Rot-Kreuz-Konvoi in Afghanistan | Bildquelle: AFP

Sechs Mitarbeiter getötet Rotes Kreuz setzt Arbeit in Afghanistan aus

Stand: 09.02.2017 12:08 Uhr

Nach einem tödlichen Angriff auf sechs Mitarbeiter des Roten Kreuzes, stellt die Hilfsorganisation ihre Arbeit in Afghanistan vorerst ein. Die Risiken in dem Land müssten neu bewertet werden, teilte das IKRK mit. Die afghanische Polizei vermutet den IS hinter der Attacke.

Das Rote Kreuz setzt seine Arbeit in Afghanistan vorerst aus. Die Organisation reagiert damit auf den Angriff, bei dem am Mittwoch im Norden des Landes sechs ihrer Mitarbeiter getötet wurden. Zwei weitere Mitarbeiter gelten noch immer als vermisst.

Einer Sprecherin des Roten Kreuzes zufolge müssten zunächst der Hergang und die Hintergründe "der Bluttat" geklärt werden. Zudem müssten die Gefahren für die in Afghanistan eingesetzten Mitglieder neu bewertet werden, hieß es weiter vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Dafür stehe man in Kontakt mit den afghanischen Behörden. Über das Komitee sind rund 2000 Mitarbeiter der Hilfsorganisation in Afghanistan beschäftigt. Das Rote Kreuz hat in dem Land seit 1988 auch Tausende Kriegsverletzte behandelt und mit Prothesen versorgt.

"Der Schock sitzt tief"

Dominik Stillhart, der Leiter für das operative Geschäft des Internationalen Roten Kreuzes, rang auch einen Tag nach dem Angriff noch sichtlich um Fassung: "Das ist ein unglaublicher Schock für uns, und wir sind alle entsetzt darüber, dass unser Konvoi so gezielt angegriffen wurde, obwohl überall das Rote Kreuz auf den Fahrzeugen zu sehen ist."

Das Team sei auf dem Weg zu verschiedenen Dörfern gewesen, die in den vergangenen Tagen eingeschneit wurden. Im Gepäck hätten sie lebenswichtige Vorräte gehabt. Auch wenn Afghanistan eine große Herausforderung darstelle, würde das Rote Kreuz alles daran setzen, seine Mitarbeiter zu schützen, sagte Stillhart: "Diese Gegend galt als relativ sicher. Zumindest so sicher, wie es sein kann in Afghanistan. Wir haben wirklich nicht mit einem solchen Anschlag gerechnet, daher sitzt der Schock auch so tief."

Afghanistan macht IS verantwortlich

Der Polizeichef der Provinz machte die Terrororganisation "Islamischer Staat" für die Attacke verantwortlich. In Afghanistan sind ebenfalls die radikalislamischen Taliban aktiv. Sie wiesen die Verantwortung für den Tod der Rot-Kreuz-Mitglieder jedoch zurück. Der IS ist eigentlich außerhalb der ostafghanischen Provinzen Nangarhar und Kunar sowie einer Zelle in Kabul im Land nicht präsent. IS-Kämpfer in Dschausdschan wären eine Neuheit. Ehemalige Taliban oder auch Kriminelle haben sich aber auch in anderen Provinzen punktuell schon IS genannt.

Erst im Dezember war ein spanischer Mitarbeiter des IKRK in der nordafghanischen Provinz Kundus aus einem Auto heraus entführt worden. Er war im Januar freigekommen. Zur Identität der Entführer hatte die Organisation damals keine Angaben machen wollen. Nach Angaben der Vereinten Nationen gab es im vergangenen Jahr in Afghanistan mehr als 200 Angriffe auf Entwicklungs- und Nothelfer. 15 von ihnen seien ermordet worden.

Rotes Kreuz stoppt Arbeit in Afghanistan
S.Diettrich, ARD Neu-Delhi
09.02.2017 11:46 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Mit Informationen von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Über dieses Thema berichteten Inforadio am 08. Februar 2017 um 15:02 Uhr und Deutschlandfunk um 15:00 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: