Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.

28.05.2012

ARD-Logo

Suche in tagesschau.de

Hauptnavigation
Multimedia
Inhalt
Ausland
Haus der mutmaßlichen Spione in den USA (Foto: AFP)
US-Ermittler heben russischen Spionagering aus
Agenten sollen jahrelang aktiv gewesen sein

US-Ermittler heben russischen Spionagering aus

Sie lebten unauffällig am Rande Washingtons und in New York - ihre Mission war Spionage bei US-Regierung und Geheimdienst. Jahrelang ging das gut, doch jetzt hob das FBI einen für Russland tätigen Agentenring aus. Zehn Frauen und Männer sind in Haft, eine Person ist auf der Flucht.

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Dieser Fall erinnert die hiesige Presse an einen Coup aus den Tagen des Kalten Krieges: 1957 war der sowjetische Agent Rudolf Abel in New York hochgenommen worden. Getarnt als Künstler, hatte er in den USA ein riesiges Agentennetz aufgebaut, darunter Kontakte zu Mitarbeitern des streng geheimen Atombomben-Projektes "Manhattan".  

Der Kalte Krieg ist lange vorbei. Doch am Sonntag hat das FBI wieder zugeschlagen. Zwar besagen die gestern freigegebenen Gerichtspapiere, dass ein Verdächtiger noch immer flüchtig ist. Der hatte am Samstag in einem Park von Arlington, Virginia, einen Briefumschlag mit 5000 Dollar versteckt in einer Zeitung übergeben wollen. Doch zehn Frauen und Männer wurden am Sonntag festgenommen - in New Jersey, New York, Massachussetts und Virginia. In letzterem Staat sind das Hauptquartier des US-Auslandsgeheimdienstes CIA und etliche Rüstungsfirmen beheimatet.

Mission "auf lange Sicht angelegt und extrem verdeckt"

Doch was oder wen genau die mutmaßlichen Agenten ausspioniert haben, erklärte das Justizministerium nicht. Nur so viel: die Betroffenen hätten sich teilweise seit den 1990er-Jahren in den USA um Informanten und Informationen gekümmert.  Die Missionen seien "auf lange Sicht angelegt und extrem verdeckt" gewesen. Acht der Agenten lebten als Paar zusammen und hatten Jobs innerhalb der Russischen Botschaft in Washington und bei militärischen Missionen - eine beliebte Praxis aus den Tagen des Kalten Krieges. Zwei weitere Verhaftete hätten sich "ebenfalls an diesem russischen Spionageprogramm innerhalb der USA" beteiligt, so die Gerichtspapiere ohne nähere Erklärung. 

Haus der wegen Spionageverdachts festgenommenen Richard and Cynthia Murphy in Montclair (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Unter anderem in diesem Haus in New Jersey sollen die mutmaßlichen Spione in den USA unter falschem Namen gelebt haben. ]

Doch waren es angeworbene Amerikaner oder Russen? Evan Perez vom "Wall Street Journal" glaubt es zu wissen: "Einige sind von Russland geschickt worden. Sie hatten gefälschte Geburtsurkunden aus Kanada oder Pennsylvania. Eine der Frauen scheint bei der spanischsprachigen Zeitung 'El Diaro' in New York gearbeitet zu haben und kommt wohl aus Peru. Nach jetzigem Stand sind die meisten aber wohl Russen."

Im Visier der Agenten: Die Iran-Politik der US-Regierung

Wie die "Washington Post" darüber hinaus berichtet, hatte das FBI 2009 eine Botschaft vom Hauptquartier des russischen Auslandsgeheimdienstes in Moskau abgefangen und entschlüsselt. Darin sei zwei der Anklagten klar gemacht worden, dass sie von Autos bis Technik alles nötige in die Wege leiten sollten, um ihre Mission zu erfüllen, und die bestehe darin, "Verbindungen in amerikanischen  politischen Zirkeln zu suchen und zu entwickeln". In weiteren abgehörten Botschaften geht es um die US-Position zur Waffenkontrolle und zum Iran sowie um Informationen über Bunkerbauten und ihre Zerstörung.  Es soll zudem um den US-Kongress gegangen sein, um die jüngste Präsidentschaftswahl und Gerüchte im Weißen Haus.

Agenten-Laptop und Kurzwellenradios im Einsatz

Wie erfolgreich die Spione in russischem Auftrag gewesen sind, gaben die Gerichtspapiere nicht zu erkennen. Wohl aber, dass die Angeklagten sowohl mit einem neuartigen drahtlosen Kommunikationssystem von Agenten-Laptop zu Agenten-Laptop gearbeitet hätten, aber auch nach bewährten Chiffriertechniken, wie Evan Perez erklärt: "Sie haben Steganographie benutzt, bei der es darum geht, Daten in Bildern zu verstecken. Man kann zum Beispiel in einem digitalen Foto bestimmte Daten unterbringen und auf der anderen Seiten mit einer speziellen Software entschlüsseln. Sie haben aber auch Kurzwellenradios verwendet, um nach Moskau oder untereinander Botschaften im  Morsecode zu senden."

Die US-Regierung hat Anklage erhoben. Für Spionage im Auftrag einer fremden Regierung drohen in den USA fünf Jahre Haft, für Geldwäsche sogar bis zu 20 Jahre.

Was wusste Medwedjew?

Medwedjew und Obama bei einer Pressekonferenz in Washington (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Noch vor wenigen Tagen demonstrierten die Präsidenten Medwedjew und Obama Einigkeit. ]
Derweil ist nicht nur hochinteressant, was passiert ist, sondern auch wann. Denn erst vorigen Donnerstag gaben US-Präsident Barack Obama und sein Gast aus Moskau, Amtskollege Dmitri Medwedjew, ein überaus harmonisches Bild im Weißen Haus ab. Auch am Wochenende sahen sie einander - beim G-20-Gipfel in Kanada. War der russische Präsident wenigstens da informell ins Bild gesetzt worden? Und was heißt dieser spektakuläre Fang für Obamas "Reset-Politik", bei der er die Beziehungen zum ehemaligen Erzfeind auf Null setzen und neu starten will?

Kritiker in Amerika sehen darin einen untragbaren Schmusekurs, statt Moskaus Expansionsgelüste vor allen in Zentralasien zu stoppen. Obama hingegen lobte seine Politik als vertrauensbildend und sicherheitsfördernd: "Von guten  Beziehungen zwischen Russland und den USA profitiert die gesamte Welt."

Man darf gespannt sein, ob sich daran etwas ändert - da nach langer Zeit wieder einmal ein grelles Licht auf die regierungsamtliche Spionage gefallen ist. 

Stand: 29.06.2010 08:31 Uhr
 

© tagesschau.de

tagesschau.de ist für den Inhalt externer Links nicht verantwortlich.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW