Bei ihrem Besuch in Niger im Oktober 2016 besuchte Kanzlerin Merkel ein IOM-Transitzentrum in Niamey. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Milliarden gegen Migration" Europa hilft bei der Heimreise

Stand: 23.02.2017 13:32 Uhr

Die Europäische Union will Migranten nicht nur von der Ausreise abhalten und Fluchtursachen bekämpfen. Helfen will sie den Afrikanern, die zurück in ihre Heimatländer wollen. Geht dieser Plan auf? Jens Borchers hat das Aufnahme und Transit-Zentrum der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Niger besucht.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Jens Borchers ist nach Agadez gereist. Im Aufnahmezentrum der internationalen Organisation für Migration will er Migranten treffen, die wieder zurück in ihre Heimatländer wollen.
17.02.2017, Jens Borchers

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Ousseini Djibo klopft und öffnet die Tür zur kleinen Krankenstation. Eine Krankenschwester kümmert sich gerade um einen Mann mit einer Verletzung am Arm. Das ist Routine in diesem Lager, sagt Ousseini Djibo. Er leitet das Camp in Agadez. Und er sieht fast jeden Tag Migranten, die sich mit Wunden an Körper und Seele von der Wüstenroute in dieses Zentrum der Internationalen Organisation für Migration (IOM) flüchten. Oft sind es Migranten, die aus Libyen zurück nach Agadez kommen. Libyen sei besonders übel: "Das ist schlimm. Sehr schlimm", sagt Djibo. "Sie werden in irgendwelche privaten oder staatlichen Gefangenenlager gesteckt. Wenn es ihnen gelingt dort rauszukommen, landen sie hier. Manche haben Schusswunden, viele sind traumatisiert."

Die Menschen in diesem Camp wollen zurück nach Hause, in ihre Heimatländer. Freiwillig. Weil sie nicht mehr weiter können auf der Migrationsroute. Weil sie in Libyen misshandelt wurden. Oder in Algerien ihre illegale Arbeit verloren haben. Weil sie keine Kraft und kein Geld mehr haben.

Migranten werden um ihren Lohn geprellt

Moses Mo aus Liberia ist deshalb hier. 39 Jahre ist alt, ein schmaler Mann, der seinem Gegenüber direkt in die Augen schaut. Tiefe Falten durchziehen sein Gesicht. Seine Migrationsgeschichte steht für viele andere: Als er keine Arbeit in der Heimat findet, kratzt er Geld zusammen und macht sich auf den Weg nach Libyen. Sein Ziel: arbeiten und Geld verdienen. Mo erzählt, er sei bis Algerien gekommen. Er habe zunächst auch Jobs gefunden, Geld verdient und Geld nach Hause geschickt.

Moses Mo zusammen mit anderen  Migranten | Bildquelle: Jens Borchers /HR
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"Ich kehre zurück mit Nichts": Moses Mo (ganz links) muss zurück nach Liberia.

Dann aber hätten sich seine Arbeitgeber immer häufiger geweigert, die Migranten zu bezahlen. Eines Tages kam die Polizei, nahm ihn fest und brachte ihn an die Grenze zu Niger. Das war das Ende seiner Reise. "Ich habe insgesamt mehr als 1000 Dollar bezahlt. Jetzt habe ich nichts mehr", sagt Moses Mo verzweifelt. "Ich hatte Schwierigkeiten noch etwas zu essen zu kriegen. Sie haben mir unterwegs alles abgenommen, auch das Mobiltelefon. Sie nehmen dir alles weg."

Migrationsorganisation hilft bei der Heimkehr

Dann hörte er, dass es im Zentrum der Internationalen Organisation für Migration in Agadez Hilfe für die Heimkehr gibt. Und eventuell auch Unterstützung, um zu Hause wieder neu anzufangen. Mo macht sich Hoffnungen: "Ich glaube, sie werden mir helfen mein Leben neu anzufangen", sagt er. "Mir helfen, meine Familie zu unterstützen, meine Kinder auf bessere Schulen zu schicken, mein Leben wieder in Griff zu bekommen."

In Niamey, der Hauptstadt von Niger, sitzt Giuseppe Loprete, der Missionschef von IOM. Er sagt: "2016 haben wir mehr als 5000 Menschen geholfen, freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren. Das waren drei Mal so viele wie 2015."

