Zerstörungin Aleppo | Bildquelle: REUTERS

Nach Evakuierung Leichenfunde in Ost-Aleppo

Stand: 26.12.2016 15:38 Uhr

Wenige Tage nach der Rückeroberung Ost-Aleppos meldet Russland den Fund von Massengräbern. Gräueltaten werden aber auch den syrischen Regierungstruppen und ihren Verbündeten zur Last gelegt. Unabhängige Berichte gibt es nicht.

Vor wenigen Tagen haben die letzten Aufständischen Ost-Aleppo verlassen. Unabhängige Berichte über die Lage in den ehemaligen Rebellenvierteln gibt es nicht. Die Berichte, die nach draußen dringen, sind nicht übereinstimmend: So meldet das russische Verteidigungsministerium den Fund "mehrerer Massengräber mit Dutzenden Leichen". Die Menschen seien "grausam gefoltert und hingerichtet" worden. Es müssten nun genaue Untersuchungen folgen. Diese würden aber mit Sicherheit dazu führen, dass der Westen "seine Verantwortung für die Grausamkeiten" der syrischen Rebellen anerkennen müsse.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete ihrerseits, dass die Rebellen bei ihrem Rückzug aus Ost-Aleppo mindestens 21 Zivilisten getötet hätten. Die Leichen der Opfer, unter ihnen fünf Kinder und vier Frauen, seien in Gefängnissen der inzwischen vertriebenen "Terrorgruppen" entdeckt worden, zitierte Sana den leitenden Gerichtsmediziner in Aleppo, Saher Hadscho. Sie seien "durch Schüsse aus sehr kurzer Distanz hingerichtet" worden.

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Was von Aleppo übrig blieb: Vorher-Nachher-Bilder

Blick auf die Altstadt von Aleppo
Blick auf die Altstadt von Aleppo

Blick auf die Altstadt von Aleppo im November 2008 und im Dezember 2016

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Leichen auf den Straßen

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Auch den syrischen Regierungstruppen und ihren Verbündeten werden Gräueltaten in Aleppo zur Last gelegt. Nach Angaben der Vereinten Nationen hatten sie in den Tagen vor der Rückeroberung der Stadt mindestens 82 Zivilisten in den östlichen Vierteln getötet. Die Opfer seien regelrecht hingerichtet worden, erklärten die Vereinten Nationen.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass mehrere Leichen auf den Straßen Ost-Aleppos gefunden worden seien. Sie konnte aber keine Angaben darüber machen, wie die Menschen zu Tode kamen.

Luftangriffe an Heiligabend

Die syrischen Regierungstruppen hatten am Donnerstag nach wochenlangen Kämpfen mit russischer Unterstützung die Rebellenviertel in Aleppo wieder komplett unter ihre Kontrolle gebracht. In einer groß angelegten Evakuierungsaktion verließen rund 35.000 Menschen den Osten der Stadt. Die Gewalt ging aber zumindest in den von Rebellen gehaltenen Gebieten am westlichen Stadtrand Aleppos weiter.

Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurden an Heiligabend bei Luftangriffen mindestens sechs Zivilisten getötet. Bereits am Vortag seien bei einem Bombardement drei Rebellen gestorben. Im Osten Aleppos wurden der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge zudem zwei Menschen von zurückgelassenen Sprengsätzen getötet sowie 33 verletzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Dezember 2016 um 20:00 Uhr.

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