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21.11.2009

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Afghanistan: Proteste gegen Mohammed-Karikaturen

Afghanistan

Massenproteste gegen Mohammed-Karikaturen

Tausende Afghanen haben an diesem Wochenende im Westen des Landes gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen und einen islamkritischen Film aus den Niederlanden protestiert. Die Demonstranten skandierten Slogans wie "Tod für Dänemark" und "Tod den Niederlanden". Am Samstag waren etwa 10.000 Demonstranten auf den Straßen unterwegs, am Sonntag nach ersten Berichten mindestens 2000.

Von Christoph Heinzle, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Proteste in Herat (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mehr als 10.000 Afghanen protestierten in Herat gegen die erneute Veröffentlichung einer Mohammed-Karikatur in dänischen Zeitungen. ]
"Tod Dänemark für die Beleidigung unseres Propheten" und "Tod den Niederlanden für die Beleidigung unserer Religion", hieß es in Sprechchören. Die Massendemonstration im westafghanischen Herat war der bisherige Höhepunkt einer ganzen Serie von Protesten seit dem vergangenen Wochenende. Augenzeugen sprachen von mindestens 5000 Demonstranten, die Polizei von mehr als 10.000, unter ihnen viele Schüler, Studenten und Lehrer.

Abzug der Truppen gefordert

Im Stadion Herats kritisierten sie den Nachdruck einer dänischen Mohammed-Karikatur und die Veröffentlichung eines Koran-kritischen Films des niederländischen Abgeordneten Wilders. Die Demonstranten forderten den Abzug der dänischen und niederländischen Truppen aus Afghanistan. Von kleineren Zwischenfällen abgesehen blieb es friedlich.

Dänische Zeitungen hatten im Februar eine der umstrittenen Mohammed-Karikaturen nachgedruckt, aus Solidarität, nachdem ein Mordkomplott gegen den Zeichner bekannt wurde. Die Kritik an den Karikaturen mischt sich mit Empörung über ein Video des nationalistischen niederländischen Politikers und radikalen Islam-Kritikers Geert Wilders. Der auch in seiner Heimat umstrittene Abgeordnete will einen Film über den Koran veröffentlichen, in dem der heutige Terrorismus muslimischer Gruppen auf den Propheten Mohammed zurückgeführt wird.

Proteste seit einer Woche

Auf Plattformen wie "YouTube" wurden Ausschnitte veröffentlicht – über das Internet gelangten sie auch in islamische Länder wie Pakistan und Afghanistan, wo der Film heftige Kritik auslöste. Bereits am vergangenen Sonntag gingen etwa 1000 Menschen im nordafghanischen Masa-i-Scharif gegen den Film und die Karikaturen auf die Straßen. Auftakt für nahezu ein Dutzend ähnlicher Proteste im Lauf der Woche in ganz Afghanistan.

Uno fordert Respekt für Islam

Die Vereinten Nationen und die Regierung in Kabul äußerten sich am Mittwoch besorgt und forderten Respekt für den Islam. Ein UN-Sprecher erklärte, die Zeichnungen und der Film hätten nichts mit dem internationalen Engagement in Afghanistan zu tun, das von gegenseitigem Respekt und Verständnis gekennzeichnet sei.

Außenminister: Zeitungen betreiben Kampf der Kulturen

"Wir sind tief besorgt über den Nachdruck der Karikaturen, die den größten islamischen Propheten beleidigen", sagte der afghanische Außenminister Rangin Dadfar-Spanta. "Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Aber dieses Recht hat seine Grenzen, wo es die Freiheit der Religion anderer Menschen verletzt." Für Afghanistan sei es keinesfalls hinnehmbar, dass der Glaube von einer Milliarde Menschen missachtet werde. "Wer solche beleidigenden Karikaturen druckt, betreibt den Kampf der Kulturen, ist gegen Frieden und Freundschaft unter den Menschen."

Sicherheitsexperten in Sorge

Sicherheitsexperten in Kabul warnen vor weiteren Protesten und raten Ausländern zu Vorsicht. Sie rechnen nicht mit einer raschen Beruhigung und befürchten Gewalt - vor allem, wenn der niederländische Koran-Film anläuft. Vor zwei Jahren hatte es bei gewalttätigen Massenprotesten in Afghanistan nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen Tote gegeben. 

Stand: 09.03.2008 09:19 Uhr
 

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