Niger - Rückkehrhilfen für Migranten
J. Borchers, ARD Rabat
20.02.2017 16:15 Uhr

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Neue Programme dank EU-Geldern

Die IOM versucht in einigen Fällen, ihnen dabei zu helfen im Heimatland wieder wirtschaftlich auf die Füße zu kommen, sagt Loprete. Bisher habe die Finanzierung nur für einige Pilotprojekte gereicht. Jetzt aber gebe es eine neue Vereinbarung: "Wir haben mit der EU neue Finanzierungsabkommen getroffen und hoffen, dass wir damit diese Programme in 14 Staaten ausbauen können", erklärt er. "Die Rückkehrer sind unterwegs, jetzt müssen wir uns um deren Lebensumstände in ihren Heimatländern kümmern."

Jetzt sollen 100 Millionen Euro in Programme für 14 Herkunftsländer fließen, primär in Westafrika. Damit wollen die IOM und ihre Partnerorganisationen versuchen, berufliche Bildung, Sach-Hilfen für ein eigenes kleines Geschäft oder sogar kleine Gemeinschaftsprojekte zu fördern. In den Dörfern und Städten, aus denen die Rückkehrer stammen.

Migranten im Transitzentrum in Agadez | Bildquelle: Jens Borchers / HR
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Im Transitzentrum der Internationalen Organisation für Migration hoffen viele Migranten auf Unterstützung bei der Rückkehr.

Doch was sagen die die Daheimgebliebenen dazu? Wie reagieren sie, wenn heimgekehrte Migranten Hilfe bekommen, sie aber nicht? "Wir wollen nicht, dass das Gerücht entsteht: Du bekommst Unterstützung, wenn deine Migration gescheitert ist und du wieder nach Hause kommst.", sagt Giuseppe Loprete. "Das Ziel ist: Wir wollen Gruppen unterstützen, auch wenn in dieser Gruppe tatsächlich nur vier oder fünf Menschen sind, die tatsächlich versucht haben, auszuwandern."

Heimkehrer haben Angst, als Versager dazustehen

Auch Im IOM-Zentrum in Niamey sitzen viele Migranten, die nach Hause zurückkehren wollen. Oder besser gesagt: Müssen. Bakaré Mané war vor acht Monaten aus Gambia aufgebrochen. Seine Familie hatte Geld für die Reise gesammelt. Als ihm unterwegs das Geld ausging, verkauften sie ihr Land, damit Bakaré weiterreisen konnte. Immer in der Hoffnung, dass er gut bezahlte Arbeit findet. Er schaffte es bis nach Libyen und scheiterte dort in einem Umfeld von Gewalt und Ausbeutung. So erzählt es Bakaré.

Jetzt geht er mit Hilfe der IOM zurück. Und grämt sich: "Ich denke immer daran, wie meine Familie zu Hause leidet. Deshalb bin ich ja losgezogen", sagt er. "Ich wollte sie glücklich machen. Und habe es nicht geschafft. Das verletzt mich sehr. Wenn ich wenigstens hier in Niger Arbeit finden könnte, um meiner Familie zu helfen. Denn jetzt zurückzugehen zu meiner Familie - das macht mir große Sorgen."

Es ist die Furcht, als Versager zurückzukehren. Als derjenige, der das Geld der Familie auf der Migrationsroute ausgegeben hat und jetzt mittellos heimkommt. Ob die IOM ihm daheim in Gambia helfen kann - das weiß er noch nicht: "Sie haben mir noch nicht gesagt, ob sie etwas für mich tun werden."

Hohe Erwartungen - begrenzte Mittel

Die Pressesprecherin der IOM in Niamey, Monica Chiriac, sitzt bei diesem Interview neben Bakaré. Sie weiß, wie hoch die Erwartungen der Rückkehrer sind. Und wie begrenzt die Mittel für Wiedereingliederungshilfen. Allen kann die IOM nicht helfen: "Normalerweise sind es Frauen, Kinder, Menschen, die besonders hilfsbedürftig sind. Menschen, die Schwierigkeiten haben, für sich selbst zu sorgen", erklärt sie.

20 Mikro-Projekte für Reintegration wolle die IOM in diesem Jahr starten. "Damit können wir einer größeren Gruppe von Menschen helfen, beispielsweise in der Landwirtschaft. Davon würden etwa 50 Menschen profitieren", sagt Chiriac. "Wir investieren dann nicht nur in eine Person. Das wird hoffentlich gut laufen."

Die Frage ist nur: Für wie viele Heimkehrer wird es gut laufen? Allein 2016 durchquerten mehr als 420.000 Migranten den Norden von Niger in Richtung Algerien und Libyen.

Dass die heimkehrwilligen Migranten Unterstützung bekommen ist gut, befindet Jens Borchers nach seiner Recherche. Aber es bleiben noch Fragen offen.

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Februar 2017 um 18:40 Uhr

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