das Raffineriegelände sowie die Unterkünfte der Arbeiter und nahmen Hunderte Gefangene, wobei die meisten algerischen Arbeiter schnell wieder freigelassen wurden.

Die Extremisten hatten ursprünglich erklärt, mit ihrem Überfall die französische Bodenoffensive gegen Islamisten im benachbarten Mali bestrafen zu wollen. Später gaben sie allerdings an, die Aktion seit über zwei Monaten geplant zu haben, also lange bevor Paris in den malischen Konflikt eingriff. Zudem gab es eine Erklärung, wonach die Geiselnehmer zwei amerikanische Gefangenen gegen zwei in den USA inhaftierte Personen austauschen wollten. Bei einem der beiden handelt es sich um den blinden Scheich Omar Abdel Rahman, der wegen eines Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Als Zweiter wurde der Pakistaner Aafia Siddiqui genannt, der wegen der Ermordung zweier US-Soldaten in Afghanistan verurteilt wurde.

Hintergrund

Die Gasanlage Tiguentourine bei In Amenas ist das drittgrößte Gasfeld Algeriens. Von dort stammen 18 Prozent des exportierten Gases. Täglich werden 75 Millionen Kubikmeter Gas durch die Gaspipeline Transmed nach Italien gepumpt.

Seit 2006 wird der mitten in der Wüste gelegene isolierte Komplex von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In dem Industriekomplex arbeiten rund 700 Menschen; die meisten von ihnen sind Algerier. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Quelle: AFP

Stand: 20.01.2013 08:12 Uhr

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