Milliarden gegen Migration Die Autorinnen und Autoren

Stand: 20.02.2017 08:25 Uhr

Um herauszufinden, wie und ob sich die "Fluchtursachen" tatsächlich bekämpfen oder zumindest mildern lassen, haben unsere Korrespondenten in zahlreichen Ländern recherchiert. Hier stellen sich die Autorinnen und Autoren des Projekts vor.

Linda Staude

Linda Staude interviewt eine Afrikanerin.
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Linda Staude recherchierte in Äthiopien und Tansania.

Mein Name ist Linda Staude. Ich bin 52 und die ARD-Hörfunk-Korrespondentin für Ost- und Zentralafrika. Das Studio Nairobi ist für 16 Länder in der Region zuständig. Leider gibt es in vielen davon Krisen, die die Menschen in die Flucht treiben: Das Dauerchaos, der Terror und aktuell auch noch Dürre und Hunger in Somalia, die politischen Unruhen in Burundi oder der Zentralafrikanischen Republik, die Gewalt im Ostkongo, die Unterdrückung in Eritrea, um nur einige zu nennen. Der größte Teil der Flüchtlinge kommt in der Region selbst unter und verbringt oft Jahre in abgeschotteten Lagern - ohne Hoffnung und ohne Perspektive. Flüchtlinge und Fluchtursachen haben mich daher zwangsläufig schon beschäftigt, bevor das Thema es in Europa oder Deutschland auf die politische Agenda geschafft hat. Aus afrikanischer Perspektive wird die Debatte noch dazu sehr einseitig geführt - mit dem Fokus auf die Minderheit der Flüchtlinge in Afrika, die es tatsächlich nach Europa schaffen.

Mit meiner Recherche will ich zum einen die Aufmerksamkeit auf die rund 16 Millionen Menschen lenken, die im Afrika südlich der Sahara auf der Flucht sind. Entweder im eigenen Land oder in den oft bitterarmen Nachbarländern - vernachlässigt oder vergessen von der internationalen Gemeinschaft. Zum anderen habe ich mich auf Äthiopien konzentriert, wo derzeit fast 800.000 Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea und dem Südsudan leben. Außerdem gilt es als Zwischenstation auf dem gefährlichen Weg nach Europa und als Ursprungsland für Flüchtlinge. Anders als die meisten Nachbarländer will Äthiopien neuerdings Flüchtlinge integrieren, statt sie in den Lagern zu halten, und ihnen eine Perspektive geben. Mit meiner Recherche in Äthiopien wollte ich herausfinden, welche neuen Wege das Land zusammen mit Partnern in Europa geht und wie gut solche Ansätze funktionieren können.

Jens Borchers

Jens Borchers interviewt EU-Botschafter Raul Mateus Paula
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Jens Borchers hat im Niger Gespräche geführt, hier mit EU-Botschafter Raul Mateus Paula.

Mein Name ist Jens Borchers, ich bin 57 Jahre alt und Leiter des ARD-Studios Nordwestafrika. Ich war im Dezember 2015 zum ersten Mal in Niger und bin dort in die Region Agadez gereist. Von dort aus verläuft eine zentrale Migrationsroute Richtung Europa: Flüchtlinge und Migranten werden quer durch die Teneré-Wüste nach Libyen oder Algerien transportiert. Von dort aus hoffen sie, weiter nach Europa zu gelangen. Mich hat damals schon die Dimension dieses Geschäftes mit der Migration beeindruckt.

Dann, 2016, veröffentlichten Bundesregierung und Europäische Union ihre großen Pläne zur Bekämpfung der Fluchtursachen. Niger gilt darin als Schlüsselstaat. Jetzt bin ich wieder nach Niger gereist. Ich habe mir selbst angeschaut, was von dieser Politik dort ankommt. Deutsche Projekte, die Niger helfen sollen, die Migration besser zu "managen". Europäische Versprechen, den Migranten-Transporteuren wirtschaftliche Alternativen anzubieten. In Agadez habe ich lange mit Migranten und Schleusern, mit Entwicklungshelfern und lokalen Verantwortlichen gesprochen. In der Hauptstadt Niamey konnte ich den Botschafter der Europäischen Union interviewen.

Die zentrale Recherche-Frage: Wie wirkt sich die deutsche und die europäische Politik an einer der wichtigsten Migrantenrouten Afrikas aus?

Marc Dugge

Korrespondent Marc Dugge und Kommissar Mamadou Ndiaye Fall
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Marc Dugge war für das Rechercheprojekt im Senegal unterwegs.

