Neues Ableitungssystem in Fukushima Tepco leitet Grundwasser in den Ozean

Stand: 19.07.2015 11:41 Uhr

Angesichts des anhaltend hohen Grundwasser-Aufkommens hat der Betreiber der havarierten japanischen Atomanlage Fukushima ein neues Ableitungssystem für unbelastetes Wasser in Betrieb genommen. Künftig soll Grundwasser darüber in den Pazifik geleitet werden. So solle verhindert werden, dass sich radioaktiv verseuchtes Wasser und Grundwasser vermischten, teilte Tepco mit. Bisher dringt sauberes Grundwasser kontinuierlich in das stark beschädigte AKW ein und wird dort radioaktiv verstrahlt. Dann muss es aus den Kellern abgepumpt und gelagert werden.

Dieses von Tepco veröffentlichte Foto zeigt eines der Rohre, durch das Grundwasser in den Pazifik geleitet wird. | Bildquelle: AP
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Dieses von Tepco veröffentlichte Foto zeigt eines der Rohre, durch das Grundwasser in den Pazifik geleitet wird.

Bei der Einleitung in den Ozean geht es zunächst um 560 Tonnen Grundwasser, die für eine Untersuchung auf Verstrahlung zwischengelagert worden waren. Die Tests auf Radioaktivität seien schärfer als die von der japanischen Regierung oder den Vereinten Nationen geforderten Untersuchungen, behauptet das Unternehmen. Künftig werde das Wasser aus zwölf Schachtbrunnen gepumpt, bevor es die Anlage erreicht, und dann in den Ozean geleitet.

Die Tanks sind voll

Zwar ist die Atomanlage seit der Havarie im März 2011 stabilisiert worden, die Lagerung und Filterung kontaminierten Wasser ist allerdings eine stetig wachsende Herausforderung für Tepco. Bereits jetzt wird auf dem AKW-Gelände verstrahltes Wasser in mehr als 1000 Tanks gelagert. Es wird teilweise als Kühlwasser für die Reaktoren benötigt.

Zwischen 300 und 400 Tonnen Wasser kommen laut Tepco täglich hinzu, vor allem über unterirdische Wasserläufe von den umliegenden Berghängen. Mit der Umleitung des unbelasteten Grundwassers soll die täglich anfallende Wassermenge laut Tepco um 20 bis 100 Tonnen verringert werden, schreibt die japanische Tageszeitung "Asahi Shimbun".

Der Grundwasser-Plan war zunächst auf erbitterten Widerstand gestoßen. So fürchtete zum Beispiel der Fischereiverband der Präfektur Fukushima, dass sich Fische aus dem Ozean in der Nähe des AKW dann nicht mehr verkaufen würden. Inzwischen stimmte der Verband der Maßnahme aber zu. Er werde das Industrieministerium anweisen, genau zu prüfen, ob Tepco die Regeln einhalte, versicherte Kabinettssekretär Yoshihide Suga laut der "Asahi Shimbun".

Filteranlage ausgefallen

Ein anhaltendes Problem für Tepco ist zudem das System zur Reinigung des verstrahlten Wassers. Diese ALPS-Anlage steht derzeit still. Tepco teilte mit, dass die gesamte Filteranlage seit Dienstag außer Betrieb sei, nachdem auch das letzte ihrer drei Teilsysteme abgeschaltet worden sei. Bereits in den vergangenen Tagen waren die beiden anderen Teilsysteme außer Betrieb gesetzt worden. Grund für die erneute Abschaltung war nach Angaben von Tepco ein Leistungsabfall des Systems, dessen Ursache bislang unbekannt sei. Mit der Anlage wird das radioaktiv verseuchte Wasser aufbereitet, das zur Kühlung verwendet wird.

Die Katastrophe von Fukushima infolge eines Erdbebens und eines Tsunamis war das folgenschwerste Atomunglück seit dem Unfall von Tschernobyl im Jahr 1986. Um die Anlage wurde eine Sperrzone errichtet.

Auf dieser Luftaufnahme des AKW Fukushima sind die vielen Tanks auf dem Gelände gut zu erkennen. (August 2013) | Bildquelle: AP
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Auf dieser Luftaufnahme des AKW Fukushima sind die vielen Tanks auf dem Gelände gut zu erkennen. (August 2013)

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