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Was wird aus Afghanistan nach 2014, wenn die internationale Schutztruppe abgezogen ist? Es wird schwierig, darauf eine Antwort zu finden. Möglicherweise redet sich der Westen die Lage auch schön.
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien
Es war ein verwegener Angriff und die Bewohner Kabuls werden ihn so schnell nicht vergessen: Mitte September verschanzte sich ein Überfall-Kommando der Taliban mitten im Diplomatenviertel in einem leerstehenden Hochhaus und beschoss von dort das Hauptquartier der Afghanistan-Schutztruppe und die US-Botschaft.
Das sei nicht mehr als Belästigung gewesen und Ausdruck der Schwäche der Taliban, befand kurz nach der Attacke US-Botschafter Ryan Crocker in Kabul. Nicht nur verunsicherte Afghanen meinten, sich verhört zu haben. Waren das vielleicht erste Anzeichen einer Strategie des Westens, sich die Lage, wenn sie schon nicht schön ist, dann um so schöner zu reden?
Der afghanische Sicherheitsexperte Wahed Wafa meint: "Die Folgen des Truppenabzugs, die negativen, werden gewaltig sein. Also haben die afghanische Regierung und die internationale Gemeinschaft bereits jetzt eine Kampagne gestartet, um es so aussehen zu lassen, als seien die Auswirkungen geringer."
[Bildunterschrift: Kommandoübergabe an afghanische Soldaten und Sicherheitskräfte in sieben Regionen (Juli 2011) ]
Während die Vereinten Nationen in diesem Jahr eine Rekordzahl "sicherheitsrelevanter Vorfälle" verzeichnen, haben laut NATO-Truppen die Angriffe der Aufständischen abgenommen. Der Chef der Afghanistanschutztruppe, John Allen, spricht im Interview mit dem ARD-Hörfunkstudio Südasien gar von einer Trendwende: Er wolle im Bezug auf die Taliban zwar nicht große Worte wie Niederlage in den Mund nehmen, aber der Trend weise in die richtige Richtung.
Nun gibt zwar sogar der Kommandeur der NATO-Truppen zu, dass der Fortschritt sich noch als nachhaltig zu erweisen habe. Aber die Analyse von politischen Beobachtern, wie Wafa, fällt doch nüchterner aus: "Keiner glaubt daran, dass die afghanischen Sicherheitskräfte bis 2014 so weit sind. Genausowenig glaubt irgendjemand daran, dass Pakistan uns in Ruhe lassen wird, wenn die internationale Truppe abzieht."
In den USA hat die politische Elite zuletzt oft die Frage gewälzt, ob Pakistan wirklich Verbündeter oder doch eher Gegner ist - oder vielleicht verbündeter Gegner? Fest steht, dass dem Land bei der Lösung aller wichtigen Fragen eine Schlüsselrolle zukommt. Egal, ob man die Taliban bekämpfen oder mit ihnen reden will.
Was Gespräche angeht, so sei auf Taliban-Seite bislang überhaupt keine Bereitschaft dazu erkennbar. "Bis jetzt nein. Absolut nein", sagt der Sicherheitsberater der afghanischen Regierung, Rangin Dadfar Spanta.
Dabei gelten Gespräche mit den Extremisten nach wie vor als der einzige Ausweg aus einer ausweglos scheinenden Lage. "Wenn es keine politsiche Lösung gibt, dann ist im besten Fall ein Krieg, wie wir ihn jetzt haben, vorstellbar. Im besten Fall. Wobei die afghanische Regierung die städtischen Zentren konrolliert und die Taliban Teile der ländlichen Gegenden", umreißt Kate Clark vom "Afgfhanistan Analysts' Network" in Kabul das Szenario für 2014.
Bis dahin bleibt dem Westen noch etwas Zeit. Die Afghanen hoffen inständig, dass diese Zeit genutzt wird, die Lage zu verbessern. Und nicht, ein Afghanistan-Gemälde zu entwerfen, das zwar schön anzusehen ist, aber der Wirklichkeit überhaupt nicht entspricht.
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