Flüchtlingsunterkunft nahe des syrisch-türkischen Grenzübergangs Bab al-Salam | Bildquelle: AP

Nach Militärangriffen auf Aleppo Zehntausende Syrer warten an türkischer Grenze

Stand: 06.02.2016 08:29 Uhr

Die Offensive der syrischen Armee und der russischen Luftwaffe hat viele Menschen in die Flucht getrieben. Zehntausende Flüchtlinge warten an der Grenze zur Türkei, um ihr Land zu verlassen. Der Westen wirft Russland vor, den Friedensprozess zu gefährden.

Die Offensive der syrischen Armee und der russischen Luftwaffe auf Aleppo hat Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Bis zu 30.000 syrische Flüchtlinge harrten nahe der geschlossenen Grenze am Übergang Bab al Salam sowie in der Stadt Asas nur wenige Kilometer vom türkischen Staatsgebiet entfernt aus, wie das UN-Büro für Nothilfekoordinierung (OCHA) mitteilte.

Zehntausende Zivilisten weiter auf der Flucht

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte geht von etwa 40.000 Zivilisten aus, die vor den Kämpfen rund um Aleppo geflohen seien sollen. "Tausende Menschen, vor allem Familien mit Frauen und Kindern, warten darauf, in die Türkei zu kommen", sagte ihr Leiter Rami Abdel Rahman. Die türkische Hilfsorganisation IHH, die zehn Lager für vertriebene Syrer an der Grenze betreibt, sprach allein am Grenzübergang Bab al Salam von rund 50.000 Neuankömmlingen.

Die türkische Regierung rechnet sogar mit bis zu 70.000 Flüchtlingen aus der Region um Aleppo. Die Türkei hat nach offiziellen Angaben bereits etwa 2,5 Millionen Syrer aufgekommen.

Tausende Syrer flüchten vor anhaltender Gewalt
tagesschau 20:00 Uhr, 05.02.2016, Thomas Aders, ARD Kairo

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Aleppo ist seit fast drei Jahren eine geteilte Stadt

Vor einigen Tagen hatte die syrische Armee mit der libanesischen Hisbollah-Miliz und der massiven Unterstützung russischer Kampfflugzeuge eine Offensive in der Region Aleppo begonnen. Ermöglicht wurde der Vormarsch der Regierungstruppen durch die russische Militärintervention, die Ende September begonnen hatte.

Die Großstadt Aleppo ist seit Mitte 2012 geteilt: Der Westen wird von der Regierung gehalten, während die östlichen Viertel unter Kontrolle der Rebellen stehen. Der Verlust der Millionenstadt wäre die bisher schwerste Niederlage für die Aufständischen. Auch im Süden verzeichnete die Armee mit der Eroberung der Ortschaft Atman einen Erfolg.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Kerry: "Das muss aufhören"

US-Außenminister Kerry warf Russland erneut vor, bei seinen Luftangriffen in Syrien zahlreiche Zivilisten zu töten. Durch die russischen Angriffe würden Zivilisten "in großer Zahl" getötet, darunter auch Frauen und Kinder. Er warf Russland vor, auch Krankenhäuser und Rettungskräfte anzugreifen. Das müsse aufhören, sagte Kerry. Er forderte die russische Regierung auf, sich für einen Waffenstillstand in Syrien einzusetzen. Moskau habe ihm gegenüber zuletzt "sehr direkt" seine Bereitschaft zu einem Waffenstillstand erklärt.

Luftangriffe "vor allem Oppositionsgruppen zum Ziel"

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg warf Russland vor, mit seinem Militäreinsatz den Friedensprozess zu gefährden. Die intensiven russischen Luftangriffe hätten "vor allem Oppositionsgruppen in Syrien zum Ziel", sagte Stoltenberg beim Treffen der EU-Verteidigungsminister in Amsterdam. Sie würden damit "die Bemühungen, eine politische Lösung in dem Konflikt zu finden, untergraben".

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert von Russland und der syrischen Regierung die Einstellung ihrer Angriffe auf Rebellen. "Alle müssen verstehen - und das gilt vor allem für das Assad-Regime und auch für Russland -, dass die Verschlechterung der humanitären Situation natürlich die Möglichkeit, auch politische Gespräche zum Erfolg zu führen, noch einmal verringert", sagte Merkel in Berlin mit Blick auf die unterbrochenen Syrien-Friedensgespräche in Genf.

Saudi-Arabien könnte Bodentruppen schicken

Die Gespräche des UN-Sondergesandten Staffan de Mistura mit Vertretern von Regierung und Opposition waren am Mittwoch mangels Fortschritten bis zum 25. Februar vertagt worden. Der Westen warf der syrischen Regierung und Russland vor, die Unterbrechung durch die Ausweitung ihres militärischen Vorgehens verursacht zu haben.

Saudi-Arabien äußerte derweil seine Bereitschaft, Bodentruppen für den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" nach Syrien zu schicken. Sollte sich die US-geführte Koalition zu einem Bodeneinsatz entscheiden, "werden wir positiv dazu beitragen", sagte Brigadegeneral Ahmed al-Assiri. Die USA schließen die Entsendung eigener Bodentruppen aber bislang aus.

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