Sicherheitskräfte in Kabul | Bildquelle: dpa

Überfall in Kabul Bewaffnete stürmen TV-Sender

Stand: 07.11.2017 15:51 Uhr

In der afghanischen Hauptstadt Kabul haben Bewaffnete die Büros des Fernsehsenders "Schamschad TV" gestürmt. Dabei wurden die Angreifer und ein Wachmann getötet. Der "Islamische Staat" hat die Tat mittlerweile für sich reklamiert.

Bewaffnete haben den Fernsehsender "Schamschad TV" in der afghanischen Hauptstadt Kabul gestürmt und einen Wachmann getötet. Das sagte der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch. Er korrigierte damit seine frühere Aussage, wonach zwei Menschen umgekommen seien. 20 Menschen seien verletzt worden.

Die Angreifer waren offenbar schwer bewaffnet und setzten auch Panzerfäuste ein. Augenzeugen berichteten von Menschen, die sich teils blutverschmiert über die Außenmauern des Geländes retten konnten. Auch die beiden Angreifer seien tot, sagte Danisch, "ausgeschaltet von Sicherheitskräften".

IS reklamiert Tat für sich

Der IS reklamierte die Tat über sein Sprachrohr Amak für sich und behauptete, etwa 20 Menschen getötet zu haben. Knapp drei Stunden nach Beginn des Anschlags nahm der Sender sein Programm wieder auf, um als erster über das Ende des Angriffs auf das eigene Haus zu berichten. Die Fernsehbilder zeigten unter anderem Reporter und Techniker, die offenbar wieder an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt waren, während noch Spezialkräfte im Haus waren.

Der Chefredakteur des Senders, Abed Ehsas, der verletzt wurde, sagte von einem Klinikbett aus dem Sender Tolo TV, dass die Angreifer Polizeiuniformen getragen hätten. Sie seien in die Büros gestürmt und hätten auf jeden geschossen, den sie gesehen hätten. Die meisten Mitarbeiter seien entkommen, einige seien aus Fenstern gesprungen.

Loch in der Mauer | Bildquelle: AP
galerie

Über dieses Loch in der Wand sollen Menschen aus dem Gebäude gerettet werden.

Blutiges Jahr für afghanische Journalisten

Es ist bereits der 18. schwere Anschlag in Kabul in diesem Jahr. Der IS war für einige der grausamsten verantwortlich - darunter eine mehrstündige Schießerei in einem Militärkrankenhaus, bei der mindestens 49 Menschen starben. Erst am 20. Oktober hatte sich ein Selbstmordattentäter des IS in einer schiitischen Moschee in West-Kabul in die Luft gesprengt und 71 Menschen getötet.

2017 ist bisher ein besonders blutiges Jahr für afghanische Journalisten. Das Afghanische Sicherheitskomitee für Journalisten (AJSC), das Angriffe auf Medien registriert, hat in seinem Halbjahresbericht 73 Fälle von Gewalt aufgeführt - 35 Prozent mehr als 2016. Zehn afghanische Journalisten seien zwischen Januar und Ende Juni getötet worden.

Angriff auf TV-Sender in Kabul
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
07.11.2017 09:29 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. November 2017 um 12:00 Uhr.

Darstellung: