Aleppo | Bildquelle: dpa

Krieg in Syrien "Finaler Moment" im Kampf um Aleppo

Stand: 13.12.2016 07:25 Uhr

Im Kampf um Aleppo steht die syrische Armee kurz vor einem Sieg. Doch während die Assad-Anhänger bereits feiern, fürchten die UN um das Leben der Zivilisten in der Region. So bereiten Berichte über Gräueltaten in Aleppo Generalsekretär Ban "ernsthafte Sorgen".

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Ein hoher Offizier der Armee, der nicht namentlich zitiert werden möchte, sagte, der Osten von Aleppo sei jetzt frei von Terroristen. Das betreffende Stadtgebiet sei sicher. Das Regime von Präsident Bashar al-Assad nennt für gewöhnlich alle Gegner Terroristen, nicht nur die extremistischen.

Ein anderer Militärvertreter erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters etwas zurückhaltender, die syrische Armee stünde kurz vor ihrem Sieg in Ost-Aleppo. Man befinde sich "im finalen Moment" des Kampfes gegen die Aufständischen.

Sie seien auf einem winzigen Gebiet der Stadt zusammengedrängt worden. Die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilt diese Einschätzung. Die Rebellen hätten bis zum Abend mindestens sechs Viertel aufgeben müssen.

Zouhir_AlShimale @ZouhirAlShimale
Dozens of Attacks over the last remaining part of the east of #Aleppo ..
Many got injured & died & still the attacks ongoing..

Hilferufe und Freudentänze

Im Internet tauchen vermehrt Hilferufe von Zivilisten aus dem Osten der Stadt auf. Verschüttete könnten nach Angriffen aus der Luft in dem Chaos nicht mehr aus den Trümmern geborgen werden. Die Menschen würden verzweifelt versuchen, ihre Leben zu retten. Wie viele Zivilisten sich noch in den umkämpften Gebieten aufhalten, ist unklar.

Währenddessen zeigte das staatliche syrische Fernsehen Bilder von mehreren Hundert Menschen, die in dem von der Regierung kontrollierten Westen der Stadt den bevorstehenden Sieg der regierungstreuen Truppen feiern. Autofahrer hupen, Soldaten schießen triumphierend in die Luft.

In Paris warf Riad Hijab, der Leiter des so genannten Hohen Verhandlungskomitees der syrischen Opposition, der russischen Regierung vor, sie würde gegen die internationale Syrien-Resolution verstoßen, die sie selber unterschrieben habe.

Anhänger von Präsident Assad in Aleppo | Bildquelle: AFP
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Anhänger von Präsident Assad feiern bereits.

Zukunft mit Assad sei unvorstellbar

"Warum bombardiert die russische Luftwaffe weiter? Warum beenden die Russen die Blockaden nicht, die sie zusammen mit dem Assad-Regime und seinen schiitischen Verbündeten aus Irak, Iran und Libanon verhängt haben?", fragt Hijab.

Die Opposition werde, so sagte er weiter, die Rechte des syrischen Volkes und die Ziele der Revolution nicht verraten. Eine Zukunft mit Assad sei unvorstellbar. "Wir werden keine Zugeständnisse machen. Eine Zukunft mit Mördern, die Verbrechen gegen das syrische Volk verüben, wird es nicht geben."

alt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon | Bildquelle: dpa

UN besorgt wegen Berichten über Gräueltaten

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat seine Besorgnis angesichts von Berichten über Gräueltaten gegen zahlreiche Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, in der syrischen Stadt Aleppo zum Ausdruck gebracht. Zwar könnten die Vereinten Nationen die Berichte über solche Gräueltaten nicht unabhängig überprüfen, doch habe der UN-Generalsekretär den Konfliktparteien seine "ernste Sorge" übermittelt, sagte ein UN-Sprecher in New York. Vor allem die syrische Armee mit ihren Verbündeten Russland und Iran müssten Zivilisten schützen.

Auch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) in Syrien ist wegen der humanitären Lage in Aleppo alarmiert. Die gesundheitliche Situation in der Stadt sei katastrophal, berichtete die Organisation auf Twitter. Es gebe kaum noch Medikamente, viele Menschen hielten sich wegen der andauernden Kämpfe seit Tagen versteckt und hätten keine Nahrung und kein Wasser.

Während Frauen, Kinder und Männer im Osten Aleppos verzweifelt Schutz suchen oder im Bombenhagel sterben, kehren andere geflohene Bewohner in ihre Viertel zurück, nachdem das Regime sie jüngst zurückeroberte, wie zum Beispiel Muhammad Jreik: "Ich möchte mein Geschäft wieder aufmachen und meinen Laden instandsetzen."

Er sei froh, dass sich sein Viertel wieder in Regierungshand befindet. Vor kurzem seien hier noch Scharfschützen zugange gewesen, die viele Menschen erschossen hätten. Er sei glücklich darüber, dass dies ein Ende habe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio am 13. Dezember 2016 um 07:15 Uhr

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