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Der Befehl zum NATO-Angriff auf zwei Tanklastwagen hatte der Bundeswehr viel Kritik eingebracht. Eine von Afghanistans Präsident Karsai eingesetzte Untersuchungskommission nimmt die Deutschen in Schutz, auch wenn 30 Zivilisten und 20 unbewaffnete Taliban getötet wurden.
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien
[Bildunterschrift: 30 Zivilisten wurden nach Aussage der afghanischen Kommission getötet. ]
Die afghanische Untersuchungskommission zum Bombardement von Kundus hat ihre Arbeit abgeschlossen. Der Bericht ist an Präsident Karsai übergeben worden. Einem Mitglied des Gremiums zufolge steht nun fest, dass 30 Zivilisten bei dem von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff getötet worden. In einem gemeinsamen Interview mit dem ARD-Hörfunk- und Fernsehstudio Südasien in Kabul sagte Kommissionsmitglied Mohammadullah Baktasch aber auch, die Mehrzahl der Opfer seien Taliban-Kämpfer gewesen.
"Die Gesamtzahl der Toten und Verletzten ist 119. 49 bewaffnete und 20 unbewaffnete Taliban wurden getötet. Die Zahl der Opfer unter den Dorfbewohnern beträgt 30", erläutert Baktasch.
Auch wenn bei dem Luftangriff Unbeteiligte ums Leben kamen, nahm Baktasch die Bundeswehr ausdrücklich in Schutz. Die Verantwortung liege eindeutig bei den Taliban: "Ich denke, dass nicht nur die deutschen Truppen, sondern alle Regierungs- und internationalen Truppen so gehandelt hätten, wenn sie sich einer solchen Terroristengruppe gegenüber gesehen hätten. Wenn diese Tanklastzüge in den Händen des Feindes geblieben wären, hätten die sie für terroristische Absichten genutzt."
Die Taliban hatten die zwei Lastwagen in der Provinz Kundus entführt. Als sie in einem Flussbett steckenblieben, sprengten Kampfjets die Tanker in die Luft. Angefordert hatte den Angriff die Bundeswehr. Wie die ARD bereits vorab berichtet hatte, nennt die Kommission ein zweites, die Bundeswehr entlastendes Argument: Das Bombardement habe nicht in bewohntem Gebiet stattgefunden. Die nächsten Häuser seien mindestens drei Kilometer entfernt gewesen.
Allerdings hatte das Bundesverteidigungsministerium viel Kritik dafür einstecken müssen, dass es sich zunächst weigerte, von getöteten Zivilisten zu sprechen. Den afghanischen Untersuchungsergebnissen zufolge starben aber durchaus Unbeteiligte, und zwar Dorfbewohner, die sich in der Nähe der Tankwagen aufhielten, als der Luftschlag erfolgte: "Warum waren die Menschen dort? Sie sind von den Taliban angelockt oder betrogen worden. Oder sie wurden gezwungen. Oder sie gingen nur dahin, um das Benzin aus den Tanklastzügen zu stehlen."
Präsident Hamid Karsai hatte die Untersuchung in Auftrag gebeben. Nun hat sein Büro den Abschlussbericht auch erhalten. Die Kommission hat das Papier in Karsais Palast abgegeben. Interessant dürfte sein, wie der Präsident auf den Schriftsatz reagiert: Der nämlich hatte die Deutschen für den Angriff in einem Interview heftig kritisiert und von groben Fehlern bei der Beurteilung der Lage gesprochen.
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