Bewohner von Aleppo tragen Güter durch die zerstörte Stadt | Bildquelle: REUTERS

Evakuierungen in Syrien Hunderte Menschen verlassen Aleppo

Stand: 19.12.2016 00:11 Uhr

Bei der Evakuierung von Ost-Aleppo gibt es offenbar wieder Bewegung: Hunderte Bewohner wurden laut Beobachtern mit Bussen in Rebellengebiete außerhalb der Stadt gebracht. Der UN-Sicherheitsrat wird heute nach hartem Ringen eine Aleppo-Resolution beschließen.

Die Evakuierung der Rebellengebiete im Osten der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo ist nach mehr als zwei Tagen Unterbrechung wieder aufgenommen worden. Mindestens fünf Busse mit Hunderten Bewohnern kamen in der Nacht zum Montag in Gebieten westlich der Metropole an, die von den Aufständischen kontrolliert werden. Dies berichteten Aktivisten und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die syrische Regierung habe den Transport genehmigt. Die türkische Hilfsorganisation IHH berichtete, in den Bussen seien rund 400 Menschen gewesen.

Am Sonntag hatte sich der geplante Abtransport Tausender Menschen trotz einer Vereinbarung zunächst verzögert. Offensichtlich hatte ein Angriff auf einige Busse in der Nachbarprovinz Idlib den Deal unterbunden. Bewaffnete setzten mindestens 20 Busse in Brand, die Schiiten aus den von zumeist sunnitischen Rebellen belagerten Orten Fua und Kafraja in Sicherheit bringen sollten. Wer für die Angriffe verantwortlich war, war zunächst unklar.

Laut der Beobachtungsstelle ging der Angriff auf einen Streit zwischen der extremistischen Gruppe Dschabhat Fatah Scham und der einflussreichen Rebellenorganisation Ahrar al-Scham zurück. Dschabhat Fatah Scham war zuvor unter dem Namen Al-Nusra-Front bekannt.

Banges Warten in Ost-Aleppo

Immer noch warten Zehntausende Bewohner Ost-Aleppos bei eisiger Kälte auf eine Fortsetzung der Evakuierung. Essen und Trinken sind knapp, die medizinische Versorgung ist durch Angriffe zusammengebrochen. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF zeigte sich alarmiert über die Situaition. Hunderte Kinder warteten nahe der Front. Man sei "zutiefst besorgt". Es dürfte Tage dauern, die verbleibenden Bewohner aus der Stadt zu bringen.

Die Rebellengebiete im Osten der Stadt waren nach heftigen Luftangriffen in den vergangenen Wochen von syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands fast vollständig erobert worden. Der syrische Präsident Baschar al-Assad hatte am Donnerstag Aleppos "Befreiung" von den Rebellen verkündet.

Danach begann eine mühsam ausgehandelte Evakuierungsaktion, bei der mehrere Tausend Menschen die Stadt verlassen konnten. Am Freitag brach die syrische Armee die Evakuierungen jedoch ab.

Markus Schmidt, ARD New York, zur Entsendung von UN-Beobachtern nach Aleppo
tagesthemen 23:15 Uhr, 18.12.2016

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

UN-Abstimmung verschoben

Bei den Vereinten Nationen verkündeten Frankreich und Russland einen Kompromiss im Ringen um eine Aleppo-Resolution. Der französische UN-Botschafter François Delattre sagte am Sonntag nach dreistündigen Konsultationen, der Sicherheitsrat werde am Montagmorgen um 09.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MEZ) über den Text abstimmen.

Russland hatte zunächst sein Veto gegen einen von Frankreich eingebrachten Resolutionstext angekündigt, der den Vereinten Nationen sofortigen und bedingungslosen Zugang nach Aleppo ebnen sollte. Nach Beratungen hieß es dann, es sei eine Einigung auf eine Entsendung von UN-Beobachtern nach Ost-Aleppo erzielt worden. Ziel seien sichere Evakuierungen und sofortige humanitäre Hilfe. Die Resolution verhindere zudem eine Situation, "in der nach dem Ende militärischer Operationen Streitkräfte einschließlich Milizen massenhaft Grausamkeiten verüben", sagte Delattre weiter.

Die amerikanische UN-Botschafterin Samantha Power begrüßte den Kompromissentwurf. Nach der Belagerung von Ost-Aleppo durch die Regierungstruppen gebe es "viele, viele Berichte über Menschen, die aus Bussen gezerrt und verschwanden, ob in den Wehrdienst oder in Folterkammern oder die gleich getötet" worden seien. Den UN lägen keine Fakten vor, weil sie nicht vor Ort seien, sagte Power. Doch wenn UN-Beobachter entsandt würden, könnte dies "einige der schlimmsten Exzesse" verhindern.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Sicherheitsrat stimmt über UN-Beobachter ab
G. Schwarte, ARD New York
18.12.2016 23:09 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Dezember 2016 um 20:00 Uhr.

Darstellung: