Hütten im Flüchtlingslager Mai-Aini

Flüchtlinge in Äthiopien Integration statt Lagerzwang

Stand: 20.02.2017 08:24 Uhr

Äthiopien probt einen neuen Umgang mit den 800.000 Flüchtlingen im Land. Die Lager sollen sie verlassen dürfen und die Regierung will Jobs für sie schaffen, damit sie sich integrieren können. Das könnte einige sogar davon abhalten, nach Europa weiterzureisen.

Raus aus den Lagern, rein in den Arbeitsmarkt: Funktioniert Äthiopiens neuer Umgang mit Flüchtlingen? Linda Staude will das herausfinden
Linda Staude, WDR

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Von Linda Staude, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Aus dem Schatten unter dem Vordach eines kleinen Cafés plärrt Musik über den heißen, staubigen Weg. Kunden stöbern in kleinen Läden nach Zwiebeln, Melonen und Kartoffeln. Andere begutachten Kleider, T-Shirts und Schuhe. In seinem winzigen, dunklen Geschäft breitet Kobrom sorgfältig seine Ware aus: Große Sporttaschen, Rucksäcke, elegante Damenhandtaschen. "Ich kaufe die Sachen selbst ein", erzählt er. "Ich kann nach Shire fahren oder in eine andere Nachbarstadt. An Feiertagen, wenn ich mehr Kunden habe, hole ich mir eine Reisegenehmigung für Addis Abeba und kaufe sie dort."

Kobrom stammt aus Eritrea. Vor rund acht Jahren hat er seine Heimat verlassen und ist über die Grenze nach Äthiopien geflüchtet. "Ich war elf Jahre lang beim Militär", sagt er. "Aber ich konnte nicht weiter Soldat bleiben, und ich konnte nicht als freier Mann leben wegen der Regierung. Deshalb bin ich hierher gekommen."

Fast 800.000 Flüchtlinge leben in Äthiopien

Hierher, das ist das Lager Mai-Aini im kargen, dürren Norden Äthiopiens. Auf den ersten Blick sieht das Camp genauso aus wie eines der Dörfer in der Bergregion nahe der Grenze zu Eritrea: Eine Durchgangsstraße führt mitten hindurch. Zäune wie um die Flüchtlingslager in anderen Ländern gibt es nicht. "Äthiopien betreibt eine Politik der offenen Lager", erklärt Mulugeta Zewdie vom äthiopischen Außenministerium. "Wenn Flüchtlinge zum Beispiel Familie außerhalb der Lager haben, bei der sie wohnen können, erlauben wir das."

Das Flüchtlingslager Mai-Aini
galerie

In solchen Hütten leben die Bewohner des Lagers Mai-Aini.

Das galt bislang nur für die rund 30.000 Flüchtlinge aus Eritrea im Land. In Zukunft soll die Regelung für alle Flüchtlinge gelten, sagt Zewdie. Das Land hat fast 800.000 Flüchtlinge aufgenommen – aus Eritrea, Somalia und dem Südsudan. Und die Camps wachsen: Gut 2000 neue Flüchtlinge kommen jeden Monat allein aus Eritrea. "Unsere Lager werden zu einer permanenten Einrichtung, weil es keine dauerhaften Lösungen für die Flüchtlinge gibt", sagt Benoit Haminyimana vom Flüchtlingshilfswerk UNHCR.

Hoffen auf die Weiterreise

"Sie können nicht nach Hause zurück und warten nur darauf, dass sie für eine Umsiedlung in Drittländer in Frage kommen", sagt Haminyimana. Die Chancen dafür sind allerdings winzig. Rund zehn Prozent der Flüchtlinge versuchen ihr Glück deshalb auf dem teuren und gefährlichen Weg über den Sudan, die Sahara nach Libyen und dann über das Mittelmeer nach Europa.

