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Geiseldrama in Algerien eskaliert
Viele Tote bei Luftwaffenangriff auf Islamisten
Die algerische Luftwaffe hat einen Angriff gegen die Geiselnehmer auf dem Erdgasfeld im Osten des Landes geflogen und dabei offenbar ein Blutbad angerichtet. 35 Geiseln und 14 Kidnapper seien getötet worden, meldete die mauretanische Internetseite ANI unter Berufung auf einen Sprecher der islamistischen Gruppe. Auch der für die Geiselnahme verantwortliche Anführer der Gruppe, Abu al Baraa, sei tot. Sieben ausländische Geiseln hätten die Attacke überlebt, sagte der Sprecher der Islamisten weiter.
Das Außenministerium in Dublin bestätigte, dass ein 36-jähriger Ire seinen Entführern entkommen konnte. Er habe sich bei seiner Familie gemeldet und sei "sicher und wohlauf". Die algerische Nachrichtenagentur APS meldete, vier Ausländer und etwa 600 algerische Geiseln hätten befreit werden können. Diese Angaben sind bislang nicht gesichert. Die algerische Regierung gab noch keine Stellungnahme ab. Die Lage ist weiter unübersichtlich.
Wie der Afrika-Korrespondent der ARD, Jörg Rheinländer, berichtet, sollen die Kidnapper versucht haben, einige ihrer Geiseln mit einem Bus in einen anderen Teil der Anlage zu bringen, als der Angriff erfolgte und der Bus getroffen wurde.
Jörg Rheinländer (ARD) zum Geiseldrama in Algerien
tagesschau 15:00 Uhr, 17.01.2013
Die norwegische Regierung gab bekannt, von Algerien offiziell über eine derzeit laufende Militäraktion in In Amenas informiert worden zu sein. Auch ein Sprecher des britischen Auswärtigen Amtes gab keine Auskunft über mögliche Opfer. Er bestätigte jedoch, dass eine Aktion des algerischen Militärs im Gange sei. Diese Information verkündete auch Frankreichs Präsident François Hollande, wie die ARD-Korrespondentin in Paris, Ellis Fröder berichtete.
Ellis Fröder (ARD) mit Information über Angriff auf algerischem Gasfeld
tagesschau 17:00 Uhr, 17.01.2013
Islamistengruppe fordert Ende des Mali-Einsatzes
Die Islamisten hatten gestern die Einrichtungen in einem Erdgasfeld gestürmt und nach eigenen Angaben mehr als 40 Ausländer und zahlreiche Algerier als Geiseln genommen. Algerische Quellen sprachen hingegen von 20 Geiseln. Bei dem Angriff waren ein Brite und ein Algerier getötet worden.
Die algerische Regierung hatte Verhandlungen mit den Geiselnehmern ausgeschlossen. Verantwortlich für die Geiselnahme ist nach algerischen Angaben die dem Terrornetzwerk Al Kaida nahestehende "Maskierte Brigade" des einäugigen Extremistenführers Mokhtar Belmokhtar. Sie forderte ein Ende des französischen Einsatzes in Mali.
Algerien - Nach dem Luftschlag gegen die Geiselnehmer
A. Göbel, ARD Rabat
17.01.2013 17:47 Uhr
Frankreich verteidigt Intervention
Mit dem Überfall in Algerien wurde die Befürchtung Realität, dass die Militäraktion in Mali zu Vergeltungsmaßnahmen von Islamisten in anderen Teilen der Welt führen wird. In Somalia reagierten die Islamisten auf die französische Offensive mit der Erklärung, sie hätten einen 2009 entführten französischen Geheimdienstoffizier getötet.
Frankreichs Botschafter in Mali, Christian Rouyer, sieht in der Geiselnahme eine Rechtfertigung für die Mali-Intervention. "Wir haben hier den unmittelbaren Beweis, dass das Problem weit über den Norden Malis hinausgeht", sagte er. Die Dimension des Problems sei national und international.
EU segnet Mali-Mission ab
Unterdessen beschlossen die Außenminister der EU bei einem Sondertreffen in Brüssel, Militärausbilder nach Mali zu entsenden. Die vermutlich etwa 250 Experten sollen die malischen Streitkräfte befähigen, die Aufständischen im Norden des Landes zu bekämpfen. Die Ausbilder sollen von etwa 200 Soldaten beschützt werden. Die EU-Mission soll sich aber nicht selbst an Kämpfen beteiligen.
"Wir wollen die afrikanischen Kräfte dabei unterstützen, dass sie in die Verantwortung für die Stabilisierung Malis treten können", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle zu Beginn des Treffens über die Ausbildungsmission. Dieser Einsatz sei "ein wichtiger Beitrag der Europäischen Union für eine stabile und verantwortungsvolle Entwicklung in Mali".
EU will 250 Militärausbilder nach Mali schicken
tagesschau 17:00 Uhr, 17.01.2013, Christian Feld, ARD Brüssel
Deutschland schickt Transportflugzeuge
Die Bundesregierung hatte gestern beschlossen, sich mit der Entsendung von zwei Flugzeugen an dem Militäreinsatz zu beteiligen. Die beiden Maschinen vom Typ Transall sollen Truppen der westafrikanischen Wirtschaftsunion ECOWAS in die malische Hauptstadt Bamako bringen. "Diese Maßnahme kann unverzüglich beginnen", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière. Der Einsatz erfordere kein Mandat des Bundestags.
Stand: 17.01.2013 17:07 Uhr
