Arbeiter bauen eine Straße in Eko Atlantic City, Lagos | Bildquelle: AFP

Deutsche Erwartungen Fokus Afrika

Stand: 09.02.2017 02:24 Uhr

Die deutsche Delegation hat beim Wirtschaftsgipfel mit den afrikanischen Staaten einige Angebote im Gepäck, denn der Kontinent ist ein Schwerpunkt des deutschen G20-Vorsitzes. Weiterer Grund: Nur wenn es Afrika gut geht, flüchten weniger Menschen.

Von Oliver Köhr, ARD-Hauptstadtstudio

Natürlich ist da China, der große Konkurrent. In Kenia ebenso, wie in ganz Afrika. Die Chinesen sind teilweise schon da, wo Europa und Deutschland erst noch hinwollen. Und sie sind schneller als Europa: Weil Genehmigungen nicht so lange dauern, weil sie bei Projekten, die sie wirklich wollen, das Geld einfach mitbringen. Ihre eigenen Arbeitskräfte aus China übrigens auch, statt Afrikaner auszubilden. Und ja, auch weil Menschenrechte und Arbeitsschutz einen anderen Stellenwert haben.

Aber über China wollen die Wirtschaftsministerin und der Entwicklungsminister bei ihrer Reise zum Wirtschaftstreffen in Nairobi eigentlich gar nicht sprechen. Sie wollen zwischen Deutschland und Afrika eine neue Partnerschaft aufbauen, ein bisschen müssen sie es auch, denn Afrika soll eine zentrale Rolle bei der deutschen G20-Präsidentschaft in diesem Jahr spielen.

Also auf zu dem Kontinent, auf dem es Flüchtlinge, Hunger und Terror gibt. Aber auch große Chancen für deutsche Unternehmen. Und dahin, wo deutsche Hilfe dringend gebraucht wird. Die Bundesregierung hatte für das Wirtschaftstreffen in Nairobi ordentlich die Werbetrommel gerührt. Die deutschen Unternehmen reagierten trotzdem ziemlich zurückhaltend. So ähnlich sieht der Status quo auch aus: 400.000 deutsche Unternehmen sind im Ausland tätig, ganze 1000 davon in Afrika.

Probleme Korruption und Rechtssicherheit

Unterrepräsentiert nennt Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries, keine 14 Tage im Amt, das. Was die Teilnehmer der mitreisenden Wirtschaftsdelegation ganz gut begründen können. Denn Afrika gilt als schwieriger Kontinent angesichts verbreiteter Korruption und fehlender Rechtssicherheit in vielen Ländern. Und Hilfe zur Selbsthilfe ist im Unternehmerland Deutschland auch nicht jedermanns Sache. Das Ergebnis: Viele der anwesenden Wirtschaftsbosse sind gekommen, um erstmal zu gucken. Günter Papenburg, Bauunternehmer aus Niedersachsen, hat Erfahrung in Afrika. Seine Maschinen sind unter anderem in Ghana im Einsatz. Die Mitarbeiter dort werden ausgebildet, so dass sie Straßen und Wege ohne weitere Hilfe von außen bauen können. Vor allem aber lernen sie, wie die Geräte gewartet werden.

Brigitte Zypries | Bildquelle: REUTERS
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Wirtschaftsministerin Zypries will Möglichkeiten für deutsche Unternehmen eröffnen.

Das fehlende Know-how und manchmal auch das fehlende Verständnis dafür verhindert gelegentlich das nachhaltige Gelingen von Entwicklungszusammenarbeit. Auch deshalb wollen die beiden Minister vor allem Türöffner sein. Deutsche und Afrikaner zusammenbringen, die Möglichkeiten aufzeigen. Da sind zum Beispiel Hermes-Bürgschaften, die inzwischen für viele afrikanische Länder in Anspruch genommen werden können. Und da sind Projekte wie die Ausbildung 5000 junger Afrikaner nach deutschen Standards, wie sie die Bundesregierung in Kenia unterstützt. Etwas zum Vorzeigen, klar, darum fährt Ministerin Zypries dorthin.

Fluchtursachen bekämpfen

Aber auch wenn es der Wirtschaftsministerin erstmal um Interessen der Unternehmen geht und dem ebenfalls mitreisenden Entwicklungsminister Müller um seinen langfristigen "Marshall-Plan" für Afrika - die Hauptaufgabe Deutschlands und Europas ist es, möglichst bald für Bildung, Arbeitsplätze und so etwas wie Wohlstand in Afrika zu sorgen. Weil das der einzige Weg ist, millionenfache Fluchtbewegungen aus Afrika dauerhaft zu verringern.

Dieser Beitrag lief am 09. Februar 2017 um 07:36 Uhr auf WDR 5.

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