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21.03.2010

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Ausland
Bundeswehr in Afghanistan: Kampf gegen unsichtbare Gegner
Bundeswehr in Nordafghanistan

"Der Gegner ist wie ein Gespenst"

Die Gewalt in Afghanistan nimmt zu - das gilt auch für den einst ruhigen Norden des Landes. Die rund 1000 in der Region Kundus stationierten Bundeswehrsoldaten kämpfen oftmals gegen einen fast unsichtbaren Gegner, der aus dem Hinterhalt heraus angreift. "Wie ein Gespenst", sagt ein Zugführer.

Von Sabina Matthay, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Acht Jahre nach der Vertreibung der Taliban sind in Afghanistan kaum Erfolge zu feiern - das gilt auch für den Norden des Landes, den Verantwortungsbereich der  Bundeswehr. "Wir haben uns alle etwas vorgemacht", heißt es im Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe ISAF in Kabul.

"Der Gegner ist wie ein Gespenst"

Ein ISAF-Soldat der Bundeswehr beobachtet eine Gruppe afghanischer Männer (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Deutscher ISAF-Soldat nahe Feyzabad ]
Das gilt weniger für die logistische Drehscheibe Masar-i-Scharif, wo die Mehrheit der 4500 deutschen ISAF-Soldaten stationiert sind. Gefährlich ist es mittlerweile für die ISAF-Truppen in der Provinz Kundus, wo rund 1000 Deutsche im Einsatz sind. Die Gewalt dort hat an Fahrt gewonnen. Allein in diesem Jahr sind vier deutsche Soldaten in der nordafghanischen Provinz bei Angriffen gestorben. 

Ein Zugführer erlebte bei seiner Stationierung in Kundus im Sommer einen militärisch ernst zu nehmenden Gegner: "Das ist ein Gegner, der verdeckt kämpft, der aus dem Hinterhalt raus kämpft, der alle möglichen Schwächen versucht auszunutzen", sagt er. "Und er ist wie ein Gespenst, man sieht ihn kaum."

Angriff mit Panzerfäusten und Maschinengewehren

Immer wieder greifen die Aufständischen die Patrouillen der Bundeswehr in immer neuen Varianten mit Panzerfäusten und Maschinengewehren an und attackieren sie mit Sprengfallen. Von den mehr als siebzig Attacken auf die Bundeswehr am Hindukusch seit Jahresbeginn sind mehr als sechzig im Raum Kundus verübt worden. Das ist nicht viel im Vergleich zum Süden des Landes, aber ein erheblicher Anstieg in der einst ruhigen Region.

Deutsche Bundeswehr in Afghanistan (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Anfang September war die Bundeswehr erneut Ziel eines Anschlags nahe Kundus. ]
Ein Grund für die Zunahme der Angriffe könnte die Nato-Versorgungsroute durch Kundus sein. Für die Unterstützungsleistungen der ISAF ist der deutsche General Hans Erich Antoni zuständig, zugleich stellvertretender Chef des Stabes der ISAF: " Den Aufständischen wird es nicht verborgen geblieben sein, dass der Verkehr auf diesen Straßen zugenommen hat", sagt er. Insofern könnte es eines der Ziele sein. Für wahrscheinlicher aber hält Antoni, dass die Aufständischen in Regionen, in denen die Kräfte der Nato und der afghanischen Sicherheitskräfte dünner seien, jetzt stärker agieren. "Und da biete sich Kundus an." Zumal sie in anderen Regionen unter Druck geraten geraten seien.

Kriegsähnliche Situation

Ausgebrannter Tanklaster nahe Kundus (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Nach dem Bombardement auf die Tanklastzüge untersuchen afghanische Sicherheitskräfte den Tatort. (Archivbild) ]

Dass die Zustände in der Provinz inzwischen kriegsähnliche Züge haben, zeigte endgültig der 4. September dieses Jahres: Damals hatten die Taliban zwei Tanklastzüge in Kundus gekapert. Der Kommandeur des deutschen Feldlagers ordnete einen Luftangriff an. Das Risiko, dass Unbeteiligte zu Schaden kamen, schien gering. Dennoch kamen viele Menschen ums Leben, offenbar auch Zivilisten - die Zahl bleibt jedoch ungewiss. Während die ISAF-Spitze schnell mit Kritik an dem deutschen Offizier bei der Hand war, gab es unter Einheimischen Zustimmung für das Bombardement. Die afghanische Bevölkerung wünscht sich ohnehin eine größere Präsenz der ausländischen Soldaten zum Schutz gegen die Aufständischen.

Mitte Januar soll eine weitere Einsatzkompanie mit 120 Soldaten nach Kundus entsandt werden und die Eingreifkräfte verstärken, die sich im Ernstfall Gefechte mit den Aufständischen liefern. Möglicherweise  nur ein Tropfen auf einem heißen Stein - in Kundus rechnet man auf absehbare Zeit mit der Zunahme der Bedrohung.

Stand: 26.11.2009 08:47 Uhr
 

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