Bewohner von Aleppo tragen Güter durch die zerstörte Stadt | Bildquelle: REUTERS

UN beraten über Aleppo Stimmt Moskau UN-Beobachtern zu?

Stand: 18.12.2016 13:21 Uhr

Die UN bemühen sich verzweifelt darum, wenigstens den Abzug der Zivilisten aus Aleppo begleiten zu können. Am Abend berät der Sicherheitsrat. Doch Russland signalisiert schon, dass die Entsendung von Beobachtern dauern kann.

Während die Menschen in Ost-Aleppo unter katastrophalen Bedingungen weiter darauf warten müssen, dass sie in sichere Gebiete gebracht werden, geht in New York das Ringen um internationale Hilfe für die Menschen der Region weiter.

Am Abend befasst sich der UN-Sicherheitsrat mit einer von Frankreich vorgelegten Resolution, die die Entsendung von UN-Beobachtern in das Gebiet vorsieht. Sie sollen von dort als neutrale Akteure über den Ablauf der Evakuierungen berichten. Außerdem fordert die Resolution, dass die Bewohner der Viertel freiwillig ausreisen und ihr Ziel frei wählen können.

Wieder kommt es auf Russland an

Ob die Resolution angenommen wird, hängt entscheidend von Russland ab - in der Vergangenheit hat dessen UN-Botschafter Witali Tschurkin ein Eingreifen des Gremiums in den Bürgerkrieg regelmäßig mit seinem Veto verhindert.

Auch jetzt dämpfte Tschurkin Hoffnungen auf eine Annahme oder ein schnelles Umsetzen der Resolution. Er erklärte schon am Freitag, er werde den Entwurf prüfen, sei aber skeptisch, dass Beobachter rasch stationiert werden könnten. Russland ist der wichtigste Verbündete der syrischen Regierung im Bürgerkrieg.

Das Warten nimmt kein Ende

Die Vereinten Nationen schätzen, dass nach wie vor 30.000 Menschen in der bisherigen Rebellenhochburg unter verheerenden Bedingungen ausharren. Es dürfte Tage dauern, sie alle aus der Stadt zu bringen.

Der jüngste Versuch war am Freitag nach 24 Stunden unterbrochen worden. Zwar gibt es seit Samstag eine neue Vereinbarung zwischen den Rebellen und der syrischen Regierung. Diese wurde aber bislang nicht umgesetzt.

Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) äußerte aber die Hoffnung, die Evakuierung heute fortsetzen zu können. Am Vormittag fuhren Busse unter der Aufsicht des Roten Halbmonds und des IKRK in mehrere zuletzt von Rebellen gehaltenen Stadtteile.

Eine neue Vereinbarung

Ein entscheidender Faktor dabei ist, ob im Gegenzug Verletzte aus den von Rebellen belagerten schiitischen Dörfern al-Fua und Kefraja gebracht werden können. Das verlangen vor allem die schiitischen Milizen aus dem Iran, die auf Seiten der syrischen Regierung kämpfen.

Beide Evakuierungsmaßnahmen wurden nun in einer neuen Vereinbarung miteinander verknüpft, erklärte ein Rebellenvertreter der Nachrichtenagentur AFP. In einem ersten Schritt sollen demnach 1250 Menschen aus Fua und die Hälfte der Menschen aus Aleppo herausgeholt werden. Als nächstes sollen dann 1250 Menschen aus Kafraja und die restlichen Menschen aus Aleppo folgen.

Was geschieht in Idlib?

In den beiden Dörfern in der Provinz Idlib sollen etwa 20.000 Menschen eingeschlossen sein, darunter 4500 regierungstreue Kämpfer. Zudem sollen Verletzte zwei Orte nahe der libanesischen Grenze verlassen dürfen, die von Kämpfern des Regierungslagers belagert werden.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verhinderten aber bislang islamistische Rebellen den Abtransport Verletzter aus al-Fua und Kefraja. Die früher unter dem Namen Al-Nusra-Front bekannte Rebellengruppe blockiere die Fahrt von 25 Bussen in die beiden Ortschaften, teilte die oppositionsnahe Organisation mit Sitz in London am Morgen mit. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Dezember 2016 um 20:00 Uhr.

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