Panzer der türkischen Truppen stehen in der Nähe von Afrin. | Bildquelle: dpa

"Operation Olivenzweig" Türkische Truppen vor Übernahme Afrins?

Stand: 13.03.2018 10:55 Uhr

Die türkischen Streitkräfte melden Erfolge bei ihrem Einsatz gegen Kurdenkämpfer in Syrien: Die Truppen hätten die Stadt Afrin eingekesselt. 300.000 Menschen sollen eingeschlossen sein.

Knapp acht Wochen nach Beginn ihrer Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien haben die türkischen Streitkräfte die Stadt Afrin eingekesselt. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf die Armee, Afrin-Stadt werde seit dem Vortag belagert.

Am Montag flohen Tausende Zivilisten aus Afrin vor den heranrückenden türkischen Truppen in Gebiete, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden. Sie fürchteten sich vor Grausamkeiten der türkischen Armee und deren Verbündeten gegen Kurden und die Minderheiten in der Stadt, sagte ein Sprecher der kurdischen Partei PYD. Die Angreifer hätten Wasser- und Elektrizitätskraftwerke zerstört, die Afrin versorgen. Laut Syrischer Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London sind noch 300.000 Menschen in Afrin eingeschlossen. Die Zahlen können nicht überprüft werden.

Verkehr staut sich auf einer Straße nördlich von Afrin. | Bildquelle: AFP
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Hunderte Menschen fliehen vor den Kämpfen zwischen türkischen Truppen und kurdischen Milizen aus Afrin.

Zweifel an Rechtmäßigkeit des Einsatzes

Die türkischen Streitkräfte hatten am 20. Januar die "Operation Olivenzweig" gegen die YPG begonnen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte angekündigt, Afrin-Stadt zu belagern. Seine Begründung: "Auf diese Weise wird die Hilfe von außen blockiert und die Terrororganisation wird nicht mehr die Möglichkeit haben, mit jemandem einen Handel einzugehen."

Die Regierung in Ankara stuft die YPG wegen ihrer Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation ein. Die türkische Regierung argumentiert, dass die "Operation Olivenzweig" nicht gegen internationales Recht verstoße. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hatte zuletzt allerdings Zweifel daran geäußert.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Sie bezeichnet sich als unabhängig. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Türkische Truppen vor Übernahme syrischer Stadt Afrin?
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
13.03.2018 12:12 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 13. März 2018 Deutschlandfunk um 10:00 Uhr und 11:00 Uhr sowie NDR Info um 10:45 Uhr jeweils in den Nachrichten. Inforadio berichtete um 12:03 Uhr.

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