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10.02.2012

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Ausland
Guttenberg besucht Soldaten in afghanischer Kampfzone
Verteidigungsminister in Afghanistan

Guttenberg besucht Soldaten im Kampfgebiet

Verteidigungsminister zu Guttenberg hat das erste Mal ein Kampfgebiet in Afghanistan besucht. In der Krisenprovinz Baghlan traf er Soldaten der schnellen Eingreif‭truppe, die gemeinsam mit afghanischen Soldaten operiert. Er wolle die Realitäten nicht nur vom Schreibtisch aus beurteilen, so der Minister.

Von Eva Corell, BR, ARD-Hauptstadtstudio

Guttenberg im Kampfgebiet nahe Kunduz (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Als erster Minister besuchte Guttenberg Soldaten an der Front in Afghanistan. ]
Fünf Kilometer sind es bis zur Front. Karl-Theodor zu Guttenberg schaut durch den Feldstecher und sieht Reisfelder und Bäume im Baghlan-Tal, das ihm zu Füßen liegt. Fast friedlich sieht es aus, von dieser staubigen Anhöhe, wo die Deutschen einen Beobachtungsposten errichtet haben. Doch jenseits der fruchtbaren Idylle lauern die Taliban, Kopfschuss-Zone nennt es der Kommandeur.

Jared Sembritzki gibt dem Minister einen Lagebericht: "Seit Mitte April ist die schnelle Eingreiftruppe hier im Einsatz gegen die Aufständischen. Etwa 15 Kilometer entfernt liegt die Brücke, wo kurz zuvor drei deutsche Soldaten gefallen waren. Mittlerweile haben die Deutschen den verlassenen sowjetischen Posten zu einer kleinen Festung ausgebaut. Gepanzerte Stellungen inmitten einer Hölle aus Sand. Der legt sich sofort wie ein Schleier über Körper, Schutzwesten, Uniformen."

Erste Erfolge - und eine Anerkennung

Sembritzki ist einer von 200 Männern und drei Frauen, die hier die Stellung halten. Für den Moment haben sie die Taliban erfolgreich zurückgedrängt, zumindest bis hinter die grüne Linie. Vielleicht nur wegen des Ramadan, der Fastenmonat lähmt derzeit das Leben der Muslime. Trotzdem ist dies wohl einer der gefährlichsten Orte unter deutschem Kommando. Umso größer die Anerkennung der Soldaten, dass Minister Guttenberg sich hierher vorgewagt hat: "Ja, der Erste, der sich mal traut hier rauszufahren."

Guttenberg ist ein erste Verteidigungsminister in der Kampfzone. Auf der Lagekarte des Kommandeurs sind viele kleine rote Kästchen. Sie weisen auf "incidents", zu deutsch: feindliche Angriffe. Karl-Theodor zu Guttenberg will den Krieg, den erst er so benannt hat, nicht nur vom sicheren Berliner Schreibtisch aus beurteilen: "Mir war ungemein wichtig, nicht nur von zu Hause oder aus den Lagern in Afghanistan die Realität der Truppen zu sehen, sondern dort, wo die Gefechte stattfinden - wirklich mal an die Spitze zu gehen und auch der Truppe das Gefühl zu geben, dass man sie unterstützt."

Der erste Versuch scheiterte an der Gefahrenlage

Sein erster Anlauf war gescheitert. Vor sechs Wochen, beim letzten Besuch, musste Guttenberg auf halbem Weg umkehren, als die Truppe plötzlich in heftige Gefechte verwickelt wurde. Kommandeur Sembritzki erinnert sich: "Ich bin ja letzte Woche mit ihm in der Maschine gewesen, als ich empfohlen habe abzudrehen, weil ich auch nicht der sein wollte, der als erster Kommandeur hier draußen den Minister verliert."

Die Männer und Frauen sähen es als große Auszeichnung, dass der Minister wirklich in den Bereich gehe, wo auch eine deutlich höhere Gefährdung vorläge, um zu zeigen, dass er hinter ihnen steht, so Sembritzki "Und es ist natürlich insbesondere für die jüngeren Soldaten eine super Anerkennung. Der hat uns dann noch eine Karte geschrieben, die habe ich dann verteilt und da waren die tief beeindruckt, das fanden die alle ganz klasse."

"Ich komme wieder"

Guttenberg spricht mit Soldaten während seines Besuchs im Kampfgebiet in Afghanistan (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Im Gespräch in der Kampfzone: Der Minister punktet bei seinen Soldaten. ]
Gebirgsjäger Sembritzki hat auch gute Nachrichten. Die Zusammenarbeit mit der afghanischen Armee zeigt Erfolge - hier zumindest klappt es mit der neuen Strategie des "partnering" mit gemeinsamen deutsch-afghanischen Patrouillen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für den Minister: "Dass das Prinzip und das Konzept des 'partnerings' funktioniert, das ist etwas, was ich wirklich auch als einen Eindruck mitnehme, den ich so in der Form in der Umsetzung noch gar nicht erwartet hätte. Und dass man dabei auch gleichzeitig auch offensichtlich hier auch auf einen gewissen langen Atem noch baut und bauen muss."

Er will wiederkommen, schon bald. Das sei keine Drohung, sondern ein Versprechen.

Stand: 30.08.2010 04:25 Uhr
 

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