tunesisch-deutsches Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration

Milliarden gegen Migration Wie Deutschland Tunesiern Jobs vermitteln will

Stand: 03.03.2017 03:58 Uhr

Große Erwartungen: Zur Eröffnung des "Deutsch-Tunesischen Zentrums für Jobs, Migration und Reintegration" kommen die Kanzlerin und Entwicklungsminister Müller nach Tunis. Unser Korrespondent hat das Zentrum schon vorher besucht.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Nordwestafrika

Der junge Unternehmer in Tunis stellt sich vor: "Mein Name ist Zied Ouled Ali", sagt er. Zied Ouled Ali sitzt gewissermaßen im Schaufenster. Im doppelten Wortsinn: Denn das Büro des "Deutsch-Tunesischen Zentrums für Jobs, Migration und Reintegration" ist ein Art Ladenlokal, vom Bürgersteig aus kann jeder direkt durch das große Fenster hineinschauen.

Aber Zied Ouled Ali sitzt auch im übertragenen Sinn im Schaufenster: Er ist so ziemlich das Ideal dessen, was sich die Bundesregierung vom neuen Zentrum in Tunis erhofft. Er war 10 Jahre in Deutschland, hat an der Universität Karlsruhe seinen Wirtschaftsingenieur gemacht und ist dann nach Tunesien zurückgekehrt: "Ich bin eine qualifizierte, rückkehrende Kraft", sagt er.

Unternehmensgründung mit Geld aus Deutschland

Jetzt sitzt die "qualifizierte, rückkehrende Kraft" im dunklen Anzug, mit Schlips und Kragen im neuen "Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration" und erzählt, wie er sein Unternehmen gegründet hat. Mit eigener Kraft und mit Hilfe aus Deutschland.

Der 34-Jährige bekam Geld, um sein Unternehmen zu gründen. Will er die Frage beantworten, wie viel finanzielle Förderung er bekam? "Ähhh - nein", sagt er lachend. "Das war eine gewisse Summe, die das Leben einfacher macht. Und eine gute Unterstützung." Mittlerweile beschäftigt Zied Ouled Ali mit seiner Firma für IT-Infrastruktur drei Mitarbeiter. Vier weitere will er noch in diesem Jahr einstellen.

Bundeskanzlerin Merkel zu Besuch in Tunesien
tagesschau 9:00 Uhr, 03.03.2017, Stefan Schaaf, ARD Madrid, zzt. Tunis

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Ein Modell für abgelehnte Asylbewerber?

Es ist eine Bilderbuchgeschichte. Ein Tunesier, gut ausgebildet in Deutschland, kehrt in seine Heimat zurück. Und schafft dort mit deutscher Unterstützung Jobs für sich und einige Landsleute.

Die Frage ist allerdings: Funktioniert diese Art der Förderung auch mit weniger qualifizierten Rückkehrern? Oder gar mit Tunesiern, deren Asylanträge in Deutschland abgelehnt und die in ihre Heimat abgeschoben wurden? Das muss sich dann in der täglichen Praxis des neuen Zentrums beweisen.

Freiwillige Rückkehr soll attraktiv werden

Etwa 1500 Tunesier sollen aus Deutschland abgeschoben werden. Oder dazu motiviert werden,  freiwillig zurückzukehren. Die Bundesregierung hofft, ihnen das mit Rückkehrhilfen schmackhaft machen zu können. Bundeskanzlerin Merkel hatte vor gut zwei Wochen beim Besuch des tunesischen Regierungschefs in Berlin gesagt, man überlege, wie freiwilliges Rückkehren attraktiv gemacht werden könnte. Etwa, indem man den Tunesiern ein Bildungsangebot und eine Starthilfe für eine Unternehmensgründung zukommen lasse.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit Tunesiens Ministerpräsident Youssef Chahed am 14.02.2017 in Berlin | Bildquelle: AP
galerie

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der tunesische Ministerpräsident Youssef Chahed vor gut zwei Wochen in Berlin.

Jobs vermitteln, Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten, Chancen auftun: das soll das "Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration" leisten. Aber nicht nur: Es ist auch dazu gedacht, allzu optimistische oder komplett falsche Vorstellungen über Migration zu verdrängen. Und es soll obendrein helfen, eventuell Auswanderungswilligen eine Perspektive in der Heimat zu eröffnen. Deshalb wird es mit der tunesischen Arbeitsvermittlung zusammenarbeiten.

Hohe Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen

Die Erfolgsaussichten? Schwer absehbar. Jobs lassen sich halt nur dann vermitteln, wenn es auch welche gibt. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 16 Prozent, gut ein Drittel der Hochschulabsolventen finden keine Arbeit. Dann ist da auch die Frage, ob diejenigen, die aus Tunesien weg wollen, vorher in diesem Zentrum vorbeischauen werden. Für viele in den ländlichen Regionen Tunesiens ist dieses Zentrum weit weg.

Für den jungen Unternehmer und Wirtschaftsingenieur Zied Ouled Ali ist die Lage einfacher, sagt er. Selbst wenn er noch scheitern sollte mit seiner Firma: "Ich kann immer wieder nach Deutschland, wenn ich will. Ich wurde eingebürgert und vielleicht ist das auch eine gewisse Sicherheit."

Merkel, Müller, Migration – Wie Deutschland Tunesiern Jobs vermitteln will
J. Borchers, ARD Rabat
02.03.2017 22:03 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2017 um 06:19 Uhr.

Darstellung: