Flüchtlingskinder im Südsudan | Bildquelle: AFP

Nothilfe im Südsudan Am Tropf der Staatengemeinschaft

Stand: 20.02.2017 08:24 Uhr

Der Südsudan ist nicht nur der jüngste Staat der Welt, sondern auch einer der ärmsten. Bildungs- und Gesundheitssystem sind marode, die Arbeitslosenquote ist hoch. Seit gut drei Jahren wütet ein Bürgerkrieg. Dabei hat die Regierung Einnahmen aus dem Erdölexport. Doch der Erlös fließt in die Taschen weniger Familien und in den Kauf von Waffen. Für die Bevölkerung bleibt nichts. Hier hilft die internationale Staatengemeinschaft, darunter auch Deutschland. Die Regierung in Juba hält es für ganz selbstverständlich, dass der Westen zahlt. Und der tut es - auch, um die Menschen von Europa fernzuhalten.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Was kann Entwicklungshilfe in einem Land mit korrupter Regierung ausrichten? Das fragt sich Björn Blaschke vor seiner Reise in den Südsudan.
Björn Blaschke, SWR

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Die Unterkünfte des Lagers sind eng. Manche aus Pappe, andere aus Holz oder Wellblech. Die meisten sind halbverwitterte Zelte. Dazwischen enge, staubige Wege. Zum Glück ist Trockenzeit, denn während der Regenzeit versinkt hier alles in Schlamm. Hier, am Rande von Juba, sind mehr als 30.000 Menschen untergekommen. Sie sind Vertriebene im eigenen Land, geflohen vor dem Bürgerkrieg, den sich verschiedene Volksgruppen im Südsudan liefern.

Aus einem der Zelte kommt Becky. Ihr sonniges Kleid hebt sich ab vom Weiß-Grau des Zeltstoffs. Becky hat Soziologie studiert. Sie spricht besser Englisch, als die meisten im Lager, weshalb sie Besucher herumführt.

Lagerbewohnerin Becky
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Becky führt Besucher durch das Lager.

Wasser ist im Lager rationiert

Zum Beispiel zu einer Wasserstelle. Es ist ein Platz, an dem eine Leitung in mehreren Wasserhähnen endet. Frauen und Kinder drängen sich um den Platz, um zwei Stunden lang mit Eimern und Kanistern ihre Tagesrationen zu holen. "Wir bekommen Wasser von 8:00 Uhr bis 10:00 Uhr. Und das ist nicht genug, weshalb wir leiden", beklagt Becky. "Mal mehr, mal weniger, manchmal kommt überhaupt kein Wasser. Auch wegen der hohen Treibstoffpreise."

Die UN berechnen für jeden Lagerbewohner 15 Liter Wasser - pro Tag. Damit sie kochen und trinken sowie sich und ihre Kleidung waschen können. Nur 15 Liter, obwohl der Südsudan eigentlich viel Wasser hat: Der Weiße Nil durchfließt das Land. Aber Wasser ist teuer, besonders in den Lagern. UNICEF muss es von einer Firma kaufen, die eine Aufbereitungsanlage betreibt. Danach muss das Wasser auch noch für Geld ausgeliefert werden.

Frauen und Kinder an einer Wasserstelle
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Zwei Stunden täglich können die Bewohner des Lagers an der Wasserstelle ihre Gefäße auffüllen.

Deutschland finanziert den Bau einer Wasserleitung - und mehr

Das soll sich ändern: UNICEF will eine Leitung legen lassen. Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wäre daran beteiligt. "Der Plan ist, dass Wasserleitungen von der Aufbereitungsanlage hierher gelegt werden sollen", sagt die Hamburgerin Angela Griep, die für UNICEF im Südsudan arbeitet. "Und nicht nur hierher sondern auch in die Dörfer in der Umgebung." 5,2 Millionen Euro hat Deutschland für das Leitungssystem bewilligt.

Insgesamt gingen im vergangenen Jahr 51 Millionen Euro aus Mitteln des BMZ in Programme im Südsudan. Dabei sollte die südsudanesische Führung eigentlich in der Lage sein, ihr Land selbst aus dem Elend zu führen. Denn das Land hat Erdölvorkommen - und internationale Firmen fördern sie.

Angela Griep
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UNICEF-Mitarbeiterin Angela Griep.

Mit Ölgewinnen finanziert Südsudan den Bürgerkrieg

Das Hauptproblem ist laut Diplomaten in Juba, dass Präsident Salva Kiir fast alle relativ hohen Gewinne aus den Ölgeschäften sofort in seine Streitkräfte steckt. Damit bekämpft er seinen Widersacher Riik Machar und dessen Anhänger. Viel Geld fließe auch auf die Privatkonten einiger weniger Familien.

Im Zentrum von Juba steht das Wasserministerium. Das Gebäude ist schmucklos und verwahrlost. Das Büro, in das Isaac Liabwel Yol bittet, sieht aus, als hätte er viel zu tun: Bücher, Karten, Baupläne, wohin man auch schaut. Der hochgewachsene Mann mit breiten Schultern hat im Südsudan den Posten "stellvertretender Minister für Wasserressourcen" inne. Dass die Führung des Landes Ölgewinne in einem Bürgerkrieg verpulvert, während die internationale Gemeinschaft versucht, die Not der Bevölkerung zu lindern stört ihn offenbar nicht: "Ich meine nicht, dass der Südsudan allein verantwortlich ist", sagt Yol. "Wir hinken hinterher. Die internationale Gemeinschaft hat die moralische Verpflichtung, uns beizustehen!"

Zusammenarbeit nein - Nothilfe ja

Müssten unter diesen Bedingungen ausländische Staaten nicht sofort aufhören, Geld für den Südsudan bereitzustellen? Ja, sagen europäische Diplomaten in Juba. Auch das BMZ erklärt, dass die direkte Zusammenarbeit mit der südsudanesischen Regierung aufgrund des Bürgerkrieges ausgesetzt wurde. Nothilfe müsse die Staatengemeinschaft jedoch weiterhin leisten.

Auch UN-Leute und Diplomaten in Juba sehen das so. Wer die Menschen im Südsudan im Stich lasse, müsse damit rechnen, dass schon bald Bilder von sterbenden Menschen und Kindern, die hungern und Wasser trinken, das nicht aufbereitet ist, um die Welt gehen. Solche Bilder könne sich keine westliche Regierung leisten. Die eigenen Bürger würden protestieren. Obendrein dürfe kein weiteres "schwarzes Sicherheitsloch" entstehen. So heißen Orte, an denen aus Armut Fanatismus wird, der sich gegen zum Beispiel gegen Europa richten könnte.

Südsudan - Am Tropf der Staatengemeinschaft
B. Blaschke, ARD Kairo
20.02.2017 20:00 Uhr

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Mit Nothilfe Fluchtursachen bekämpfen

Auch "Fluchtursachenbekämpfung" ist ein Argument der Diplomaten. Denn wer hungert und dürstet, wird über kurz oder lang sein Land verlassen müssen. "Natürlich werden sich die Menschen ein neues Leben suchen", sagt auch die Deutsche UNICEF-Mitarbeiterin Angela Griep "Ich weiß, dass die meisten es sich gerne hier suchen würden, aber sie sehr wenige Chancen haben, es hier zu finden. Deswegen findet Griep es wichtig, ihnen eine Perspektive zu bieten: "In ihrem Zuhause, denn das ist, wo die meisten Menschen sein möchten."

Die Nothilfeprogramme halten die Menschen im Südsudan vom Fliehen ab, bilanziert Björn Blaschke.
Björn Blaschke, SWR

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