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Zahlreiche Tote in Algerien
Sicherheitskräfte stürmen Gasanlage
Bei einem Sturmangriff auf die Geiselnehmer in der Wüste von Algerien sind nach übereinstimmenden Agenturangaben zahlreiche Menschen getötet worden. Elf Geiselnehmer seien bei dem Einsatz ums Leben gekommen, sieben ausländische Geiseln seien offenbar von den Kidnappern getötet worden, berichtet die algerische Agentur APS mit Bezug auf algerische Sicherheitskräfte.
Spezialeinheiten erhielten ersten Angaben zufolge am Morgen den Auftrag, das seit Tagen andauernde Geiseldrama in einer Gasförderanlage im Süden des Landes zu beenden. Nach Informationen der algerischen Zeitung "El Watan" hatten die Entführer am Morgen begonnen, ihre Geiseln zu töten. Die Armee habe dann die Anlage gestürmt. Das Gelände sei von den Geiselnehmern vermint worden, teilte das algerische Öl- und Gasunternehmen Sonatrach mit. Soldaten seien dabei, die Sprengsätze zu entschärfen.
Mit Bezugnahme auf Informanten berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, es seien 16 ausländische Geiseln aus der Gewalt der Islamisten befreit worden. Es hieß, unter ihnen seien auch zwei Deutsche. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bekräftigte jedoch die Aussagen der vergangenen Tage, wonach in Berlin keine Erkenntnisse darüber vorlagen, dass von der Geiselnahme auch Deutsche betroffen waren.
Lage bleibt unübersichtlich
Was sich in dem Komplex im Laufe des Tages abspielte, war bislang nicht zu erfahren. Das Gelände war von Soldaten umstellt, und Hubschrauber überflogen das Gebiet. Die Sicherheitskräfte hatten um das gesamte Gelände im Abstand von etwa zehn Kilometern einen Absperrring gezogen. Krankenwagen standen bereit.
Unklar ist, wie viele Menschen sich bis zum Beginn des Einsatzes in der Gewalt der islamistischen Terroristen befanden. Nach Angaben des algerischen Kommunikationsministers Mohammed Said waren es 30. Die französische Nachrichtenagentur AFP hatte hingegen algerische Sicherheitskräfte mit der Aussage zitiert, es seien noch zehn Geiseln in der Hand islamistischer Extremisten, unter ihnen Algerier und Ausländer. Die Extremisten gaben selber an, noch drei Belgier, zwei US-Bürger, einen Japaner und einen Briten in ihrer Hand zu haben. Sie hatten am Mittwoch die Gasanlage von In Amanes nahe der libyschen Grenze gestürmt und die Mitarbeiter gefangen genommen. Sie forderten unter anderem ein Ende des französischen Einsatzes gegen islamistische Extremisten im benachbarten Mali.
Mehrere ausländische Regierungen hatten in den vergangenen Tagen an die Regierung in Algier appelliert, dem Schutz der Geiseln höchste Priorität einzuräumen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Geiselnahme scharf. In einer in New York verbreiteten Mitteilung sprachen die 15 Mitglieder des Gremiums von einem abscheulichen Angriff Al-Kaida-naher Kämpfer.
Statoil-Mitarbeiter vor Angriff befreit
Der norwegische Konzern Statoil hatte am Morgen noch sechs Mitarbeiter vermisst, nachdem zwei weitere Angestellte in Sicherheit gebracht worden waren, wie der Generaldirektor des Konzerns, Helge Lund, erkärte. "Die Situation bleibt konfus und ernst", sagte Lund. Gestern Abend wurden drei Rumänen befreit, wie die Regierung in Bukarest mitteilte. Japans Regierungschef Shinzo Abe sagte, es würden noch zehn Japaner vermisst. Die japanische Baufirma JGC teilte mit, von ihren 78 japanischen und anderen Mitarbeitern würden weiter 58 vermisst.
Unklar ist, ob die Vermissten bei dem Angriff der algerischen Armee auf die Geiselnehmer am Mittwoch getötet wurden. Berichten zufolge starben bei dem Befreiungsversuch zwischen zwölf und 30 Geiseln. 650 Geiseln sollen aus der vom Militär umstellten Anlage befreit worden sein.
Jörg Rheinländer (ARD) zur Entwicklung im algerischen Geiseldrama
tagesschau 17:50 Uhr, 19.01.2013
Stand: 19.01.2013 15:02 Uhr
