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Kämpfe in algerischer Gasanlage
Dutzende ausländische Geiseln offenbar befreit
Algerische Sicherheitskräfte haben offenbar mehr als 65 ausländische Geiseln aus ihrer Gefangenschaft in der Gasanlage in In Amenas befreit. Nach Informationen aus algerischen Sicherheitskreisen seien damit mehr als die Hälfte der 132 ausländischen Geiseln in Sicherheit. Eine andere Quelle berichtet von 100 befreiten Ausländern. Insgesamt seien 650 Geiseln aus den Händen der Islamisten befreit worden, der Großteil Algerier. Bislang gibt es keine offizielle Bestätigung für diese Informationen.
Die Operation der algerischen Armee zur Beendigung der Geiselnahme auf dem Gasfeld in der Sahara dauert weiter an. Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte, dies habe ihm die algerische Regierung bestätigt. Mehrere Islamisten haben sich mit Geiseln auf der Anlage verschanzt.
Islamisten wollen US-Geiseln gegen Straftäter austauschen
Offenbar versuchen die islamistischen Kidnapper derzeit, einen Austausch von Geiseln gegen inhaftierte Islamisten zu erzwingen. Nach Informationen der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI fordert der Drahtzieher der Geiselnahme, Mokhtar Belmokhtar, in einer Videobotschaft die Freilassung von zwei in den USA inhaftierten Terroristen. Im Gegenzug stellte er in Aussicht, amerikanische Geiseln freilassen zu wollen. Bei einem von den beiden Inhaftierten handelt es sich um Omar Abdel Rahman. Der blinde Scheich wurde wegen eines Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die US-Regierung wies Forderungen nach einem Gefangenenaustausch zurück. "Die Vereinigten Staaten verhandeln nicht mit Terroristen", teilte das Außenministerium mit. US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland bestätigte, dass Amerikaner unter den Geiseln seien. Sie beschrieb die Lage als "sehr unübersichtlich".
US-Verteidigungsminister Leon Panetta drohte den Entführern mit Konsequenzen: "Die Terroristen sollten wissen, dass es für sie kein Versteck, keinen Fluchtpunkt gibt". Panetta trifft sich am Nachmittag mit dem britischen Premier David Cameron. Unter den Geiseln sind offenbar Bürger beider Länder. Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass Deutsche oder deutsche Firmen von dem Angriff betroffen sind.
Laut Agenturbericht hunderte Geiseln befreit
tagesthemen 21:20 Uhr, 18.01.2013, Vivienne Rademacher, ARD Paris
Neue Angriffe angedroht
Islamisten drohten unterdessen mit neuen Angriffen auf ausländische Einrichtungen in Algerien. Internationale Ölkonzerne haben deshalb begonnen, Personal aus dem Land abzuziehen. Bereits gestern seien mehrere hundert Mitarbeiter verschiedener Unternehmen mit drei Flügen außer Landes gebracht worden, sagte ein Sprecher des Ölkonzerns BP. Ein weiterer Flug sollte heute starten.
Die Gasförderung in In Amenas wurde laut der Nachrichtenagentur APS inzwischen stillgelegt. Damit solle der Gefahr von Explosionen vorgebeugt werden. Die Gasanlage wird seit 2006 von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.
Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte vor negativen Auswirkungen der Geiselnahme auf das algerische Energiegeschäft. Wie eine "dunkle Wolke" würden die Ereignisse über dem Land schweben, teilte die IEA mit.
Islamische Extremisten hatten am Mittwoch das Erdgasfeld überfallen und zahlreiche Beschäftigte, darunter auch viele Ausländer, in ihre Gewalt gebracht, um den französischen Einsatz in Mali zu stoppen. Am Donnerstag hatte das algerische Militär versucht, das Geiseldrama gewaltsam zu beenden. Dabei gab es offenbar zahlreiche Tote, genaue Zahlen liegen nicht vor. Unter den Opfern sollen viele Ausländer sein.
Stand: 18.01.2013 17:19 Uhr
