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Warnhinweis vor Agent Orange in Danang in Vietnam

Folgen von Agent Orange in Vietnam

Späte Entseuchung im Sperrgebiet

Der Einsatz des Entlaubungsmittels Agent Orange im Vietnam-Krieg belastet die Bevölkerung der Region auch 40 Jahre nach Kriegsende massiv. Die Entseuchung der Böden kostet Millionen und dauert Jahre. Nun beteiligen sich die USA erstmals an einem Projekt, mit dem Agent Orange beseitigt werden soll.

Von Nicola Glass, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Es ist ein schlichtes Gebäude, in dem die Kinder lernen und arbeiten. Einige üben Schreiben, andere fertigen Plastikblumen an. Sie alle hier haben etwas gemeinsam: Sie sind teils schwer krank, haben körperliche und geistige Behinderungen. Die 30 Kinder, die in diesem Hilfszentrum in Danang betreut werden, sind Opfer von Agent Orange.

Der Einsatz des hochgiftigen Entlaubungsmittels, von den USA während des Vietnam-Krieges versprüht, hatte verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung. Viele Familien und ihre Nachkommen leiden bis heute darunter. Man versuche, ihnen zu helfen, wobei viele von ihnen nie ein normales Leben werden führen können, sagt ihr Lehrer Nguyen Ngoc Phuong. Er ist selbst ein Agent-Orange-Opfer: "Diese Kinder hier sind die Enkel jener betroffenen Soldaten, die im Krieg waren", so der junge Mann. "Ihre Eltern wurden noch gesund geboren, aber die Krankheiten sind weitervererbt worden."

USA beteiligen sich an Beseitigung von Agent Orange
N. Glass, ARD Singapur
18.08.2012 11:55 Uhr

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Eine der am schwersten versuchten Regionen

Danang war im Vietnamkrieg ein US-Luftwaffenstützpunkt, wo Agent Orange auch gelagert wurde. In der Stadt leben heute mehr als 5000 Agent-Orange-Opfer. Der Flughafen und Umgebung gehören zu den am stärksten verseuchten Regionen Vietnams. Durch das Versprühen des Entlaubungsmittels über den Urwäldern wollten die USA den Kämpfern der kommunistischen Vietcong die Deckung nehmen sowie deren Nachschubwege aufspüren.

Fast 40 Jahre nach dem Ende des Krieges beteiligt sich Washington jetzt zum ersten Mal an einer Aktion, durch welche die Umweltschäden von Agent Orange beseitigt werden sollen. Es ist der Versuch einer späten Wiedergutmachung - in den Augen mancher zu spät und zu halbherzig. "Das Dioxin im Boden ist das Vermächtnis der schmerzhaften Vergangenheit, die wir teilen", so David Shear, US-Botschafter in Vietnam, kürzlich in einer Ansprache. "Aber das Projekt, das wir heute Hand in Hand mit den Vietnamesen durchführen, ist, so wie es Außenministerin Clinton gesagt hat, ein Zeichen für eine hoffnungsvolle Zukunft, die wir zusammen aufbauen."

USA beteiligen sich an Beseitigung von Agent Orange
tagesschau 20:00 Uhr, 09.08.2012, K. Göbel, ARD Singapur

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Maßnahmen zur Entgiftung des Bodens

Um das Erdreich dekontaminieren zu können, werden die Bodenschichten  in riesige Behälter geschaufelt, die als Spezialöfen dienen. Dort wird die Erde so stark erhitzt, dass die Giftstoffe zerfallen sollen. Das Verfahren ist aufwändig und langwierig. Mehr als 70.000 Kubikmeter Boden in Danang sollen so entgiftet werden. "Dafür werden 43 Millionen US-Dollar aufgebracht, beendet wird das Programm in 2016", sagt Charles Bailey, Direktor des Agent-Orange-Programms Vietnam beim Aspen-Institut in Washington. "Und ich bin zuversichtlich, dass dies alles korrekt und umfassend erfolgen wird." Das sei dann endlich das Ende dieses Vermächtnisses.

Räumfahrzeug in Danang.
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Mit schwerem Räumfahrzeug werden die Böden in Danang abgetragen.

Damit nicht genug: Immer wieder verweist Bailey auch auf die Folgen für die vietnamesischen Opfer des Krieges. Während US-Soldaten nach jahrelangem Kampf immerhin entschädigt wurden, war eine Sammelklage von vietnamesischer Seite von der US-Justiz abgeschmettert worden. Die Richter erklärten, der Einsatz von Agent Orange sei keine chemische Kriegsführung und daher kein Verstoß gegen internationales Recht. Bis heute beharren die USA zudem darauf, dass es keine Beweise gebe für einen kausalen Zusammenhang zwischen Agent Orange und all den Erkrankungen. Zwar helfen die USA seit 1989 finanziell Vietnamesen mit Behinderungen - allerdings unabhängig von der Ursache, wie sie betonen.

Vietnam-Veteranen erinnern sich, wie es war, als das hochgiftige Entlaubungsmittel versprüht wurde. Bäume und Pflanzen starben ab, Tiere verendeten innerhalb von Tagen. Insgesamt zerstörten Agent Orange und andere Herbizide mehr als zwei Millionen Hektar an Wald- und Ackerflächen.

Noch immer sind nachfolgende Generationen betroffen

Dass das Gift auch noch Generationen später in Wasser und Boden zu finden sein würde, dass es sich in der Tier- und Pflanzenwelt festgesetzt hatte, davon ahnten die meisten Menschen trotz vereinzelter Warnungen nichts. Aus Geldmangel wurden Umwelttests von Vietnams Regierung nicht umfassend genug durchgeführt. Erst vor fünf Jahren wurde Danang zum Sperrgebiet erklärt.

Junge in einem Rehabilitierungszenrtum für Agent-Orange-Opfer in Danang.
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Die einfachsten Dinge fallen ihnen schwer: Ein Rehabilitierungszentrum in Danang kümmert sich um die Opfer von Agent Orange.

Zwar bekommen Betroffene monatlich etwas Geld von Vietnams Regierung, aber eine echte Hilfe sei dies nicht: "Die USA sind ohne Verantwortungsgefühl für die Betroffenen, und wir können nicht allen 5000 Opfern hier Unterstützung anbieten", erklärt Nguyen Thi Hien vom Danang-Zentrum für Agent-Orange-Opfer. "Wir können ihnen geistige Hilfe bieten, um ihr Leid zu lindern, aber wir sind nicht in der Lage, ihre praktischen Probleme zu lösen."

Viele sagen, die Mithilfe der USA, die verseuchten Böden zu reinigen, komme für die heutigen Opfer von Agent Orange zu spät. Aber wenigstens könnten die nachkommenden Generationen in Zukunft darauf hoffen, in einer gesünderen Umwelt aufzuwachsen.

Stand: 18.08.2012 12:08 Uhr

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