Adhanum hängt in einer der Bars in Mai-Aini herum. Der 28-Jährige hat vor seiner Flucht aus Eritrea davon geträumt, Geld zu verdienen und seine Familie zu unterstützen. Aber seit acht Jahren sitzt er fest – ohne Job und ohne Perspektive. "Wenn ich Geld hätte, wäre ich schon längst weg", sagt Adhanum. "Ich würde lieber mein Glück auf dem Weg nach Europa versuchen. Wenn ich dabei drauf gehe, sterbe ich eben." Wenn er das Geld gehabt hätte, könnte er jetzt schon irgendwo arbeiten und seiner Familie helfen, sagt er. "Also ich würde sofort gehen, wenn ich die Chance bekäme."

Die Langeweile und die Hoffnungslosigkeit machen das Leben auch in den offenen Lagern zur Hölle. "Die Würde jedes Menschen ist es, sich seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen", sagt Fafa Attidzah vom UNHCR-Büro in Shire. "Wenn wir genug Mittel bekommen, können wir solche Programme mit Hilfe der äthiopischen Regierung verwirklichen, damit die Menschen das tun können."

Äthiopien - Integration statt Lagerzwang
L. Staude, ARD Nairobi
20.02.2017 17:27 Uhr

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Arbeitsplätze sollen Integration fördern

Überall in Äthiopien wird gebaut. In den Städten wachsen Bürogebäude in die Höhe. Die Regierung investiert in Straßen, Wasserversorgung und Stromanschlüsse. Und sie versucht, mit dem Bau von Industrieparks ausländische Investoren ins Land zu holen und Arbeitsplätze zu schaffen. "Ein bestimmter Prozentsatz von Flüchtlingen soll von den neu geschaffenen Arbeitsplätzen in diesen Industrieparks profitieren", sagt Mulugeta Zewdie vom Außenministerium. "Dadurch wollen wir den Integrationsprozess fördern. Wir glauben, dass die Flüchtlinge integriert werden sollten."

Ein Drittel der Jobs in zwei neuen Industrieparks soll für Flüchtlinge reserviert werden. Die Europäische Investitionsbank will für ihren Bau ein Darlehen von 200 Millionen Dollar zur Verfügung stellen. Die EU Zuschüsse von 50 Millionen. "Alles zusammen ist das eine erhebliche Investition", sagt Francisco Carreras von der EU-Delegation in Addis Abeba. "Aber wir glauben, dass wir damit nicht nur Flüchtlinge unterstützen, sondern – noch wichtiger – Arbeitsplätze schaffen in einem Land, in dem jedes Jahr drei Millionen junge Leute auf den Arbeitsmarkt drängen."

Beschäftigung als Konfliktprävention

Bis zu 100.000 Arbeitsplätze sollen durch die "Jobs Compact" genannte Initiative geschaffen werden – ein Vorzeigeprojekt für Subsahara-Afrika. Über die Details wird derzeit noch verhandelt. Aber das Ziel ist klar. "Beschäftigung für die Menschen zu schaffen ist ein echter Beitrag zur Konfliktprävention, zu nachhaltiger Entwicklung und Wohlstand, aber auch zur Vermeidung von erzwungener Vertreibung und Migration der Bevölkerung", sagt Carreras.

Diese Entwicklung braucht allerdings Zeit. Und die "Jobs Compact"-Initiative bietet längst nicht allen Flüchtlingen eine Perspektive. Aber sie ist ein guter Anfang.

Flüchtlinge "gar nicht so wild auf Europa"

Ein Weg mit Hütten, in denen Kleider verkauft werden.
galerie

Der Marktplatz im Flüchtlingslager Mai-Aini

In der kleinen Bar im Lager Mai-Aini bringt Olimi ein paar Gläser auf Hochglanz. Der 19-jährige verdient er sich ein bisschen Geld und lebt in den Tag hinein. Die Schule hat er geschmissen, Pläne für die Zukunft hat er keine. Aber die Idee von einem Job außerhalb des Lagers findet er gut. "Klar, das würde ich gerne ausprobieren", sagt er. Tasfahiwad sieht das ähnlich. Er träumt im Moment zwar noch von einer Umsiedlung nach Europa oder Amerika. Aber: "Ich bin gar nicht so wild auf Europa. Ich will nur arbeiten und ein gutes Leben haben."

Äthiopiens neuer Ansatz in der Flüchtlingspolitik ist vielversprechend, so das Fazit von Linda Staude.
Linda Staude, WDR

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