Regierungstruppen in Ost-Aleppo | Bildquelle: AP

Lage in Aleppo Syrische Armee kämpft wieder

Stand: 14.12.2016 13:24 Uhr

Keine 24 Stunden ist es her, dass für den umkämpften Ostteil Aleppos der Waffenstillstand ausgerufen wurde. Nun ist er schon wieder hinfällig. Die regierungstreuen Truppen in Syrien nahmen ihre Angriffe auf die letzten Rebellengebiete wieder auf.

Die Waffenruhe in Aleppo ist nach übereinstimmenden Berichten schon wieder zu Ende. Die regierungstreue Armee nahm die Kämpfe wieder auf. Die Truppen hätten einen Angriff der Rebellen abgewehrt und die "Befreiungseinsätze verlängert", erklärte die russische Armee. Die Aufständischen hätten im Morgengrauen "die Waffenruhe ausgenutzt", um ihre Kräfte zu bündeln und die Linien der syrischen Regierungseinheiten im Nordwesten Aleppos zu durchbrechen.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Die Opposition im Ostteil der Stadt berichtet, die Armee habe mit der Bombardierung angefangen. Es gebe massiven Artilleriebeschuss und Feuergefechte, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Auch von Luftangriffen ist die Rede.

Nach jahrelangen Kämpfen hatten die Rebellen am Dienstag ihren Widerstand in Aleppo aufgegeben. Die Metropole befindet sich nach russischen Angaben nach einer Einigung auf einen Waffenstillstand wieder vollständig unter Kontrolle des syrischen Militärs. Die Aufständischen hatten gestern angekündigt, die wenigen noch von ihnen gehaltenen Viertel im Osten der Stadt zu räumen.

Weiterhin Kämpfe in Aleppo
tagesschau 20:00 Uhr, 14.12.2016, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Wie sicher ist "freies Geleit"?

Eine weitere Absprache: Alle eingeschlossenen Zivilisten sollten in Sicherheit gebracht werden. Russland sprach von einer Abzugserlaubnis für die Rebellen und ihre Familien. Diese erhielten "freies Geleit" und könnten gehen, wohin sie wollen.

Die Evakuierungen sollten nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eigentlich in den frühen Morgenstunden beginnen. Dazu kam es aber nicht. Inzwischen hat die syrische Regierung alle Busse zurückbeordert, die zum geplanten Abzug der Rebellen aus dem umkämpften Ostteil Aleppo bereit standen. Aus regierungstreuen Kreisen hieß es, dies signalisiere, dass die Abmachung zwischen Regierung und Rebellen zum Abzug gescheitert sein könnte.

Busse bleiben leer

Noch am Morgen warteten nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP im zwischen Rebellen und syrischen Regierungstruppen geteilten Viertel Salaheddin etwa 20 Busse stundenlang auf ihren Einsatz. Zivilisten oder Rebellen waren aber nicht zu sehen. Weder von Seiten der Rebellen noch von der syrischen Regierung oder aus Moskau gab es dafür zunächst eine offizielle Erklärung. Am Dienstagabend waren bereits sechs Busse nach Salaheddin gefahren, kamen aber leer zurück.

Andernorts sollen Menschen mit gepackten Taschen durch den strömenden Regen gezogen sein, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Menschen sollen berichtet haben, dass die Busse nicht an den vereinbarten Stellen gestanden haben.

Ein Bus der syrischen Regierung zur Evakuierung von Zivilisten in Ost-Aleppo. | Bildquelle: AFP
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Bus in Aleppo: Evakuierung läuft nicht wie geplant.

Unstimmigkeiten zwischen Damaskus und Moskau?

Ein Sprecher der Rebellen erklärte, Assad-treue Milizen würden das gestern angekündigte  Vorhaben blockieren. Hintergrund seien Unstimmigkeiten zwischen dem Regime in Damaskus und den Verbündeten in Moskau. Die syrische Führung sei nicht damit einverstanden, dass ihr Russland das Abkommen über den Abzug regelrecht aufgezwungen habe.

Unterdessen leidet die Bevölkerung: Für viele sei es "sehr schmerzvoll", ihre Heimat verlassen zu müssen, sagte der Aktivist Abdulkhafi al-Hamdo. "Wir können zwischen zwei sehr schwierigen Möglichkeiten wählen: Unter der Kontrolle des Regimes zu bleiben ist schlimmer als die Hölle. Aber die Vertreibung selbst ist die Hölle", sagte er. Ein anderer Aktivist ergänzte: "Wir wissen nicht, ob wir zurückkommen können." Viele Einwohner befürchten Racheakte des Regimes, sollten sie in die Hände von Regierungstruppen fallen.

82 Zivilisten getötet

Die Sorge ist nicht unbegründet: Zuletzt hatten die Vereinten Nationen regierungstreuen Truppen vorgeworfen, in den vergangenen Tagen der Offensive mindestens 82 Zivilisten getötet zu haben.

Der UN-Botschafter Syriens wies Vorwürfe zurück, das syrische Militär habe sich an Zivilisten gerächt. Die syrischen Kräfte hätten die Bürger im Osten der Stadt von "Terroristen" befreit, sagte Baschar Dschaafari. Die Regierung überprüfe die Identität der Menschen, die Aleppo verließen, um Terroristen und ausländische Kämpfer auszumerzen. Einige von ihnen hätten sich als Frauen verkleidet. Nach Angaben von Russland sollen in den vergangenen 24 Stunden bereits 6000 Zivilisten Aleppo verlassen haben.

Drei Kinder gehen gemeinsam durch die Straßen von Aleppo. | Bildquelle: REUTERS
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Kinder in Aleppo: Viele Zivilisten ziehen mit ihrem Hab und Gut durch die Straßen.

UN nicht bei Evakuierung dabei

Die USA und die Vereinten Nationen sind nach eigenen Angaben nicht in die Evakuierung Aleppos mit einbezogen worden. Die UN boten aber ihre Hilfe an. Kritischere Töne kamen aus Washington: "Selbst wenn dies das Ende der Belagerung von Aleppo ist, ist es nicht das Ende des Krieges in Syrien. Er wird weitergehen. Die Opposition wird weiter kämpfen", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby.

Die Türkei kündigte an, dass sie ein Zeltlager für bis zu 80.000 Flüchtlinge aus Aleppo aufstellen wolle. Vize-Ministerpräsident Mehmet Simsek gab dies im Onlinedienst Twitter bekannt. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

Mit Informationen von Cornelia Wegerhoff, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichteten das ARD-Morgenmagazin am 14. Dezember 2016 ab 05:37 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.

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