Aids 30 Jahre (Bildquelle: picture alliance / dpa)

Jahrestag der Veröffentlichung in "Science" Vor 30 Jahren wurde HIV entdeckt

Stand: 20.05.2013 09:42 Uhr

Es war eine Sensation für die Medizin: Vor 30 Jahren entdeckten ein Franzose und ein Amerikaner das HI-Virus, den Erreger der Immunschwächekrankheit Aids. Seitdem hat die Forschung erhebliche Fortschritte in der Behandlung HIV-Infizierter gemacht.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

Es war ein Wettkampf zwischen zwei Forschern: Am 20. Mai 1983 veröffentlichte die Zeitschrift "Science" zwei Artikel über das HI-Virus. Einen hatte der Franzose Luc Montagnier geschrieben, den anderen Robert Gallo aus den USA. Beide hatten ähnliche Theorien woher die Krankheit Aids kommt.

Vor 30 Jahren wurde das HI-Virus entdeckt
S. Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington
19.05.2013 13:38 Uhr

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Aids als Immunschwäche war schon länger bekannt, doch die große Frage war, wodurch diese Krankheit ausgelöst wird. Sowohl der Franzose als auch der Amerikaner machten einen Retrovirus als Täter aus. Er ähnelte einem Erreger, der auch bei bestimmten Leukämieerkrankungen vorkommt. Leukämie- und Aidskranke wiesen ähnliche Symptome auf, bei beiden brach das Immunsystem zusammen. Die große Frage war aber auch, wer das Patent für den ersten HIV-Antikörper-Test für sich beanspruchen durfte. Es kam zum Streit zwischen den beiden Forschern.

Kohl: Lage schlimmer als nach Tschernobyl

Die Entdeckung des HI-Virus war eine Sensation für die Medizin. "Die wahrscheinliche Ursache für Aids ist gefunden", verkündete die amerikanische Gesundheitsministerin Magarete Hackler auf einer internationalen Pressekonferenz.

Die Krankheit Aids entwich den Forschungslabors und Krankenhäusern und veränderte die Gesellschaft der 80er Jahre. "Der Spiegel" titelte nach den Veröffentlichungen in "Science": "Aids, die rätselhafte Krankheit" und zeigte zwei nackte Männer. Schwule wehrten sich gegen Diskriminierung. Die Aids-Hilfe wurde gegründet und die Stimmung in Deutschland erreichte hysterische Züge. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl fand, die Lage sei schlimmer als nach Tschernobyl. Horrorzahlen von Millionen Infizierten machten die Runde. Die CDU-Politikerin Rita Süssmuth, damals Gesundheitsministerin, setzte auf Vorsorge und startete eine Aufklärungskampagne für den Gebrauch von Kondomen.

Enorme Fortschritte in den letzten Jahren

Heute leben schätzungsweise mehr als 35 Millionen Menschen auf der ganzen Welt mit dem HI-Virus. Bei vielen bricht die Krankheit nicht mehr aus. So wie bei Marcel. Er kann dank moderner Behandlungsmethoden fast beschwerdefrei leben. Doch unter Ausgrenzung leidet er immer noch: "Der Fakt, dass man positiv ist, ist natürlich schlimm, aber es wäre nicht so schlimm, wenn es nicht die Leute geben, die einen ausgrenzen," sagte er auf der letzten Aids-Konferenz in Washington.

Der französische Forscher Luc Montagnier (Bildquelle: AFP)
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Der französische Forscher Luc Montagnier bekam den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung des HI-Virus.

Robert Gallo (Bildquelle: AFP)
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US-Forscher Robert Gallo kämpfte jahrelang für sein Recht auf das Patent für den ersten HIV-Test.

Die Behandlung von HIV-Infizierten hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. In kaum eine andere Forschung ist aber auch so viel Geld geflossen. Patienten können heute so behandelt werden, dass in ihrem Blut das HI-Virus so gut wie nicht mehr vorhanden ist. Damit können sie ein fast normales Leben führen und was ebenso wichtig ist: Sie stecken niemanden mehr an.

Behandeln ja, heilen nein, so könnte man den aktuellen Stand der Aids-Forschung zusammenfassen, 30 Jahre nachdem Gallo und Montagnier den Virus entdeckt haben.

Der Streit zwischen den beiden Forschern ging noch jahrelang weiter. Er beschäftigte die Gerichte und schließlich sogar sogar die damaligen Präsidenten Frankreichs und der USA, François Mitterand und Ronald Reagan. Am Ende gab es einen Vergleich, der Ruhm und das Patent sollte jeweils beiden zur Hälfte gehören.

2008 gab es dann eine schwere Niederlage für den Amerikaner: Der Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung des HI-Virus wurde nur an den Franzosen Luc Montagnier verliehen, Robert Gallo ging leer aus.

Dieser Beitrag lief am 20. Mai 2013 um 19:00 Uhr im WDR 5.

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