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Frankreichs 58 kommerzielle Atomreaktoren - darunter das älteste AKW Fessenheim nahe der deutschen Grenze - können nach Ansicht der nationalen Atomaufsichtsbehörde ASN bedenkenlos weiter betrieben werden. Die Reaktoren hätten eine ausreichende Sicherheit, betonte die Behörde nach einem AKW-Stresstest. Kein einziges Kraftwerk müsse daher sofort stillgelegt werden.
Allerdings weisen die AKWs viele Mängel auf. Daher seien nun Verbesserungen notwendig. Diese werden im Bericht aufgelistet. Er wurde der Regierung übergeben. Der Stresstest war nach der Atomkatastrophe in Japan für alle 143 Strommeiler in der EU angeordnet worden.
Die Betreiber in Frankreich haben insgesamt sechs Monate Zeit, um Vorschläge für Verbesserungen zu unterbreiten. Sie sollen die Anlagen materiell wie organisatorisch krisenfester machen und deren Widerstandsfähigkeit bei Extremfällen stärken. ASN-Präsident André-Claude Lacoste schätzte ihre Kosten auf "mehrere Dutzend Milliarden Euro". Dazu zählen neben weiteren Hilfsaggregaten, Betonverstärkungen auch eine "schnelle Einsatztruppe" für Atomanlagen, die in weniger als 24 Stunden an einem Unglücksort aktiv werden könne. Sie soll vollständig bis Ende 2014 einsatzbereit sein, fordert die ASN.
[Bildunterschrift: Das französische Kernkraftwerk Fessenheim im Elsass soll nach der Empfehlung der ASN weiterlaufen. ]
Das Atomkraftwerk Fessenheim mit zwei 900 Megawatt-Reaktoren ist seit 1977 in Betrieb und liegt etwa vier Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Atomkraftgegner forderten wiederholt die Stilllegung. Die Betonplatte unter dem Reaktorbehälter von Block 1 ist nach ASN-Angaben nur eineinhalb Meter dick und die dünnste aller französischen Reaktoren. Bei einem schweren Unfall mit Kernschmelze könnte die Platte bersten und eine radioaktive Rhein-Verseuchung nach sich ziehen, fürchten Kritiker.
Das Risiko eines Deichbruchs sei in Fessenheim nicht bewertet worden, kritisierte der elsässische Atomkraftgegner und Physiker Jean-Marie Brom. Generell habe die ASN "kombinierte Risiken" nicht ausreichend untersucht, bemängelte die Atomexpertin der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Sophia Majnoni. Fukushima war einem solchen doppelten Risiko eines Erdbebens und einer Überschwemmung ausgesetzt.
Das Anti-Atom-Netzwerk "Sortir du Nucléaire" kritisierte die ASN, die als Behörde der Regierung unterstehe und damit nicht unabhängig sei. Internationale und unabhängige Experten seien nicht an der Untersuchung beteiligt gewesen, sagte Sprecherin Opale Crivello.
Frankreich ist nach den USA der weltweit zweitgrößte Betreiber von Atomkraftanlagen und bezieht 75 Prozent seines Stroms aus Nuklearreaktoren. Die traditionell hohe Akzeptanz der Atomindustrie in Frankreich hatte nach dem Unglück von Fukushima einen Dämpfer erhalten. Sie ist zudem zum Wahlkampfthema vor der Präsidentenwahl im April geworden. Sozialisten und Grüne fordern eine Reduzierung - Staatschef Nicolas Sarkozy, der seine Wiederwahl anstrebt, befürwortet sie dagegen.
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