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Geiselnahme in Amenas

Viele Tote unter Opfern und Tätern

Geiselnahme in Algerien mit Gewalt beendet

Algerische Sicherheitskräfte haben die Gasförderanlage in der Sahara eingenommen und die Geiselnahme beendet. Der Sturmangriff algerischer Soldaten habe dem Drama ein Ende gesetzt und "einen weiteren Verlust an Menschenleben" zur Folge gehabt, sagte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond bei einer Pressekonferenz mit seinem US-Kollegen Leon Panetta. Dass es Todesopfer gegeben habe, sei "entsetzlich und unannehmbar", liege aber in der "alleinigen Verantwortung der Terroristen". London drängt die algerische Regierung laut Hammond aber, "Details zur genauen Lage" zu veröffentlichen.

Nach übereinstimmenden Agenturangaben wurden bei der Aktion zahlreiche Menschen getötet. Elf Geiselnehmer seien ums Leben gekommen, sieben ausländische Geiseln seien offenbar zuvor von den Kidnappern getötet worden. Nach Regierungsangaben sind damit insgesamt 23 Geiseln und 32 Extremisten ums Leben gekommen. 685 algerische Arbeiter und 107 ausländische Kräfte hätten befreit werden können. Dutzende ausländische Arbeiter werden weiter vermisst, weshalb die Opferzahl noch steigen könnte.

Gelände vermint

Spezialeinheiten erhielten ersten Angaben zufolge am Morgen den Auftrag, das seit Mittwoch andauernde Geiseldrama zu beenden. Nach Informationen der algerischen Zeitung "El Watan" hatten die Entführer am Morgen begonnen, ihre Geiseln zu töten. Die Armee habe dann die Anlage gestürmt. Die Geiselnehmer hätten das Gelände vermint, teilte das algerische Öl- und Gasunternehmen Sonatrach mit. Soldaten seien dabei, die Sprengsätze zu entschärfen.

Hinweisschild auf die Gasanlage in der algerischen Wüste.
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Was genau in der Industrieanlage vorgeht, ist ungewiss.

Mit Bezugnahme auf Informanten berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, es seien 16 ausländische Geiseln aus der Gewalt der Islamisten befreit worden. Meldungen, wonach zwei Deutsche darunter seien, bestätigten sich nicht. Zwei deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma hatten sich aber in der Nähe der besetzten Gasanlage befunden, teilte das Auswärtige Amt mit. In Kürze sollen sie ausgeflogen werden.

Lage bleibt unübersichtlich

Was sich in dem Komplex im Laufe des Tages abspielte, ist bislang nicht bekannt. Das Gelände war von Soldaten umstellt, und Hubschrauber überflogen das Gebiet. Die Sicherheitskräfte hatten um das gesamte Gelände im Abstand von etwa zehn Kilometern einen Absperrring gezogen. Krankenwagen standen bereit.

Ungeklärt ist auch, wie viele Menschen sich bis zum Beginn des Einsatzes in der Gewalt der islamistischen Terroristen befanden. Nach Angaben des algerischen Kommunikationsministers Mohammed Said waren es 30. Die französische Nachrichtenagentur AFP hatte hingegen algerische Sicherheitskräfte mit der Aussage zitiert, es seien noch zehn Geiseln in der Hand islamistischer Extremisten, unter ihnen Algerier und Ausländer. Die Extremisten gaben selber an, noch drei Belgier, zwei US-Bürger, einen Japaner und einen Briten in ihrer Hand zu haben.

Statoil-Mitarbeiter vor Angriff befreit

Satellitenaufnahme vom Gasfeld In Amenas
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Satellitenaufnahme vom Gasfeld In Amenas

Der norwegische Konzern Statoil hatte am Morgen noch sechs Mitarbeiter vermisst, nachdem zwei weitere Angestellte in Sicherheit gebracht worden waren, wie der Generaldirektor des Konzerns, Helge Lund, erkärte. "Die Situation bleibt konfus und ernst", sagte Lund. Gestern Abend wurden drei Rumänen befreit, wie die Regierung in Bukarest mitteilte. Japans Regierungschef Shinzo Abe sagte, es würden noch zehn Japaner vermisst. Die japanische Baufirma JGC teilte mit, von ihren 78 japanischen und anderen Mitarbeitern würden weiter 58 vermisst.

Unklar ist, ob die Vermissten bei dem ersten Befreiungsversuch der algerischen Armee am Donnerstag getötet wurden. Berichten zufolge starben bei dem Angriff zwischen zwölf und 30 Geiseln. 650 Geiseln sollen aus der vom Militär umstellten Anlage befreit worden sein.

Mehrere ausländische Regierungen hatten in den vergangenen Tagen an die algerische Regierung appelliert, dem Schutz der Geiseln höchste Priorität einzuräumen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Geiselnahme scharf. In einer in New York verbreiteten Mitteilung sprachen die 15 Mitglieder des Gremiums von einem abscheulichen Angriff Al-Kaida-naher Kämpfer.

Die Extremisten hatten am Mittwoch die Gasanlage von In Amanes nahe der libyschen Grenze gestürmt und die Mitarbeiter gefangen genommen. Sie forderten unter anderem ein Ende des französischen Einsatzes gegen islamistische Extremisten im benachbarten Mali.

Geiselnahme in Algerien beendet
tagesschau 02:40 Uhr, 20.01.2013, Jörg Rheinländer, ARD Madrid

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Hintergrund

Die Gasanlage Tiguentourine bei In Amenas ist das drittgrößte Gasfeld Algeriens. Von dort stammen 18 Prozent des exportierten Gases. Täglich werden 75 Millionen Kubikmeter Gas durch die Gaspipeline Transmed nach Italien gepumpt.

Seit 2006 wird der mitten in der Wüste gelegene isolierte Komplex von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In dem Industriekomplex arbeiten rund 700 Menschen; die meisten von ihnen sind Algerier. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Quelle: AFP

Stand: 19.01.2013 21:28 Uhr

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