Schriftsteller Dogan Akhanli | Bildquelle: picture alliance / Henning Kaise

Freilassung Akhanlis "Der Kampf hat sich gelohnt"

Stand: 20.08.2017 21:17 Uhr

Die Freude über die Freilassung des deutschen Schriftstellers Akhanli ist groß: Sein Anwalt erklärte, der "Kampf hat sich gelohnt". Auch Kanzlerin und Außenminister zeigten sich erleichtert. Doch noch hat die Türkei 40 Tage Zeit, die Auslieferung zu beantragen.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Verhaftungen und Folter prägen das Leben von Dogan Akhanli. Während der Zeit der Militärdiktatur in der Türkei saß der Schriftsteller über Monate im Knast, weil er Flugblätter gegen das Regime gedruckt hatte. Das war 1985. Jetzt, Jahrzehnte später, muss er wieder die türkische Justiz fürchten. Die hat ihn via Interpol in Spanien am Wochenende festgesetzt. Nach einer Nacht im Gefängnis, ist Akhanli - der aus der Türkei stammt, aber ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt - wieder frei. "Der Kampf hat sich gelohnt", teilte sein Anwalt Ilias Uyar auf seiner Facebook-Seite mit.

Schriftsteller Akhanli unter Auflagen wieder frei
tagesschau 20:00 Uhr, 20.08.2017, Arnd Henze, ARD Berlin

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Erleichtert ist auch der Außenminister. Sigmar Gabriel kann nur diplomatisch agieren. Denn obwohl Akhanli Deutscher ist, kann die Regierung rechtlich nichts tun. Gabriel gibt sich aber zuversichtlich. "Das freut mich natürlich als ersten Schritt. Insgesamt halten wir aber die Vorwürfe ihm gegenüber für nicht gerechtfertigt, aber ich habe großes Vertrauen in die spanische Justiz."

Auch die Kanzlerin zeigte sich froh, dass Spanien Akhanli erst einmal freigelassen hat. Man sei in engem Kontakt mit der Regierung in Madrid, so Angela Merkel bei RTL. Und erklärte in Richtung der Türkei: "Das geht nicht. Wir dürfen auch die internationalen Organisationen wie Interpol für so etwas nicht missbrauchen."

"Eine Frechheit"

Scharfe Angriffe auf Erdogan vermied die Kanzlerin - zum Missfallen von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und den Grünen. Horst Seehofer ist da einen Zacken schärfer. Der CSU-Chef sagte in der ARD, was sich der türkische Präsident geleistet habe, sei eine Frechheit. "Es zeigt sich wieder einmal, dass Erdogan das Wesen einer Demokratie und eines Rechtsstaates nicht begriffen hat oder nicht berücksichtigen will."

Der Ton ist rau

Fest steht: Der Fall Akhanli steht in einer Reihe weiterer, die das Verhältnis zwischen der deutschen und türkischen Regierung belasten. Nazi-Vergleiche türkischer Politiker, die Festnahme des Journalisten Yücel, das Besuchsverbot für deutsche Abgeordnete an Bundeswehrstandorten - der Ton ist rau geworden. Erst vor wenigen Tagen sorgte der türkische Präsident für Empörung, weil er Deutsch-Türken zum Boykott bestimmter Parteien bei der Bundestagswahl aufgerufen hatte.

Am Wochenende legte er nach, griff Außenminister Gabriel direkt an. "Wer sind Sie, dass Sie den türkischen Präsidenten ansprechen. Erkennen Sie Ihre Grenzen!" polterte Erdogan bei einer Rede. Dabei hatte Gabriel sich nur verbeten, dass sich der türkische Präsident in den Wahlkampf einmischt. Das hatten auch viele andere deutsche Politiker getan. Wieder einmal fliegen die Fetzen zwischen Berlin und Ankara. Es scheint, als ob der Schriftsteller Akhanli in die Mühlen dieses Streits geraten ist. Völlig überraschend, wie sein spanischer Anwalt Gonzalo Boye sagt: "Vor kurzem war er in Frankreich, Italien und den Niederlanden - und da hatte er kein Problem."

40 Tage Zittern

Doch jetzt muss der Schriftsteller, der einst aus der Türkei geflohen ist, wieder zittern. 40 Tage hat Ankara nun Zeit, offiziell die Auslieferung zu beantragen - darüber entscheiden muss dann die spanische Justiz. Zurück nach Deutschland kann Akhanli nicht - denn er ist zwar wieder auf freiem Fuß, darf Madrid aber vorerst nicht verlassen.

Schriftsteller Akhanli unter Auflagen wieder frei
Martin Mair, ARD Berlin
20.08.2017 20:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. August 2017 um 12:00 Uhr.

Korrespondent

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Martin Mair, MDR

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