Gasanlage In Amenas | Bildquelle: AFP

Geiseldrama im algerischen In Amenas "Wir verhandeln nicht mit Terroristen"

Stand: 18.01.2013 21:48 Uhr

Im Geiseldrama in Algerien versuchen die Kidnapper, einen Gefangenaustausch zu erreichen. US-Behörden lehnen jedoch jede Verhandlung ab.

"Die Vereinigten Staaten verhandeln nicht mit Terroristen", teilte das US-Außenministerium mit. Der algerische Regierungschef Abdelmalek Sella halte die Amerikaner über die Vorgänge auf dem Laufenden, teilte US-Außenministerin Hillary Clinton mit. Die Lage sei derzeit sehr unübersichtlich.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta drohte den Entführern mit Konsequenzen: "Die Terroristen sollten wissen, dass es für sie kein Versteck, keinen Fluchtpunkt gibt".

Nach Informationen der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI fordert der Drahtzieher der Geiselnahme, Mokhtar Belmokhtar, in einer Videobotschaft die Freilassung von zwei in den USA inhaftierten Terroristen. Im Gegenzug stellte er in Aussicht, amerikanische Geiseln freilassen zu wollen. Bei einem von den beiden Inhaftierten handelt es sich um Omar Abdel Rahman. Der blinde Scheich wurde wegen eines Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Offenbar 100 von etwa 130 ausländischen Geiseln frei

Weiterhin verbarrikadieren sich zahlreiche Islamisten auf der Industrieanlage im Süden Algeriens. Soldaten einer Elitetruppe versuchen, sie zum Aufgeben zu bewegen. Kommunikationsminister Mohand Said Oublaid erklärte aber, Algerien werde sich nicht erpressen lassen: "Wer glaubt, wir würden mit Terroristen verhandeln, täuscht sich."

Ein Screenshot zeigt befreite Geiseln in dem algerischen Ort Tigantourine. | Bildquelle: Reuters
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Befreite Geiseln in dem algerischen Ort Tigantourine

Inzwischen soll die algerische Armee etwa 100 ausländische Geiseln befreit haben. Damit wären nur noch knapp 30 Ausländer in der Gewalt der Islamisten. Seit Beginn des Befreiungsversuchs der Streitkräfte am Donnerstag seien jedoch mindestens zwölf Geiseln getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur APS unter Berufung auf Sicherheitskreise. Unter den Opfern seien sowohl algerische Arbeiter als auch Ausländer. Nach Angaben des französischen Außenministers Laurent Fabius war unter den Toten auch ein Franzose.

Arabische Sprache, gut bewaffnet, 30-35 Jahre alt

Ein algerischer Ingenieur, der in der Anlage gearbeitet hatte und aus den Händen der Islamisten befreit wurde, berichtet: "Sie brachen die Türen auf und schrien: "Wir suchen nur die Ausländer". Die Angreifer seien zwischen 30 und 35 Jahren gewesen und schwer bewaffnet. Sie hätten Arabisch gesprochen. Ausländer seien von Algeriern getrennt worden.

Während der Kämpfe wurde auch ein Geiselnehmer gefangen genommen. Das berichtet die algerische Zeitung "El Watan". Nach einem "harten Verhör", habe er ausgesagt, dass sein Kommando aus insgesamt 32 Männern bestanden habe. 18 Islamisten seien inzwischen "außer Gefecht" gesetzt worden, berichtet APS unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Neue Angriffe angedroht

Islamisten drohten unterdessen mit neuen Angriffen auf ausländische Einrichtungen in Algerien. Internationale Ölkonzerne haben deshalb begonnen, Personal aus dem Land abzuziehen. Bereits gestern seien mehrere hundert Mitarbeiter verschiedener Unternehmen mit drei Flügen außer Landes gebracht worden, sagte ein Sprecher des Ölkonzerns BP. Ein weiterer Flug sollte heute starten.

"Dunkle Wolke" über Algerien

Die Gasförderung in In Amenas wurde laut APS inzwischen stillgelegt. Damit solle der Gefahr von Explosionen vorgebeugt werden. Die Gasanlage wird seit 2006 von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte vor negativen Auswirkungen der Geiselnahme auf das algerische Energiegeschäft. Wie eine "dunkle Wolke" würden die Ereignisse über dem Land schweben, teilte die IEA mit.

Islamische Extremisten hatten am Mittwoch das Erdgasfeld überfallen und zahlreiche Beschäftigte, darunter auch viele Ausländer, in ihre Gewalt gebracht, um den französischen Einsatz in Mali zu stoppen. Am Donnerstag hatte das algerische Militär versucht, das Geiseldrama gewaltsam zu beenden. Dabei gab es offenbar zahlreiche Tote, genaue Zahlen liegen nicht vor. Unter den Opfern sollen viele Ausländer sein.

alt EIn Archivbild der Gasanlage im algerischen In Amenas | Bildquelle: dapd

Hintergrund

Die Gasanlage Tiguentourine bei In Amenas ist das drittgrößte Gasfeld Algeriens. Von dort stammen 18 Prozent des exportierten Gases. Täglich werden 75 Millionen Kubikmeter Gas durch die Gaspipeline Transmed nach Italien gepumpt.

Seit 2006 wird der mitten in der Wüste gelegene isolierte Komplex von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In dem Industriekomplex arbeiten rund 700 Menschen; die meisten von ihnen sind Algerier. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Quelle: AFP

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