Mein Name ist Marc Dugge, ich bin 40 Jahre alt und Leiter des ARD-Studios Madrid. Zwischen 2008 und 2012 war ich als Korrespondent für Westafrika zuständig. Die Region liegt mir am Herzen und ich unterstütze meinen Kollegen Jens Borchers in Rabat in der Berichterstattung. Mich hat es gereizt, im Rahmen dieses Projektes die Migration den Senegal genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Land ist eines der wichtigsten Herkunftsländer von Migranten aus Westafrika, deren Ziel in der Vergangenheit oft Spanien war. Spanien hat mithilfe spezieller Abkommen mit dem Senegal die irreguläre Migration etwa auf die Kanarischen Inseln fast komplett unterbunden. Ich wollte mir daher ansehen, ob die auch in Spanien kontrovers diskutierte Migrationspolitik ein Vorbild für Deutschland sein kann. Auch habe ich mir genauer angeschaut, was Deutschland im Senegal in Sachen "Fluchtursachenbekämpfung" plant - und ob dies Aussicht auf Erfolg hat.

Jan-Philippe Schlüter

Jan-Phillipe Schlüter
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Jan-Phillipe Schlüter hat sich angeschaut, was Deutschland von Südafrikas Flüchtlingspolitik lernen kann.

Mein Name ist Jan-Philippe Schlüter, ich bin 39 Jahre alt und seit vier Jahren Korrespondent für das südliche Afrika im ARD-Hörfunkstudio Johannesburg. In Südafrika bin ich fast täglich mit Flüchtlingen aus anderen Ländern konfrontiert, die sich hier für sich und ihre Familien ein besseres Leben erhoffen. Ich glaube, dass die Menschen in Deutschland sich dieser Tatsache gar nicht bewusst sind. Häufig wird der Eindruck erweckt, die Afrikaner könnten es gar nicht abwarten, ihren Kontinent zu verlassen und nach Europa oder Deutschland zu gehen. Dabei findet der überwiegende Teil der Migration innerhalb des Kontinents statt.

Südafrika hat große Erfahrung mit Flüchtlingen - aus Simbabwe, dem Kongo, Somalia und vielen anderen Ländern. Ich habe mir für dieses Projekt als Aufgabe gesetzt, herauszufinden, wie die Flüchtlinge hier leben. Ob sich ihre Träume und ihre Schicksals mit denen von Flüchtlingen in Europa vergleichen lassen. Und ich habe versucht zu erkunden, ob wir in Deutschland und Europa von den Erfahrungen Südafrikas profitieren können. 

Björn Blaschke

Björn Blaschke
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Björn Blaschke auf Recherche im Südsudan.

Mein Name ist Björn Blaschke, ich bin 49 Jahre alt und leite das ARD-Studio Kairo. Wir, die Korrespondentinnen und Korrespondenten mit Sitz in Ägypten, berichten aus fünfzehn Ländern. Länder, die eines miteinander verbindet: Überwiegend sprechen ihre Bewohner Arabisch. Und weil ich unter anderem Islamwissenschaften studiert habe, sah ich mich lange vor allem als "Arabien"-Korrespondent; als Journalist, der im Nahen Osten und im islamisch-geprägten Nord-Afrika arbeitet. Aber ich habe nie richtig gesehen, dass mein Wohnsitz, Kairo, eine afrikanische Stadt ist, obwohl ich selbstverständlich wusste, dass es so ist und ich deshalb natürlich auch Afrika-Korrespondent bin. Das änderte sich, als Linda Staude in Nairobi, sowie die Kollegen in Johannesburg und Rabat sagten: "Liebe Leute in den Afrika-Studios: Lasst uns doch das Projekt 'Milliarden gegen Migration'  zusammen machen!"

Da habe ich erstmals so richtig gefühlt, dass ich auch Afrika-Korrespondent bin. Für mich ein Anreiz, endlich einmal das zu machen, was bisher nur meine Kollegen geschafft hatten: den Südsudan zu besuchen.

Ein besonders spannendes Land des Berichtsgebietes, für das wir in Kairo zuständig sind: Immerhin ist der Südsudan der jüngste Staat der Welt. Erst Mitte 2011 erklärten sich die Südsudanesen für unabhängig. Seinerzeit gingen damit viele Pläne einher: Es sollte "Nation-Building" betrieben werden, NGOs und die UN planten den Aufbaueiner funktionierenden Infrastruktur…

Und schon 2013 war das alles hinfällig, weil ein Bürgerkrieg begann. Die UN versuchen seit längerem, die Zivilbevölkerung mit einer Blauhelm-Mission zu schützen, aber oft vergeblich. Da lag es für mich nahe, im Südsudan zu recherchieren, ob Deutschland dort gegen Fluchtursachen vorgeht. Und wenn ja: Wie?

Die Redaktion für den Online-Auftritt hatten Katharina Wilhelm (HR), Jan Oltmanns (ARD-aktuell) und Benjamin Laufer.

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