Bundeswehr in Afghanistan: Das große Packen in Masar-i-Scharif

Bundeswehr-"Rückverlegung" aus Afghanistan

Das große Packen in Masar-i-Scharif

Die größte logistische Aufgabe in der Geschichte der Bundeswehr ist angelaufen: Tausende Container und Hunderte Fahrzeuge werden aus Afghanistan nach Deutschland geschafft - auf teurem Umweg.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu Delhi

Container im Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif
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4800 Container - so die aktuelle Schätzung - müssen zurück nach Deutschland.

Gabelstapler sind mit schweren Paletten in der Materialschleuse unterwegs. Die "Mat-Schleuse" - wie der afghanische Flecken Erde im Bundeswehrdeutsch heißt - liegt mitten im größten deutschen Feldlager in Masar-i-Scharif im Norden des Landes. Von der leichten Festplatte bis zur 50-Tonnen-Panzerhaubitze läuft hier alles auf, was zurück nach Deutschland soll - bis zum Auslaufen des ISAF-Mandats Ende 2014.

Hauptmann Axel und sein Team sichten einen Container mit vier großen Truppenzelten aus dem Operationsposten Nord in der Provinz Baghlan, den die Bundeswehr gerade schließt. Für die Zelte gibt es jetzt drei Möglichkeiten: Entweder fertigmachen für den Rücktransport nach Deutschland oder weiternutzen in Afghanistan oder als Müll beseitigen. Schon jetzt ist klar, dass etwa 45 Prozent des gesamten Materials, das die Bundeswehr seit dem Sturz der Taliban im Oktober 2001 nach Afghanistan geschafft hat, nicht mehr nach Deutschland zurückkehren wird.

Horten für den militärischen Notfall

"Diese vier Zelte werden in unseren Pool hier reingehen, so dass wir die dann für 300 Mann, falls wir mal ausrücken müssen, irgendwo ein Lager aufbauen können und das dann alles parat haben", sagt Hauptmann Axel. Im Klartext heißt das: Horten für den militärischen Notfall.

Afghanistan - die Operation Rückverlegung der Bundeswehr
S. Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi
30.04.2013 01:19 Uhr

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15 Flüge pro Woche

Außerdem endet 2014 nur die Kampfmission - und nicht der Einsatz in Afghanistan. Die Bundeswehr muss also abwägen, was wirklich zurück nach Deutschland soll. Im Moment ist die Rede von 4800 Containern und rund 1200 Fahrzeugen. Eine Sternstunde für Logistiker wie Hauptmann Daniel. Er belädt mit seinen Kameraden die gecharterten russischen Riesen-Transportmaschinen. In der Spitze werden es schon bald rund 15 Flüge pro Woche sein, wenn sich die Bundeswehr im Spätherbst aus ihrem zweitgrößten Feldlager in Kundus zurückzieht.

Der direkte Weg ist zu unberechenbar

Gepanzerte Fahrzeuge und Haubitzen im Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif
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Nur militärisch hochsensibles Material wird direkt nach Deutschland geflogen.

Militärisch hochsensibles Material wie die 50-Tonnen-Panzerhaubitze wird direkt nach Leipzig geflogen. Doch für den größten Teil des deutschen Kriegsgeräts geht es von Masar-i-Scharif nach Trabzon an die türkische Schwarzmeerküste. Von dort geht die Heimreise dann per Schiff weiter.

Der Landweg mit dem Zug durch Zentralasien und Russland wäre deutlich billiger. Aber es sind zu viele unberechenbare Grenzen im Spiel, sagt Flotillenadmiral Carsten Stawitzki, der für den Rücktransport verantwortlich ist. "Bedauerlicherweise sind die bürokratischen Hürden momentan an den Grenzübergängen so hoch, dass es bisher über die letzten Monate überhaupt nicht gelungen ist, auch nur einen einzigen Eisenbahntransport über die Landlinie nach Deutschland zu bekommen."

Und so werden Masar-i-Scharif in Afghanistan und Trabzon in der Türkei zu Drehscheiben-Zwillingen für die deutsche Rückverlegung, die kein Abzug ist. Die Rechnung für das größte Logistik-Projekt in der Geschichte der Bundeswehr will noch niemand genau beziffern. Doch es wird nicht die letzte Rechnung aus Afghanistan sein.

Dieser Beitrag lief am 30. April 2013 um 06:10 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

Stand: 30.04.2013 02:49 Uhr

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