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Bulgarien beschließt Neustart von Atomreaktoren
Umstrittenes Kernkraftwerk soll zurück ans Netz
Das russische Gas fließt wieder durch die Pipelines. Trotzdem hat das bulgarische Parlament den Neustart von zwei Reaktoren des umstrittenen Atomkraftwerks Kosloduj beschlossen. Ihre Entscheidung begründeten die Parlamentarier mit der Gas-, der Finanz- und der globalen Wirtschaftskrise. Allein durch den russisch-ukrainischen Gasstreit sei ein Schaden von rund 87 Millionen Euro entstanden, erklärte die bulgarische Regierung.
Die beiden Reaktorblöcke mit jeweils 440 Megawatt-Leistung sollen Bulgariens Energiebedarf wieder sichern und darüber hinaus Stromexporte möglich machen. Mit dem Verkauf von Strom in die Nachbarländer will Bulgarien die finanziellen Verluste ausgleichen. Die Regierung forderte außerdem vom russischen Gasmonopolisten Gazprom einen Ausgleich für die entfallenen Lieferungen. Von der Gaskrise wurde auch die Slowakei schwer getroffen. Zunächst hatte sie ebenfalls beabsichtigt, einen umstrittenen Kernreaktor zu reaktivieren. Nach Beilegung des Gasstreits will die slowakische Regierung nun jedoch darauf verzichten.
Tauziehen mit der EU
Die bulgarischen Reaktoren, die als Sicherheitsrisiko gelten, waren erst vor zwei Jahren vom Netz genommen worden. Ihre Stilllegung war damals eine der Bedingungen für den EU-Beitritt Bulgariens. Befristet könnten diese Reaktoren jetzt dennoch wieder gestartet werden, denn laut der EU besteht für Bulgarien eine rechtliche Ausnahmemöglichkeit. "Die bulgarische Regierung müsste dafür ernsthafte und andauernde Risiken für die Wirtschaft des Landes darlegen", betonte ein Sprecher der EU-Komission.
Warum umstritten?
Das bulgarische Atomkraftwerk Kosloduj an der Donau hängt seit 1974 am Netz und deckte zwischenzeitlich sogar 40 Prozent des Strombedarfs. Die Reaktoren sowjetischer Bauart gelten aber bereits seit 1990 als Sicherheitsrisiko. Damals hatte ein Bericht der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) für Aufsehen gesorgt, da niemals zuvor ein Atomkraftwerk eine so negative Beurteilung erhalten hatte. Auch in den folgenden Jahren wurden Pannen und Fehler registriert. Nach dem EU-Beitritt Anfang 2007 durfte Bulgarien noch zwei 1000-Megawatt-Blöcke in Kosloduj betreiben. Das Land versuchte aber wiederholt, auch die Erlaubnis für den Neustart der alten Reaktoren zu bekommen. Jetzt will die Regierung das Anfahren der umstrittenen Reaktoren in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission vorbereiten.
Stand: 04.08.2010 03:14 Uhr
