Flüchtlinge auf einem Wohnschiff in Harburg | Bildquelle: Christoph Heinzle

Familie von Ex-Bundeswehr-Dolmetscher Hoffnungsvoller Start ins neue Leben

Stand: 01.09.2015 11:28 Uhr

Weil die Taliban ihn töten wollten, durfte ein afghanischer Bundeswehr-Dolmetscher 2014 nach Deutschland. Nun konnte er seine Familie nach Hamburg holen. Eltern und Geschwister sind optimistisch, den schwierigen Start in ein neues Leben zu meistern. Die nächsten Schritte: Wohnungs- und Jobsuche.

Von Christoph Heinzle, NDR Info

Gespannt und nervös erwartet Aliullah im Flughafen Hamburg mit Blumensträußen in der Hand Vater, Mutter, Bruder und Schwester. Eineinhalb Jahre hat er sie nicht gesehen. Erst mithilfe eines ehrenamtlichen Paten der Bundeswehr gelang es dem 27-jährigen Afghanen, seine Familie aus Kundus nach Hamburg zu holen - sie war auch nach Aliullahs Ausreise wegen dessen langjähriger Bundeswehr-Beschäftigung weiter von den Taliban bedroht worden.

Jetzt endlich das Wiedersehen im Flughafenterminal. "Ich bin sehr, sehr glücklich", strahlt der junge Afghane, "ich kann mein Gefühl jetzt gar nicht ausdrücken".

Vorläufige Unterkunft auf Hamburger Wohnschiff

Weil Aliullahs Familie - anders als die meisten Flüchtlinge - legal mit Visum und Aufenthaltszusage nach Deutschland kam, wird sie sofort in eine akzeptable Unterkunft gebracht. Im Wohnschiff Transit im Hamburger Stadtteil Harburg bezieht sie zwei möblierte Doppelkabinen.

Ein guter Start, findet auch Aliullahs Schwester, der Hamburg sehr gefällt, weil es so grün sei und schöne Gebäude habe: "Auch unsere kleine Wohnung ist gut, obwohl sie eng ist. In Afghanistan hatten wir ein großes Haus, aber keine Sicherheit. Hier haben wir eine kleine Wohnung, aber sie ist sicher. Wir sind glücklich in Hamburg."

Afghanischer Übersetzer Aliullah empfängt seine Familie in Hamburg
Janita Otten, NDR und Claudia Dexel, NDR

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Kartons mit Töpfen, Geschirr und Bettwäsche werden ausgepackt. Viele Behördengänge folgen in den ersten zwei Wochen. Jetzt gehe es auf Wohnungssuche, bald soll es Ausweise geben und Termine für Sprachkurse, erzählt Vater Zakir Ali erfreut: "Die Sprache zu lernen, ist das Wichtigste. Ich will Schritt für Schritt die deutsche Sprache und die deutsche Kultur kennenlernen. Das ist die richtige Richtung."

Ex-Bundeswehr-Dolmetscher Aliullah am Wohnschiff in Hamburg-Harburg | Bildquelle: Christoph Heinzle
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Ist froh, dass auch seine Familie nach Deutschland ausreisen durfte: Ex-Bundeswehr-Dolmetscher Aliullah vor dem Wohnschiff für Flüchtlinge in Hamburg-Harburg.

Job und Studienplatz gesucht

In Afghanistan verkaufte der Familienvater Autoteile. Das könnte er sich auch hier vorstellen - oder einen Job als Elektriker. Er wolle arbeiten, Geld verdienen und sein Leben selbst bestreiten, so Zakir Ali, nicht dem Staat auf der Tasche liegen. "Ich will arbeiten und Steuern zahlen, damit die Regierung mit diesem Geld dann anderen Flüchtlingen aus Kriegsgebieten helfen kann - so wie sie uns geholfen hat. Das wäre gut für die Gesellschaft."

Sein ältester Sohn Aliullah absolvierte seit vergangenem Jahr bereits drei Sprachkurse und spricht fließend Deutsch. Für seine berufliche Zukunft hat er viele Ideen: eine Arbeit als Journalist oder im sozialen Bereich, wo er beispielsweise Flüchtlingen helfen könnte. Doch zunächst will sich Aliullah um einen Platz an der Uni bewerben, er hofft auf einen Studienbeginn im kommenden Jahr. Ziel: erst Bachelor, dann Master und hoffentlich den Doktor. Und dann arbeiten. "Ich habe viele Ziele in meinem Leben und glaube: Wenn man es versucht, dann kann man sie einfach erreichen."

Happy End für Aliullahs Familie
C. Heinzle, NDR
01.09.2015 11:04 Uhr

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Schmerzhafte Erinnerung an die alte Heimat

Aliullahs Familie will in Deutschland bleiben, sich in Hamburg ein neues Leben aufbauen. Fernab ihrer bisherigen Heimat, ihrer Familie und Freunde dort. Das schmerzt auch, macht Aliullahs jüngere Schwester deutlich: "Manchmal bin ich traurig, dass meine Freundinnen nicht da sind. Sie haben geweint, weil ich weg bin. Ich habe dann nachts geträumt, dass ich wieder bei ihnen bin und sie sagten: Geh nicht weg, bleib für immer bei uns."

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