Mangos werden in einer Fabrik verarbeitet | Bildquelle: Shafagh Laghai

Afrikaner hoffen auf Investitionen Die Sehnsucht nach Europas Märkten

Stand: 09.02.2017 09:42 Uhr

Afrikanische Wirtschaftsvertreter erhoffen sich vom Gipfel in Nairobi leichteren Zugang zu europäischen Märkten. Die Zahl der deutschen Investitionen ist bislang verschwindend gering. Das soll sich ändern - wird allerdings für viele afrikanische Bauern ein unerreichbarer Traum bleiben.

Von Shafagh Laghai, ARD-Studio Nairobi

Es liegt ein schwerer, süßer Duft in der Luft. Und überall türmen sich Mangos - Tonnen an reifen, saftigen Mangos. Richard Kimani lächelt freundlich und schwärmt: "Wir haben hier die modernste Saftfabrik in ganz Afrika." Viele nennen Kimani den "Fruchtsaftkönig" von Ostafrika. In seiner Fabrik etwas außerhalb von Kenias Hauptstadt Nairobi produzieren 600 Mitarbeiter für seine Firma Kevian Fruchtsäfte und Konzentrate. Etwa 40.000 lokale Farmer liefern ihm zu. "Zu meinen Kunden gehören zwei internationale Fluglinien und etliche Supermarktketten auf dem Kontinent", erzählt er stolz.

Die Ausrüstung für seine Saftfabrik kommt aus Deutschland. Die Firma Krones aus Bayern lieferte die Abfüllanlagen und verdiente damit Geld. Und als klar wurde, dass die kenianischen Angestellten nicht auf Anhieb mit der Technik umgehen konnten, lieferten sie auch das Training dazu. Die Botschaft, Deutschland kann Kenia bei der Industrialisierung helfen, gab es gratis dazu. Das Darlehen für die Ausrüstung hat Richard Kimani von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft bekommen.

Blick ins Innere einer Mango-Fabrik | Bildquelle: Shafagh Laghai
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Die Ausrüstung für die Saftfabrik kommt aus Deutschland.

Nur wenige Erfolgsstories

Es ist eine Erfolgsstory. Allerdings eine von sehr sehr wenigen. Denn ansonsten ist die Zahl an deutschen Investitionen und Finanziers in Afrika verschwindend gering. Bleiben wir beim Beispiel Kenia: 2013 kamen lediglich 2,6 Prozent der kenianischen Importe aus Deutschland. Und nur 1,6 Prozent der kenianischen Exporte gingen nach Deutschland.

Dass sich das einmal ändert, hofft Michael Kiema. Er ist einer der Mangobauern, die an Richard Kimanis Fruchtsaftfabrik liefern. Das sei nicht schlecht, aber gerne würde er seine Mangos auch auf dem europäischen Markt verkaufen. Michael Kiema versucht, alle EU-Regularien einzuhalten, nur die erlaubten Pestizide zu sprühen. Doch wenn die Mango am Ende ein paar kleine schwarze Punkte aufweist, fällt sie bereits durch das Raster und seine Investition war umsonst: "Europäische Standards sind sehr kostspielig für unsere Produktion. Wir benutzen nur ganz bestimmte Schädlingsbekämpfer und Chemikalien - und das ist ziemlich teuer." Und so bleibt für viele Bauern in Afrika der europäische Markt ein unerreichbarer Traum.

Ein Bauer steht vor einem Mangobaum | Bildquelle: Shafagh Laghai
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Der Mangobauer Michael Kiema würde gerne seine Mangos auch auf dem europäischen Markt verkaufen.

Ein Albtraum ist für viele Afrikaner hingegen ein Freihandelsabkommen, das die EU zurzeit mit mehreren Subregionen in Afrika verhandelt beziehungsweise bereits unterzeichnet hat. Die sogenannten EPAs (Economic Partnership Agreements) sehen vor, dass afrikanische Länder wie Kenia ihre Märkte bis zu 83 Prozent für europäische Importe öffnen und schrittweise Zölle und Gebühren abschaffen müssen. Im Gegenzug wird ihnen weiterhin zollfreier Zugang zum europäischen Markt gewährt. Einige Länder, darunter Kenia, weigerten sich lange, das Abkommen zu unterzeichnen, weil sie befürchteten, dass die niedrigen Preise der stark subventionierten europäischen Produkte ihre heimische Wirtschaft zerstören. Daraufhin verhängte die EU Einfuhrzölle auf mehrere kenianische Produkte. Das Land knickte ein und unterschrieb.

Abhängigkeiten bleiben

Die Befürworter des Freihandelsabkommens sehen darin Chancen für Afrika: Größere Märkte böten mehr Absatzchancen, internationaler Wettbewerb steigere die Effizienz. Doch es sei ein Wettbewerb unter ungleichen Partnern und verleugne die riesigen Unterschiede zwischen beispielsweise der deutschen und der kenianischen Wirtschaft, sagt der kenianische Wirtschaftsexperte James Shikwati. Die gefährde nicht nur die bestehende Industrie, sondern auch die Entwicklung künftiger Industriezweige: "Das Abkommen manifestiert lediglich eine bestehende Abhängigkeit. Wir haben in Afrika ohnehin eine gering entwickelte Industrie. Wenn nun europäische Produkte zollfrei auf unsere Märkte kommen, wie sollen wir dann damit konkurrieren und unsere Industrie entwickeln?"

Wenn nun also der Minister für Entwicklung Müller und die Ministerin für Wirtschaft Zypries nach Kenia reisen, dann sollte die eine nicht das kaputt machen, was der andere eigentlich aufbauen sollte. Darin sind sich sowohl der Fruchtsaftkönig, der Mangobauer und der kenianische Wirtschaftsexperte einig.

Dieser Beitrag lief am 09. Februar 2017 um 09:11 Uhr auf WDR 5.

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