Ein syrischer Flüchtling nahe der türkisch-syrischen Grenze | Bildquelle: REUTERS

Krieg in Syrien Deutsches Hilfsprogramm für Aleppo

Stand: 27.12.2016 01:11 Uhr

Mit einem "humanitären Großeinsatz" will Deutschland der leidenden Zivilbevölkerung Aleppos helfen. Mit 15 Millionen Euro soll die medizinische Versorgung in der syrischen Stadt verbessert werden, sagte Entwicklungsminister Müller der "Bild".

Deutschland legt ein Hilfsprogramm von 15 Millionen Euro für die zerstörte syrische Metropole Aleppo auf. "Nachdem die internationale Staatengemeinschaft dem Morden und Bombardieren so hilflos zugeschaut hat, muss es jetzt einen humanitären Großeinsatz für die Menschen aus Aleppo geben", sagte Entwicklungsminister Gerd Müller der "Bild".

Das Programm sichert demnach 30 Monate lang die Arbeit von etwa 1000 syrischen Ärzten, Krankenpflegern und Traumapsychologen. Außerdem sollen rund 200 Helfer in Trauma-Bewältigung weitergebildet werden.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller | Bildquelle: dpa
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Minister Müller will die Arbeit von Medizinern in Aleppo fördern.

Der CSU-Politiker forderte die Staatengemeinschaft auf, Syrien koordiniert zu helfen. Neben Lebensmitteln fehlten Ärzte und Medikamente. "Tausende Verletzte, darunter viele Kinder, müssen versorgt werden, sonst überleben sie diesen Winter nicht."

Die syrische Armee hatte Aleppo mit russischer und iranischer Hilfe vor wenigen Tagen zurückerobert. Am Donnerstag war die Evakuierung des von Rebellen gehaltenen Teils in Ost-Aleppo beendet worden.

Spendenaktion mit königlicher Unterstützung

Auch Saudi-Arabien will der syrischen Zivilbevölkerung helfen. Nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur SPA wurde eine Spendenaktion gestartet, an der sich bereits König Salman und mehrere Mitglieder der weit verzweigten königlichen Familie beteiligten. Die Staatsführung habe umgerechnet 35 Millionen Euro bereitgestellt.

Von dem Geld sollen laut SPA Flüchtlingsunterkünfte sowie Nahrung, Medikamente und Decken für vertriebene Menschen gekauft werden. Es wurde nicht öffentlich, wo Flüchtlingslager entstehen sollen. Saudi-Arabien unterstützt verschiedene syrische Rebellengruppen und gilt als einer der Hauptgegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Mitarbeiter einer Hilfsorganisation getötet

Wie gefährlich die Arbeit von Hilfsorganisationen in Syrien ist, verdeutlicht eine Mitteilung der tschechischen Hilfsorganisation "Mensch in Not" (Clovek v tisni). Laut Medienberichten wurde deren Regionalkoordinator für Aleppo bei einem Luftangriff nahe der Stadt getötet. Auch seine Frau und mehrere Familienmitglieder seien durch den Angriff auf sein Wohnhaus getötet worden.

Der jahrelange Krieg in Syrien hat Millionen Menschen in die Flucht getrieben - innerhalb des Landes, aber auch ins Ausland. Laut UN sind in Syrien derzeit 13,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen - 90 Prozent davon benötigen medizinische Versorgung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2016 u.a. um 05:30 Uhr.

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