In Amenas-Gasfeld (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Gasfeld in Algerien Was ist mit den Geiseln der Islamisten?

Stand: 18.01.2013 11:20 Uhr

Die Lage auf dem zwischen islamistischen Geiselnehmern und der Armee umkämpften Gasfeld im Osten Algeriens bleibt unübersichtlich. Nach wie vor schweigt die algerische Regierung zur genauen Zahl der Toten und Verletzten. Die Militäroperation scheint auch noch nicht beendet zu sein: Lediglich ein Abschnitt mit Wohngebäuden für Mitarbeiter sei gesichert worden, berichtete die algerische Nachrichtenagentur APS unter Berufung auf örtliche Behörden. Die Fabrikanlagen selbst sind demnach weiter von Soldaten umstellt.

Schicksal vieler Opfer ist unklar

Unklar ist nach wie vor auch das Schicksal vieler Geiseln. Die islamistischen Angreifer hatten nach eigenen Angaben Hunderte Menschen in ihre Gewalt gebracht, darunter etwa 40 Ausländer aus Großbritannien, Norwegen, den USA, Frankreich und Japan.

Ein algerischer Augenzeuge, der sich befreien konnte, schilderte im Radiosender RFI, die schwer bewaffneten Angreifer hätten das Tor zum Gasfeld bewacht: "Als die algerische Armee das Feuer eröffnete, trennten sie uns - die algerischen Kollegen in einen Teil des Geländes, die Ausländer in einen anderen. Einige Geiselnehmer haben unter Beschuss durch die Armee dann die Flucht ergriffen. Ich bin erschüttert, dass unsere ausländischen Kollegen nun besonders leiden müssen. Diejenigen, die überlebt haben, werden von den Geiselnehmern nun als menschliche Schutzschilde missbraucht."

Ein Brite wurde nach Regierungsangaben aus London getötet. Der norwegische Energiekonzern Statoil erklärte, ein Angestellter sei in Sicherheit. Wo sich acht weitere Mitarbeiter befänden, sei ungewiss. Die japanische Regierung teilte mit, drei von 17 Landsleuten seien in Sicherheit. Deutsche sind nach Angaben der Bundesregierung nicht betroffen.

Keine Informationen im Vorfeld des Einsatzes

Einig sind sich die ausländischen Regierungen in ihrer Kritik an Algeriens Informationsweitergabe. Der britische Premierminister David Cameron ließ erklären, dass er gern im Vorfeld über die Militäraktion informiert worden wäre. Ähnlich äußerte sich auch ein US-Regierungsvertreter. Frankreichs Präsident François Hollande bezeichnete die Lage in Algerien als "dramatisch". Auch Norwegens Regierungschef Jens Stoltenberg sagte, sei lediglich über die laufende Militäraktion in Kenntnis gesetzt worden. Er habe Algerien um militärische Zurückhaltung zum Schutz der Geiseln gebeten.

Kidnapper berichten von 34 getöteten Geiseln

Islamisten einer Gruppe namens "Unterzeichner für Blut" hatten das Gasfeld im Osten Algeriens etwa 1300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Algier am Mittwoch unter ihre Kontrolle gebracht. Sie forderten ein Ende des französischen Militäreinsatzes im Nachbarland Mali. Die algerische Armee ging am Donnerstag mit Boden- und Luftstreitkräften gegen die Geiselnehmer vor. Die Islamisten gaben an, bei dem Militäreinsatz seien 34 Geiseln und 15 Kidnapper getötet worden, und drohten mit der Tötung von sieben verbliebenen Geiseln. Die mauretanische Nachrichtenagentur ANI meldete unter Berufung auf einen Sprecher der Islamisten, auch der Anführer der Islamisten sei tot.

Algerischen Medien zufolge gelang 15 Ausländern und 30 Algeriern vor dem Angriff die Flucht. Später seien 600 weitere Geiseln befreit worden. Bestätigungen für die verschiedenen Berichte gibt es nicht. Derweil gehen die Spekulationen über die Herkunft der Geiselnehmer weiter. Der algerische Innenminister Dahou Ould Kabila sagte der Internetausgabe der Tageszeitung "Echorouk", nach den bisherigen Informationen sei die "Terroristengruppe" aus dem Nachbarland Libyen über die Grenze gekommen. Am Mittwoch hatte er gesagt, die Geiselnehmer kämen aus der Umgebung des Gasfelds.

Screenshot von algerischen Militärfahrzeugen in der Nähe des umkämpften Gasfelds (Dezember 2012) | Bildquelle: AFP
galerie

Algerische Militärfahrzeuge in der Nähe des Gasfelds (Screenshot vom Dezember 2012): Es gibt keine Bilder und kaum Informationen vom Ort des Geschehens.

alt EIn Archivbild der Gasanlage im algerischen In Amenas | Bildquelle: dapd

Hintergrund

Die Gasanlage Tiguentourine bei In Amenas ist das drittgrößte Gasfeld Algeriens. Von dort stammen 18 Prozent des exportierten Gases. Täglich werden 75 Millionen Kubikmeter Gas durch die Gaspipeline Transmed nach Italien gepumpt.

Seit 2006 wird der mitten in der Wüste gelegene isolierte Komplex von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In dem Industriekomplex arbeiten rund 700 Menschen; die meisten von ihnen sind Algerier. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Quelle: AFP

Darstellung: