Trümmerteile der abgestürzten Metrojet-Maschine | Bildquelle: dpa

Metrojet-Absturz Ermittler vermutet Bombe an Bord

Stand: 08.11.2015 13:50 Uhr

Zunächst hatte Ägyptens Chefermittler erklärt, er schließe im Fall des abgestürzten russischen Passagierflugzeugs kein Szenario aus. Jetzt sagt einer seiner Kollegen, das zuletzt aufgezeichnete Geräusch stamme "mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit" von einer Bombe.

Die Theorie von einer Bombenexplosion in der vor acht Tagen über dem Sinai abgestürzten russischen Passagiermaschine wird nun offenbar auch von einem Ermittler geteilt. Das Geräusch, das der Flugschreiber als letztes aufgezeichnet habe, stamme "mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit" von der Explosion einer Bombe, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Mann, der zum internationalen Untersuchungsteam gehört.

Flugschreiber des abgestürzten russischen Passagierflugzeugs | Bildquelle: AP
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Die Flugschreiber werden derzeit noch ausgewertet.

Eine Bombenexplosion halten auch Experten aus den USA und Großbritannien für plausibel. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gehen inzwischen auch deutsche Behörden davon aus. Die Zeitung zitiert einen nicht näher genannten hohen Sicherheitsbeamten mit den Worten, der sehr plötzliche Höhenabfall des Flugzeugs, ohne vorher durch den Stimmenrekorder aufgezeichnete Unregelmäßigkeiten, mache einen Bombenanschlag "sehr plausibel".

Noch am Samstag hatte der Leiter des Expertenteams auf einer Pressekonferenz gesagt, es sei zu früh, sich auf eine Ursache festzulegen. Er hatte zudem von einem Geräusch berichtet, das während der letzten Sekunde der Cockpit-Aufnahme zu hören sei. Anschließend sei das Flugzeug per Autopilot geflogen, bevor es offenbar mitten in der Luft auseinandergebrochen sei.

11.000 Russen wurden ausgeflogen

Auch russische Experten warnten vor Spekulationen. Die Regierung beteiligt sich an den Untersuchungen und schickte drei Gruppen von Sicherheitsexperten nach Ägypten - unter anderem, um die dortigen Flughäfen zu inspizieren. Einzelheiten wurden nicht genannt.

Am Freitag hatte Russland alle Flüge nach Ägypten gestoppt. Etwa 68.000 Russen sitzen deshalb noch immer dort fest, die meisten von ihnen im Badeort Sharm El-Sheikh. Die Regierung charterte Flugzeuge, um sie zurückzuholen. Allein am Samstag wurden 11.000 Menschen ausgeflogen. Im Laufe des Tages sollen Tausende weitere Touristen folgen.

Bei dem Absturz der russischen Verkehrsmaschine waren alle 224 Insassen ums Leben gekommen. Ein Ableger der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS), der auf der Halbinsel Sinai aktiv ist, hatte erklärt, er habe als Vergeltung für die russischen Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien einen Anschlag auf die Maschine verübt.

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