Dogan Akhanli | Bildquelle: picture alliance / Horst Galusch

Deutscher Schriftsteller Interpol hebt "Red Notice" für Akhanli auf

Stand: 25.08.2017 18:24 Uhr

Interpol hat den Dringlichkeitsvermerk für den deutschen Schriftsteller Akhanli gelöscht. Er war in Spanien festgenommen worden, weil die Türkei einen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt hatte. Seinem Anwalt zufolge kann Akhanli Spanien aber noch nicht verlassen.

Interpol hat den Dringlichkeitsvermerk, eine "Red Notice", für den deutschen Schriftsteller Dogan Akhanli gelöscht, wie das Auswärtige Amt bestätigte.

Die Türkei hatte gegen Akhanli einen internationalen Haftbefehl mit Dringlichkeitsvermerk bei Interpol eingereicht. Der Schriftsteller war daraufhin während seines Urlaubs in Spanien vorübergehend festgenommen worden und durfte das Land seitdem nicht mehr verlassen.

"Wir freuen uns, dass Interpol die 'Red Notice' gegen Doghan Akhanli gelöscht hat", hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Staatssekretär Walter Lindner stehe mit seinem spanischen Kollegen in Kontakt. Nun steht eine Reaktion der spanischen Behörden aus.

Auslieferungsverfahren läuft weiter

Der Anwalt von Dogan Akhanli, Gonzalo Boye Tuset, sagte dem ARD-Studio Madrid, die Aufhebung der "Red Notice" bedeute noch nicht, dass Akhanli auch aus Spanien ausreisen könne. "Denn die Red Notice ist nur ein Alarm, der an die Polizei in 190 Ländern geschickt wird mit der Bitte, diese Person zu suchen. Sobald die Person gefunden ist, wird dieser Suchbefehl natürlich gelöscht, damit nicht in irgendeinem Land unnötige Anstrengungen von den Behörden unternommen werden."

Die Löschung sei also ein Standardverfahren für den Fall, dass die Person gefunden wurde. Der Haftbefehl und das Auslieferungsverfahren würden aber weiter laufen, so Tuset. "Dogan darf Spanien also nicht verlassen. Und den Haftbefehl könnte nur die Türkei selbst zurückziehen."

Akhanli war 1991 aus der Türkei nach Deutschland geflohen. 2001 nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an. Die Türkei wirft ihm unter anderem vor, in einen bewaffneten Raubüberfall verwickelt gewesen zu sein. Akhanli vermutet dagegen, er solle mundtot gemacht werden. Gegen die Türkei wurde der Vorwurf erhoben, sie missbrauche die internationale Polizeibehörde für die politische Verfolgung von Kritikern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. August 2017 um 17:42 Uhr.

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