Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Das Video von der Leichenschändung wird offiziell noch untersucht, doch kaum jemand zweifelt an seiner Echtheit. Ein Pentagon-Sprecher bezeichnete die Bilder, die US-Soldaten beim Urinieren auf Leichen mutmaßlicher Taliban-Kämpfer zeigen soll, als "ungeheuerlich und ekelhaft".
Von Julia Hummelsiep, HR-Hörfunkstudio Washington
"Hab´noch einen schönen Tag, Kumpel" - höhnt einer der vier mutmaßlichen Marineinfanteristen, während er sein Geschäft auf einen von drei toten Männern verrichtet. Die anderen Männer in Kampfanzügen lachen, einer witzelt: "Wie eine goldene Dusche".
Knappe 40 Sekunden lang dauert das Video mit der mutmaßlichen Leichen-Schändung - und es löst auch in den USA Entsetzen aus: "Das ist einfach nur falsch", empört sich James "Spider" Marks, ein pensionierter US-General im US-Fernsehsender CNN. Das Video sei völlig verstörend und ein absoluter Verstoß gegen die Regeln: "Die haben ihren Job gemacht, der Feind ist tot - da müssen sie nicht noch die Hosen runterzulassen und auf die Leichen urinieren."
US-Verteidigungsminister Leon Panetta bezeichnete das Video als absolut betrüblich - und ein Pentagon-Sprecher als "ungeheuerlich und ekelhaft". Das Video habe ihm den Magen umgedreht.
Die größte muslimische Bürgerrechtsorganisation in den USA, CAIR, warnte in einem offenen Brief an den US-Verteidigungsminister, dass die Aktion Soldaten und Zivilisten in Gefahr bringen könnte. "Falls das Video echt ist, wird es nicht nur unsere militärischen, sondern auch unsere diplomatischen Bemühungen mit den Taliban in Afghanistan zurückwerfen", befürchtet Mark Kimmitt, ebenfalls ein pensionierter US-General, im Interview mit CNN.
Die Taliban hatten zuletzt Pläne, ein Büro im Golf-Emirat Katar zu eröffnen - und zeigten sich zu Gesprächen mit der Internationalen Gemeinschaft bereit. Das nun aufgetauchte Video verurteilten sie scharf - dennoch wollten sie das Büro weiterhin eröffnen. Es sei schließlich nicht das erste Mal, dass die Taliban solche brutalen Aktionen sähen, so ein Taliban-Sprecher.
Ex-General Kimmitt rechnet damit, dass die betroffenen Soldaten aus dem Video vor ein Militärgericht kommen. Die Untersuchung läuft nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums bereits - vieles deutet darauf hin, dass das Pentagon die Soldaten in dem Video bereits identifiziert hat, oder zumindest kurz davor steht. Es ist von einer Einheit die Rede, die bereits im September 2011 aus Afghanistan zurück in die USA kehrte. Die ISAF spricht von Einzeltätern - und auch der pensionierte General Marks, hält die Aktion für einen Einzelfall, der genauestens untersucht werden müsse.
Offiziell heißt es bislang, das US-Militär prüfe derzeit noch, ob das Video tatsächlich echt ist. Der Fall erinnert an ähnliche Skandale des US-Militärs: Im März 2011 tauchten Fotos von US-Soldaten auf, die lächelnd mit einem ihrer toten Opfer posierten. Und unvergessen sind die Misshandlungen irakischer Gefangener im Militär-Gefängnis Abu Ghraib im Jahr 2004: Fotos mit US-Wachleuten, die Gefangene sexuell missbrauchen und demütigen - und, am bekanntesten, das Bild einer US-Soldatin, die einen Gefangenen mit Halsband an der Leine hält wie einen Hund.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW