Viele Bauern in Äthiopien bestellen ihre Felder noch mit Nutztieren - und nicht mit Maschinen.

Milliarden gegen Migration Moderne Zeiten in Äthiopien

Stand: 03.03.2017 16:33 Uhr

Mehr als 80 Prozent der Äthiopier leben auf dem Land und beackern ihre Farmen wie vor Hunderten von Jahren. Die Folge: Der Ertrag ist mager und viele vor allem Junge Leute haben wenig Lust auf Pflügen mit dem Ochsengespann, periodisch auftretenden Hunger und Armut. Die deutsche GIZ hilft dabei, das zu ändern.

Von Linda Staude, ARD-Studio Nairobi

Ein Gespann Ochsen zieht mühsam einen hölzernen Pflug über das Feld. Die Arbeit geht langsam, die Furche ist schmal. Das Design für den so genannten Hakenpflug ist schon über 2000 Jahre alt, aber in Äthiopien ist er noch überall im Einsatz. "Normalerweise benutze ich einen Ochsenpflug für mein Land. Ein Nachbar hilft mir beim Pflügen", sagt die Dirhat. "Vorletztes Jahr habe ich Favabohnen gepflanzt. Auf einem halben Hektar habe ich 600 Kilo geerntet." Ein magerer Ertrag für die Bäuerin. Sie hat eine Vier-Hektar-Farm in Kulumsa, einem Dorf gut drei Autostunden südlich von Addis Abeba.

Im vergangenen Jahr hat Dirhat etwas Neues ausprobiert. "Alle Arbeitsschritte wurden von Maschinen gemacht, die das Projekt zur Verfügung gestellt hat. Pflügen, eggen, sogar das Säen", sagt sie beeindruckt. "Eine solche Maschine hatte ich vorher noch nie gesehen. Alles war mechanisiert."

Größere Armut auf dem Land

Das Projekt, von dem Dirhat spricht, heißt Grünes Innovationszentrum Äthiopien. Initiiert hat es die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). "Wir haben in Äthiopien heute noch immer eine Armutsrate, die in den ländlichen Regionen deutlich höher ist als in den Städten", erklärt GIZ-Landesdirektor Axel Klaphake. "Insofern ist das auch die Zielgruppe, wo man anschließen muss, um ihre Erträge und ihre Einkommensmöglichkeiten zu verbessern."

Bauern auf dem Hof des GIZ-Zentrums
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Auf dem Gelände der GIZ lernen die Bauern, wie sie größere Erträge erzielen können.

Dank der Maschinen, neuem Saatgut und besserem Dünger hat Dirhat auf ihrem Versuchshektar fast sieben Tonnen Weizen geerntet. Ein besseres Einkommen für sie und ein Beitrag zum Kampf gegen den Hunger in Äthiopien. "Nachdem ich dieses Ergebnis gesehen habe, würde ich die Maschinen auch leihen und für den Service bezahlen", sagt sie.

GIZ will Landleben für die Jugend attraktiv machen

Genau das ist ein weiteres Ziel der GIZ in Äthiopien: Traktoren, Sämaschinen und andere Geräte sind für einzelne Kleinbauern viel zu teuer. Aber über Kooperativen und Leihunternehmen können sie effizient eingesetzt werden. "Wir müssen das Leben im ländlichen Raum auch für die Jugend attraktiv machen", sagt GIZ-Mitarbeiter Heinz Loos. "Die wenigsten sind bereit, mit der Technologie ihrer Großväter weiterzumachen."

Auf dem Servicehof des Agrarforschungszentrums in Kulumsa werkeln drei junge Männer an einer Egge herum. Sie machen das Gerät fit für den Einsatz in der nächsten Saison. Unter einem Dach steht eine ganze Reihe weiterer Agrarmaschinen - zum Säen und Bewässern, zum Saatgut reinigen und spritzen von Pestiziden. Hier bilden Loos und seine Kollegen junge Leute an dem modernen und effizienten Gerät aus. Ein Traktor zum Beispiel schafft in zwei Stunden, wofür ein Ochsengespann vier Tage braucht. "Gleichzeitig werden natürlich durch die Mechanisierung neue Jobs im Bereich Wartung und Bedienung der Maschinen geschaffen, so dass Arbeitsplätze entstehen, die im Vergleich zu vorher besser bezahlt werden", sagt Loos.

Projekte älter als die Debatte um Fluchtursachenbekämpfung

Das gibt vor allem jungen Leuten eine Perspektive im eigenen Land. Die Agrarprojekte der GIZ laufen bereits seit einigen Jahren, sind also deutlich älter als die Debatte um Fluchtursachenbekämpfung. "Wir haben über diese Maßnahmen schon weit über eine Million Menschen in Äthiopien erreicht", sagt Axel Klaphake. "Obwohl diese Programme damals nicht aufgesetzt worden sind, um Migration zu bekämpfen, kann man schon sagen, dass sie einen Beitrag auch in dieser Richtung leisten können. Und da sind wir auch stolz drauf."

Mehr Nahrung, bessere Jobs - Entwicklung für Äthiopien
L. Staude, ARD Nairobi
03.03.2017 17:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2017 um 05:54 Uhr

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