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Algerien lehnt Gespräche mit Geiselnehmern ab "Die Botschaft ist klar, und sie ist brutal"

Stand: 19.01.2013 01:30 Uhr

Noch immer befinden sich auf der algerischen Gasförderanlage bei In Amenas rund 30 Ausländer in der Gewalt der Geiselnehmer. Ziel der Kidnapper: ein Austausch von Gefangenen sowie der Abzug der französischen Truppen aus dem Nachbarland Mali. Doch sowohl die USA als auch Algerien lehnen Verhandlungen ab. In Mali gehen die Kämpfe unterdessen weiter.

Von Stefan Ehlert, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika

Erleichtert äußerten sich einige der befreiten Geiseln im algerischen Staatsfernsehen. Erleichtert, doch in Sorge um die rund 30 weiteren Menschen, die sich noch immer in der Hand der Terroristen befinden, darunter Japaner, Briten, Norweger und US-Amerikaner.

Norwegens Regierungschef Jens Stoltenberg sagte, die Bevölkerung müsse sich auf schlechte Nachrichten einstellen. Weder die USA noch Algerien wollen mit den Geiselnehmern verhandeln. Die USA und Japan forderten Algerien jedoch zu extremer Vorsicht auf.

Algerien zeigt Härte gegenüber Geiselnehmern

Doch der algerische Journalist Akrem Belkaim sagte im französischen Radio, Algeriens Regierung gehe immer mit harter Hand gegen Geiselnehmer vor - das habe schon Tradition. "Es ist klar, dass es verschiedene Möglichkeiten gab, vor allem die der langwierigen Verhandlungen", sagte Belkaim. "Aber es ist offensichtlich, dass die Regierung ein klares Signal aussenden wollte, unglücklicherweise für einige Geiseln, und die Botschaft lautet: Lasst die Finger weg vom algerischen Ölsektor. Die Botschaft ist klar, und sie ist brutal."

Brutal auch für die Geiseln, die sich gestern nach unbestätigten Angaben noch immer auf dem Gelände des Industriekomplexes befanden. Das algerische Militär gab an, man habe auf dem Gasfeld In Amenas 650 Menschen befreit. Doch man sei noch nicht fertig mit den Terroristen.

alt EIn Archivbild der Gasanlage im algerischen In Amenas | Bildquelle: dapd

Hintergrund

Die Gasanlage Tiguentourine bei In Amenas ist das drittgrößte Gasfeld Algeriens. Von dort stammen 18 Prozent des exportierten Gases. Täglich werden 75 Millionen Kubikmeter Gas durch die Gaspipeline Transmed nach Italien gepumpt.

Seit 2006 wird der mitten in der Wüste gelegene isolierte Komplex von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In dem Industriekomplex arbeiten rund 700 Menschen; die meisten von ihnen sind Algerier. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Quelle: AFP

Geiselnehmer fordern Abzug der Franzosen aus Mali

Die Gruppe mit dem Namen "Die mit Blut unterzeichnen" hatte das Gasfeld am Mittwoch besetzt und fordert den Abzug des französischen Militärs aus Mali. Doch dort wurden die französischen Truppen gestern um 700 auf 1800 aufgestockt. Seit mehr als einer Woche versuchen malische und französische Soldaten, den von Islamisten kontrollierten Norden Malis zurückzuerobern.

400.000 Flüchtlinge in Mali - Hilfswerke schlagen Alarm

Dort verschlechtert sich die Lage der Menschen rapide, beklagen Hilfswerke wie Misereor. Mehr als 400.000 sind vor dem Kämpfen aus dem Norden geflüchtet. Auch das Rote Kreuz schlug Alarm: "Vor allem die Versorgung mit Trinkwasser in Städten wie Timbuktu und Gao wird schwierig", sagte Sprecher Germain Ouewou. Seit Monaten schon leide die Bevölkerung, auch Sprit sei für die zivile Bevölkerung kaum mehr erschwinglich, um Generatoren oder Pumpen zu betreiben. Der Bischof von Bamako rief dazu auf, humanitäre Korridore zur Versorgung der Menschen einzurichten.

Diabali und Konna von Regierungstruppen zurückerobert

Ein Ende der Kampfhandlungen ist derzeit nicht absehbar, auch wenn malische und französische Soldaten gestern die strategisch wichtigen Städte Konna und Diabali wieder unter ihre Kontrolle gebracht haben sollen. Über Todesopfer und Verletze wurde dabei nichts bekannt.

Offizielle Informationen sind eher die Ausnahme in diesem Konflikt, in den ab heute auch die Bundeswehr mit logistischer Unterstützung eingreift. Zwei deutsche Transall-Maschinen werden nach Zwischenstopp in Marokko in Malis Hauptstadt Bamako erwartet. Sie sollen Soldaten der westafrikanischen Staatengemeinschaft nach Mali fliegen.

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