Ein Konvoi verlässt Aleppo | Bildquelle: AFP

UN zur Evakuierung Aleppos "Wettlauf gegen die Zeit"

Stand: 22.12.2016 17:11 Uhr

Die letzten Menschen verlassen die verbliebenen Rebellengebiete in der syrischen Stadt Aleppo. Die Vereinten Nationen sprechen von einem Wettlauf gegen die Zeit, um den Menschen im Winter noch eine Unterkunft bieten zu können.

Die Evakuierung der letzten Rebellengebiete im Osten der lange umkämpften Stadt Aleppo ist den Vereinten Nationen zufolge fast abgeschlossen. Die Endphase sei erreicht, sagte der UN-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland, in Genf. Seit dem Beginn der Transporte vor einer Woche hätten etwa 35.000 Menschen die Rebellengebiete verlassen.

UN-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland | Bildquelle: dpa
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Jan Egeland, UN-Nothilfekoordinator für Syrien, spricht im europäischen Hauptquartier der Vereinten Nationen in Genf.

UN schickt Beobachter nach Aleppo

"Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen den Winter, um den Menschen eine Unterkunft, Wärme und Unterstützung zu bieten", sagte Egeland. Wie lange die Transporte noch dauern werden, ist noch unklar. Die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Ingy Sedky, sagte, die Transporte könnten heute oder morgen abgeschlossen werden.

Zur Überprüfung der Evakuierung von Ost-Aleppo hat die UN 31 Beobachter vor Ort entsandt. Die internationalen und nationalen Beobachter stünden derzeit vor dem Viertel Ramussa im Süden der nordsyrischen Stadt Aleppo, sagte ein Sprecher des Büros für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) in Genf. Der UN-Sicherheitsrat hatte die Entsendung von Beobachtern in einer Resolution am Montag einstimmig beschlossen.

Ocha-Sprecher Jens Laerke sagte, von den 31 UN-Beobachtern seien 20 bereits am Dienstagabend in der syrischen Hauptstadt Damaskus eingetroffen. Etwa 100 UN-Mitarbeiter, größtenteils Syrer, befänden sich bereits in Aleppo, aber nicht als Beobachter.

Evakuierung mehrfach ausgesetzt

Die radikal-islamische Rebellengruppe Ahrar al-Scham teilte mit, in Ost-Aleppo seien noch rund 1500 Menschen. Die Evakuierung wurde von Anfang an wegen Unstimmigkeiten mehrfach ausgesetzt. Augenzeugen und Aktivisten berichteten, Menschen hätten bei eisiger Winterkälte mehr als 36 Stunden ohne Essen und Trinken in Bussen ausharren müssen.

Weitere Busse mit Flüchtlingen verlassen Ost-Aleppo. | Bildquelle: AFP
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In den vergangenen Tagen habe Busse mit Flüchtlingen Ost-Aleppo verlassen ....

Menschen warten darauf, aus Aleppo gebracht zu werden. | Bildquelle: REUTERS
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... während andere noch darauf warteten, aus der Stadt gebracht zu werden.

Wegen einer monatelangen Blockade ist die humanitäre Lage in Ost-Aleppo Hilfsorganisationen zufolge ohnehin katastrophal. Tausende Vertriebene aus der Stadt wurden in anderen von Rebellen kontrollierten Gebieten vorläufig in Zelten, Moscheen und Schulen untergebracht. Es sei aber auch schwierig, sie dort mit Wasser zu versorgen und vor der Kälte zu schützen, erklärte die Syrian American Medical Society (SAMS).

Assad: "Ein Sieg - nicht nur für Syrien"

Ihren Sieg über die Rebellen in der Wirtschaftsmetropole hatten die erschöpften syrischen Truppen mit Hilfe der russischen Luftwaffe und vom Iran ausgerüsteter schiitischer Milizen erkämpft. Präsident Bashar al-Assad gestand dies freimütig ein. "Die Befreiung Aleppos vom Terrorismus ist ein Sieg - nicht nur für Syrien, sondern für jeden, der derzeit zur Bekämpfung des Terrorismus beiträgt, besonders für den Iran und Russland", sagte er in Damaskus nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. "Gleichzeitig ist es ein Rückschlag für alle Länder, die dem syrischen Volk feindlich gesinnt sind."

Noch immer kein Frieden

Mit dem Ende der weltweit medial begleiteten Kämpfe in Aleppo ist der Syrienkrieg nicht zu Ende. Das Land ist weiter in Herrschaftsgebiete der Regierung, der Kurden, diverser Rebellen und der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) geteilt. Türkische Truppen und verbündete Milizen rücken in blutigen Kämpfen gegen den IS und gegen die Kurden vor. Ein US-geführtes Bündnis fliegt Angriffe gegen die Extremisten.

Tote bei Luftangriffen

Bei türkischen Luftangriffen auf einen Ort unter IS-Kontrolle im Norden Syriens sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 24 Zivilisten ums Leben gekommen. Unter den Toten in Al-Bab seien sieben Kinder und zehn Frauen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

Bei den bislang schwersten Gefechten zwischen türkischen Truppen und dem IS sind darüber hinaus mindestens 16 türkische Soldaten ums Leben gekommen. Fast 200 IS-Kämpfer seien bei den Kämpfen nahe der vom IS gehaltenen Stadt Al-Bab getötet worden, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Dezember 2016 um 16:00 Uhr.

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