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Lage in Afghanistan

"Ein zerstörtes Land aufzubauen braucht Zeit"

Die internationale Afghanistan-Mission ist im elften Jahr. Viele Milliarden sind geflossen. Der Erfolg ist dürftig. Anschläge, Korruption - all das gehört weiter zum Alltag. Die Afghanen wissen das. Dennoch bitten sie die Geberstaaten um Geduld und mehr Zeit für den Wiederaufbau.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Masoom Stanekzai hat schwer verletzt überlebt. Die Seele leidet mehr als der Körper. Der Selbstmordanschlag, der ihn traf, tötete im vergangen September den Vorsitzenden des Hohen Afghanischen Friedensrates, zu dessen Führung auch Stanekzai gehört. Der Rat soll im Auftrag von Präsident Hamid Karsai mit den Taliban und anderen aufständischen Gruppen über eine friedliche Zukunft verhandeln. Bislang ohne jeden sichtbaren Erfolg. Trotzdem: Für Masoom Stanekzai ist Afghanistan kein verlorener, sondern ein schwieriger Fall.

Anschläge gehören zum Alltag

Soldaten der afghanischen Armee sperren das Gelände ab nach dem Taliban-Angriff auf ein Hotel bei Kabul.
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Anschläge gehören zum Alltag: Soldaten der afghanischen Armee sperren das Gelände ab nach dem Taliban-Angriff auf ein Hotel bei Kabul (Archivbild)

Die internationale Afghanistan-Mission ist im elften Jahr. Es sind viele Milliarden Dollar in Wiederaufbau und Entwicklung geflossen und noch mehr in den Kampf gegen radikale Islamisten. Doch Terroranschläge gehören weiter zum Alltag. Der neue Staatsapparat aus alten Machteliten ist korrupt. Die Bevölkerung zweifelt und verzweifelt. Die Geberstaaten verlieren die Geduld und stellen die Sinnfrage.

Masoom Stanekzai weiß das alles, und bittet um mehr Geduld - nach mehr als drei Jahrzehnten Dauerkrieg: "Die Deutschen haben doch selber erlebt, wie schwierig es ist, mit dem Erbe des Krieges fertig zu werden. Es braucht Zeit, ein zerstörtes Land wieder aufzubauen und die Wunden zu heilen. Wir können nicht alles auf einmal bewältigen."

Vertrauensfragen - Afghanistan und die Hilfe des Westens
S. Petersmann, ARD Neu Delhi
07.07.2012 15:45 Uhr

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Der enge Berater des afghanischen Präsidenten erinnert an die Fortschritte: in der Gesundheitsversorgung, in der Infrastruktur und in der Bildung. "Die größte Hoffnung ist unsere Jugend. Es ist unglaublich, wie schnell die Jungen und Mädchen in unseren Schulen und Universitäten zum Rest der Welt aufschließen wollen. Gerade in den vergangenen fünf Jahren haben wir hier einen dramatischen Wandel zum Besseren erlebt. Die Steuerzahler in Deutschland fördern mit ihrem Geld das neue menschliche Kapital Afghanistans."

Mit Geld alleine ist es nicht getan

Frauen in Afghanistan
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"Die größte Hoffnung ist unsere Jugend."

Die afghanische Regierung erhofft sich von der Tokio-Konferenz rund vier Milliarden Dollar jährlich für den zivilen Aufbau. Aber mit Geld alleine ist es nicht getan, glaubt der 19-jährige Politikstudent Farid aus Kabul. "Die internationale Gemeinschaft muss transparent mit ihren Hilfszusagen sein. Sie schickt viele Millionen Dollar nach Afghanistan, die das afghanische Volk nicht erreichen, weil die Regierung und das ganze Hilfssystem total korrupt sind. Deswegen müssen die Geberländer durchsetzen, dass der Geldfluss absolut transparent ist."

Seine Kommilitonin Dunia ergänzt, dass Afghanistan noch lange Hilfe brauchen wird. "Es hat sich viel verbessert. Aber das reicht nicht. Afghanistan ist zerbrechlich, und verglichen mit anderen Ländern immer noch sehr zurückgeblieben. Wir studieren so hart wir können, um unser Land wieder aufzubauen." Die 18-Jährige träumt davon, dass aus Afghanistan mal ein Land wird, in dem alle Menschen lesen und schreiben können. Noch liegt die Analphabetenrate bei rund 70 Prozent.

Stand: 07.07.2012 16:25 Uhr

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