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Offiziell ist der Fall abgeschlossen: Bei der Explosion in einer Atomanlage im südfranzösischen Marcoule starb ein Mensch. Aber es trat keine Radioaktivität aus - so die Behörden. Doch der Vorfall wirft Fragen auf. So ist von einer atomaren Kettenreaktion die Rede, was bei Umweltschützern Entsetzen auslöst.
Von Johannes Duchrow, WDR-Hörfunkstudio Paris
Der Unfall ist abgeschlossen. Es gab keine radioaktive Verseuchung - weder innerhalb der Fabrik, noch außerhalb. Diesen Schlusspunkt zog die französische Atom-Sicherheitsbehörde ASN vier Stunden nach dem Unfall.
[Bildunterschrift: Atomanlage Marcoule in Südfrankreich ]
Am Mittag war in der südfranzösischen Atomanlage Marcoule ein Schmelzofen explodiert. Ein Arbeiter starb, vier wurden verletzt. Die Feuerwehr brauchte mehr als eine Stunde, um den anschließenden Brand unter Kontrolle zu bringen. Unterschiedliche Angaben gibt es über die Gefährdung für die Beschäftigten. Das Innenministerium sprach davon, dass weder für Beschäftigte Gefahr bestand, noch Anwohner aufgefordert worden seien, sich in Gebäuden aufzuhalten.
Eine Betriebsärztin berichtete dagegen aus ihrem Büro: "Wir bleiben im Gebäude eingesperrt. Wir dürfen nicht raus. Die Fenster dürfen auf keinen Fall geöffnet werden, wir dürfen nicht essen oder trinken. In den 15 Jahren, in denen ich hier arbeite, passiert das zum ersten Mal."
In dem Betrieb des französischen Strom-Monopolisten EDF werden schwach radioaktive Abfälle aus Atomkraftwerken eingeschmolzen und in Glas gegossen. Jetzt ermittelt die Polizei und muss viele Fragen beantworten. Beispielsweise die, die Francis Sorin, der Sprecher des Interessenverbandes der Nuklearenergie, aufgeworfen hat: Er sprach von einer kleinen atomaren Kettenreaktion bei der Verarbeitung des verstrahlten Schrotts. Das Metall wird in der Anlage verdichtet, um weniger Lagerplatz zu verbrauchen. Die Kettenreaktion habe ausgereicht, um eine chemische Explosion auszulösen, sagte Sorin dem Radiosender Europe1.
Atomexperte Alain Corréa von der Umweltorganisation "Sortir du nucléaire" (Atomausstieg) ist entsetzt: "Man löst nicht einfach mal so eine Kettenreaktion aus wie einen Knallfrosch. Es muss Radioaktivität geben, und sei es nur in dem Gebäude." Nach Auskunft der Werkschefs blieb das Fabrikgebäude, in dem der Ofen explodierte, unbeschädigt.
Benoît Hartmann, Sprecher einer Umweltorganisation vor Ort berichtet, dass der Organisation aus der Abfall-Anlage in Marcoule vor einem Jahr von technischen Schwachstellen berichtet worden sei. Es sei zu bedenken, dass in Frankreichs Atomkraftwerken im Durchschnitt täglich drei Zwischenfälle stattfänden, über die berichtet werde. Aber: "Wir wissen, dass die französische Atomindustrie eher zu wenig erklärt. Das ist wie neben einem Fluss, wo man das Wasser irgendwann nicht mehr fließen sieht. Gut, dass es hinter jeder Atomanlage einen Umweltschützer gibt."
Die Atomanlage Marcoule im Rôhnetal beherbergt mehrere stillgelegte Reaktoren, die französische Armee hat hier das Plutonium für die französischen Atombomben bearbeitet. Außerdem stellt der staatliche Atomgigant Areva hier sogenannte Mischoxyd-Brennelemente mit Plutionium (MOX-Brennstäbe) her.
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