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Projekt in Kenia

Afrikanische Legenden - vor dem Aussterben bewahrt

Die Braut muss zu Fuß kommen, Wasser darf sie nicht berühren: Heiraten nach Maasai-Tradition ist nicht einfach. Doch kaum etwas von den Gebräuchen und Legenden der kenianischen Volksgruppe ist aufgeschrieben, das meiste wird mündlich überliefert - und geht langsam verloren. Ein Projekt soll das ändern.

Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Für den jungen Maasai Anthony Kasanga ist dies ein sehr wichtiger Tag - seine Hochzeit. Nichts darf schief gehen. Er will traditionell heiraten und dabei muss viel beachtet werden. Vor allem für die Braut gibt es Regeln. "Sie muss zu Fuß ankommen - selbst wenn der Weg drei Tage dauert. Es ist wichtig, dass sie kleine Schritte macht. Wenn sie in die Nähe von Wasser kommt, muss der Trauzeuge sie tragen. Sie darf nicht mit Wasser in Berührung kommen."

Der junge Maasai Anthony Kasanga. (Foto: Antje Diekhans)
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Der junge Maasai Anthony Kasanga...

Eine junge Maasai-Braut (Foto: Antje Diekhans)
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... und seine Braut (Fotos: Antje Diekhans)

Anthonys Vater hat ihm all das erklärt. Er kennt sich gut aus mit den Traditionen und kann endlos erzählen. Von der Löwenjagd früher, als junge Maasai ihren Mut beweisen mussten. Oder auch von ganz praktischen Dingen, wie dem Herstellen einer Zahnbürste aus Zweigen.

Die Maasai-Kultur ist einzigartig, doch viel von ihr geht inzwischen verloren. Denn Gebräuche und auch Legenden wurden immer mündlich übermittelt, kaum etwas ist aufgeschrieben. Mit der älteren Generation könnte darum auch die Kultur sterben, fürchtet Paula Kahumbu. Sie hat ein Projekt ins Leben gerufen, um den Wissensschatz zu sichern. "Die Schulbildung hat dazu beigetragen, dass alte Traditionen nicht mehr so wichtig sind, gerade die Tradition des Geschichtenerzählens. Die jungen Leute verbringen auch einfach nicht mehr so viel Zeit mit den Alten."

Afrikanisches Projekt hält mündliche Überlieferungen lebendig
A. Diekhans, ARD Nairobi
18.08.2012 21:53 Uhr

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Paula Kahumbu setzt sich sonst dafür ein, Elefanten und Löwen in Afrika zu schützen. Für diese Arbeit gewann sie bereits Preise. Jetzt nimmt sie sich der Kultur an. Erst sollten vor allem Erzählungen aufgenommen werden, die mit wilden Tieren zu tun haben. Darum auch der Name des Projekts "Africa’s Wildest Stories". Doch die Pläne gingen schnell weiter. "Die Idee ist, von allen Volksgruppen in Kenia Geschichten aufzuzeichnen. Es ist ein Projekt, um die Menschen wieder für die alten Erzählungen zu begeistern. Die junge Generation soll unterhalten werden - auf die ursprüngliche, afrikanische Art."

Verbreitung über Radio und Internet

Alt und Jung hören gemeinsam Geschichten an (Foto: Antje Diekhans)
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Alt und Jung hören gemeinsam Geschichten an.

Die Geschichten werden über das Radio verbreitet und ins Internet gestellt. Bisher bestreitet Paula Kahumbu das alles noch vor allem mit ihren Preisgeldern. Sie ist auf der Suche nach Sponsoren, um das Projekt weiter vorantreiben zu können. Das kenianische Nationalmuseum hat sie schon mit ins Boot geholt. "Wir haben mehrere Museen, nicht nur in Nairobi, sagt Mitarbeiterin Mercy Gakii. Selbst ganz im Norden und Westen von Kenia sind wir vertreten. Wir planen eine Wanderausstellung. Die Leute in den Dörfern sollen kommen, sich Geschichten anhören und eigene aufnehmen."

Afrika - anders als im Geschichtsbuch

Afrikanische Legenden werden aufgezeichnet: Das Team bei der Arbeit. (Foto: Antje Diekhans)
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Afrikanische Legenden werden aufgezeichnet: Das Team bei der Arbeit.

Zu den Maasai-Legenden sind inzwischen schon Erzählungen aus dem Rift Valley in Kenia dazugekommen. Eine eigentlich völlig flache Region. Ein junger Mann, der auf dem einzigen Hügel der Gegend aufwuchs, berichtet von den Sagen seiner Kindheit: "Wir haben als Kinder geglaubt, dass wir die glücklichsten Menschen sind. Denn wir konnten auf beiden Seiten von unserem Hügel bis zum Ende der Welt sehen. Wir haben wirklich gedacht, dass wir genau in der Mitte leben," sagt William Kimosop.

Erzählungen, die Afrika anders zeigen, als in den Geschichtsbüchern dagestellt. Denn was darin steht, wurde meist nicht von den Menschen hier selbst aufgeschrieben.

Stand: 19.08.2012 00:16 Uhr

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