Der Vulkan Bogoslof auf den Aleuten. | Bildquelle: AP

Historischer Verkauf Alaska zum Schnäppchenpreis

Stand: 18.10.2017 16:36 Uhr

Vor 150 Jahren verkauften die Russen Alaska für umgerechnet 6,1 Millionen Euro an die USA. Die Fläche, die etwa viermal so groß ist wie Deutschland, war bei den Amerikanern trotz des Schnäppchenpreises zunächst nicht besonders beliebt. Das änderte sich bald.

Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

"Das Wort Alaska ist aleutisch und bedeutet Hauptgebiet", erklärt Alaska-Senatorin Lisa Murkowski bei ihrer Festrede vor dem US-Senat. "Wörtlich übersetzt heißt es aber: Land, in dessen Richtung das Meer strömt."

Der Preis damals war ein Schnäppchen: Umgerechnet vier Euro bezahlten die USA für den Quadratkilometer Land. Der russische Zar war froh, seine Kolonie endlich wieder los zu sein.

150 Jahre später ist der russische Einfluss in Alaska teilweise immer noch zu sehen: Zum Beispiel an Kirchen mit zwiebelartigen Kuppeln. Außerdem hat Alaska mehrere russische-orthodoxe Gemeinden, erzählt der aus Alaska entsandte Senator Dan Sullivan dem US-amerikansischen Radiosender NPR.

"Eisbären-Büro" oder "Walross-Beamter"

Den Deal damals haben vor allem zwei Personen eingefädelt: auf russischer Seite der damalige US-Botschafter Eduard von Stöckl und auf US-Seite Außenminister William Seward.

Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska. | Bildquelle: AP
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Lisa Murkowski sitzt für Alaska im US-Senat

Senatorin Murkowski beschreibt das Treffen folgendermaßen: "Am 29. März 1867 erreichte Stöckl ein Telegram des Zaren, der den Handel genehmigte und die russischen Interessen in Nordamerika auf die USA übertrug. Außenminister Seward hielt das Gebiet für strategisch wichtig. Dafür musste er sich in Washington viel Spott anhören."

Denn Alaska ist von Washington aus gesehen nicht nur weit entfernt, sondern auch sehr kalt. Parlamentarier nannten das Gebiet "Sewards Eisbox" und schlugen aus Spaß Posten vor wie "Eisbären-Büro" oder "Walross--Beamter".

Reich an Gold und Erdöl - und keiner wusste davon

Die Russen hatten seinerzeit die Pelztier-Population extrem bejagt: vom Fischotter über den Fuchs bin hin zu den Robben. Rein oberflächlich betrachtet, war in dem Gebiet, das ungefähr doppelt so groß ist wie Texas, nicht mehr viel zu holen. Zumal der russische Zar das Geld aus dem Verkauf benötigte, um die Staatskasse nach dem verlorenen Krimkrieg wieder aufzubessern. Dass Alaska, flächenmäßig der größte US-Bundesstaat, reich an Gold und Erdöl war, wusste damals natürlich keiner.

Ein Polarbär in Alaska | Bildquelle: AP
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Vor 150 Jahren galten vor allem die Pelztiere in Alaska als guter Fang...

Geschäfte in Holzhäusern in Alaska, USA. | Bildquelle: dpa
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...heute machen die Bewohner Alaskas Geschäfte mit Erdöl und Gold.

Heute bereuen die Russen den Verkauf, berichtet Senator Sullivan scherzhaft. Vor ein paar Jahren habe ihm der russische Botschafter sogar ein Angebot gemacht. "Er sagte, hey, die Russen würden gern Alaska zurückkaufen." Sullivans Antwort: "kein Interesse."

Vor 150 Jahren: Russland verscherbelt Alaska
Marcus Schuler, ARD Los Angeles, zzt. San Francisco
18.10.2017 15:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 18. Oktober 2017 um 06:53 Uhr.

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