Seitenueberschrift

Karte Amenas, Algerien und Mail

Blutbad in Algerien

Viele Tote bei Angriff auf Geiselnehmer

Mit Luft- und Bodentruppen ist die algerische Armee gegen die islamistischen Geiselnehmer auf dem Erdgasfeld im Osten des Landes vorgegangen. Es gibt widersprüchliche Meldungen darüber, ob der Einsatz inzwischen beendet ist. Die staatliche Nachrichtenagentur APS meldet, dass die Kämpfe nach stundenlangen Gefechten inzwischen beendet seien.

Gesicherte Angaben über den Hergang der Aktion und die Anzahl der Toten und Verletzten gibt es noch immer nicht. Die mauretanische Internetseite ANI meldete unter Berufung auf einen Sprecher der islamistischen Gruppe, dass 35 Geiseln und 14 Kidnapper getötet worden seien. Auch der für die Geiselnahme verantwortliche Anführer der Gruppe, Abu al Baraa, sei tot. Aus algerischen Sicherheitskreisen heißt es, unter den getöteten Geiseln seien acht Algerier, zwei Japaner, zwei Briten und ein Franzose. Eine offizielle Bestätigung liegt bislang nicht vor.

Der erste Luftangriff sei erfolgt, als die Kidnapper versucht hätten, einige ihrer Geiseln - unter ihnen Briten, Norweger, US-Amerikaner, Franzosen und Japaner - mit Fahrzeugen in einen anderen Teil der Anlage zu bringen, hieß es weiter. Ein Sprecher der Islamisten hatte gedroht, die verbliebenen Geiseln zu töten, falls Bodentruppen das Gelände stürmen würden.

Geiselnahme in Algerien endet in Blutbad
tagesthemen 22:15 Uhr, 17.01.2013, Jörg Rheinländer, ARD Madrid

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Mehrere Geiseln gelingt Flucht

Mehrere Medien hatten berichtet, dass 15 Ausländern und 30 algerischen Arbeitern vor den Angriffen die Flucht aus der Anlage in In Amenas gelungen sei, darunter einem französischen Paar und einem 36-jährigen Iren, der sich - wie das Außenministerium in Dublin bestätigte - "sicher und wohlauf" bei seiner Familie gemeldet habe.

Später meldete die algerische Nachrichtenagentur APS, insgesamt rund 600 algerische Geiseln seien befreit worden. Auf der Anlage in der Wüste arbeiten rund 700 Menschen. Es blieb aber unklar, wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme dort aufhielten.

Heftige Kritik an Informationspolitik Algeriens

Algerien startete den Militärangriff auf die Anlage offenbar ohne Rücksprache mit westlichen Regierungen, aus deren Länder Bürger in die Gewalt der Islamisten geraten waren. Die Informationspolitik der Regierung in Algier wurde harsch kritisiert.

Er hätte es bevorzugt, vor Beginn der Militäraktion informiert zu werden, ließ Premierminister David Cameron mitteilen. Stattdessen habe London erst Informationen erhalten, als die Militäroperation bereits im Gange gewesen sei. Seine für Freitag geplante EU-Rede sagte Cameron wegen der aktuellen Lage ab. Frankreichs Präsident François Hollande sagte, er werde von Algier zwar regelmäßig informiert, räumte aber ein: "Ich verfüge noch nicht über genug Informationen, um eine Bewertung abzugeben."

Die US-Regierung teilt die Sorge um die Geiseln. "Wir versuchen, von der algerischen Regierung Klarheit zu bekommen", sagte Sprecher Jay Carney. Japan forderte Algerien auf, die Militäraktion sofort zu beenden. Das Leben der Geiseln müsse die "höchste Priorität" haben, sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga.

Jens Stoltenberg
galerie

Beklagte den spärlichen Informationsfluss aus Algerien: Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg

Auch Norwegen bat Algerien offiziell um militärische Zurückhaltung zum Schutz der Geiseln. Ministerpräsident Jens Stoltenberg beklagte, keine sicheren Informationen über das Schicksal der Geiseln aus Algier zu bekommen. Er sei von seinem algerischen Kollegen lediglich über die bereits laufende Militäraktion informiert worden.

"Wir haben über andere Kanäle mehr Informationen bekommen, die wir aber vorerst nicht öffentlich machen könnten", sagte Stoltenberg. Er habe "absolut Hoffnung", dass alle neun Geiseln aus Norwegen noch am Leben seien. Algerien habe auch ein Angebot zur sofortigen Bereitstellung medizinischer Hilfe aus Norwegen für mögliche Verletzte abgewiesen. Aus Oslo sollte trotzdem ein Flugzeug nach Algerien starten, um befreite Geiseln auszufliegen.

Hintergrund

Die Gasanlage Tiguentourine bei In Amenas ist das drittgrößte Gasfeld Algeriens. Von dort stammen 18 Prozent des exportierten Gases. Täglich werden 75 Millionen Kubikmeter Gas durch die Gaspipeline Transmed nach Italien gepumpt.

Seit 2006 wird der mitten in der Wüste gelegene isolierte Komplex von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In dem Industriekomplex arbeiten rund 700 Menschen; die meisten von ihnen sind Algerier. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Quelle: AFP

Islamistengruppe fordert Ende des Mali-Einsatzes

Die Islamisten hatten am Mittwoch die Einrichtungen in einem Erdgasfeld gestürmt und nach eigenen Angaben mehr als 40 Ausländer und zahlreiche Algerier als Geiseln genommen. Bei dem Angriff waren ein Brite und ein Algerier getötet worden.

Die algerische Regierung hatte Verhandlungen mit den Geiselnehmern ausgeschlossen. Verantwortlich für die Geiselnahme ist nach algerischen Angaben die dem Terrornetzwerk Al Kaida nahestehende "Maskierte Brigade" des einäugigen Extremistenführers Mokhtar Belmokhtar. Sie forderte ein Ende des französischen Einsatzes in Mali. Algerien hätten sie als Ort für die Geiselnahme gewählt, weil das Land seinen Luftraum für die französische Luftwaffe geöffnet hatte.

Deutschland schickt Transportflugzeuge

Die EU-Außenminister beschlossen, Militärausbilder nach Mali zu entsenden. Die von Deutschland zugesagten Transall-Transportflugzeuge starteten inzwischen vom schleswig-holsteinischen Flugplatz Hohn aus in das westafrikanische Land.

Dort trafen inzwischen die ersten Soldaten der westafrikanischen Eingreiftruppe ECOWAS ein. Die 40 Streitkräfte aus Togo wurden in Bamako von französischen und malischen Soldaten begrüßt. Insgesamt will ECOWAS im Rahmen der Internationalen Unterstützungsmission für Mali (MISMA) 3000 Soldaten entsenden.

EU will 250 Militärausbilder nach Mali schicken
tagesschau 20:00 Uhr, 17.01.2013, Rolf-Dieter Krause, ARD Brüssel

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Stand: 17.01.2013 22:56 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

15 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: