Afghanistan: USA und Taliban wollen reden

Verhandlungen über Zukunft Afghanistans

USA und Taliban wollen reden

Afghanistans Regierung und die Taliban werden in Doha über die Zukunft des Landes verhandeln. Zunächst werden sich jedoch US-Vertreter mit den Aufständischen an einen Tisch setzen - dies hatten die Taliban als Vorbedingung formuliert.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Muhammad Naeem (li.) redet anlässlich der Eröffnung des Taliban-Verbindungsbüros in Doha. (Bildquelle: REUTERS)
galerie

Taliban-Sprecher Naeem (li.) kündigte die Treffen in Doha an.

Es war ein Tag, der zeigt, wie kompliziert die afghanische Realität ist. Kurz vor der feierlichen Zeremonie in der Nationalen Militärakademie in Kabul sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss drei Menschen mit in den Tod. Wenig später wandte sich Präsident Hamid Karsai in seiner Rede an die extremistischen Taliban, die für die meisten Anschläge in Afghanistan verantwortlich sind: "Der Hohe Friedensrat unserer Regierung wird nach Katar reisen, um über Friedensverhandlungen mit den Taliban zu diskutieren. Wir hoffen, dass unsere Brüder, die Taliban, verstehen, dass die Verhandlungen zu Hause stattfinden müssen, um Frieden in Afghanistan zu schaffen."

Die Taliban wollen über ihr politisches Verbindungsbüro in Doha im Emirat Katar über den Frieden verhandeln. Bisher lehnten sie es strikt ab, direkt mit der afghanischen Regierung zu reden. Stattdessen verlangten sie Gespräche mit den USA. Diese sollen nun zeitnah stattfinden.

Die Taliban-Vertreter in Doha kündigten darüber hinaus an, dass sie sich dort auch mit Afghanen treffen wollen. Wen sie damit genau meinten, blieb unklar. Ebenso ist unklar, ob die Taliban-Vertreter für alle Fraktionen der radikal-islamischen Bewegung sprechen.

Taliban eröffnen Verbindungsbüro in Katar
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
18.06.2013 17:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Klare Forderungen von Präsident Karsai

Präsident Karsai seinerseits machte auch klar, dass in seinen Augen nur die Afghanen selber für Frieden sorgen können. "Wir haben keine unmittelbaren Vorbedingungen für Friedensgespräche zwischen dem Hohen Friedensrat und den Taliban. Aber wir haben klare Prinzipien. Erstens müssen alle Gespräche so schnell wie möglich nach Afghanistan verlagert werden, nachdem sie in Katar begonnen haben. Zweitens müssen die Gespräche die Gewalt in Afghanistan beenden. Und drittens dürfen die Gespräche nicht von Dritten für ihre eigenen Ziele in Afghanistan missbraucht werden."   

Selbstbewusste Botschaften an einem Tag, an dem die 350.000 afghanischen Soldaten und Polizisten offiziell die Sicherheitsverantwortung für das ganze Land übernommen haben. Karsai freute sich: "Ich bin froh, als afghanischer Bürger und als afghanischer Präsident das Ziel erreicht zu haben. Für die afghanische Bevölkerung ist es ein noch wichtigerer Tag. Denn ab heute werden die Menschen sehen, dass ihre eigenen Kinder ihr Leben und ihr Land beschützen."

Eröffnung des Taliban-Verbindungsbüros in Doha
ARD-Morgenmagazin, 19.06.2013, Christian Dreißigacker, ARD Neu Delhi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Gemeinsames Ziel ist in Sicht"

Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach von einem Meilenstein. Er lobte: "Wir können alle stolz darauf sein, dieses Ziel erreicht zu haben. Die afghanischen Sicherheitskräfte übernehmen die Führung der Sicherheitsverantwortung, und sie tun das mit großem Einsatz. Sie verdienen die volle Unterstützung der Bevölkerung." In den kommenden 18 Monaten dürften weder die Afghanen noch die NATO nachlassen. Das gemeinsame Ziel sei in Sicht. "Ab 2015 beginnt ein neues Kapitel. Wir müssen das Erreichte sichern und ausbauen. Die NATO ist bereit, ihren Anteil dazu beizutragen", so Rasmussen.

Afghanische Armee noch auf Unterstützung angewiesen 

Afghanische Sicherheitskräfte bei der Übergabezeremonie in der Nähe von Kabul (Bildquelle: AP)
galerie

Ganz allein können die afghanische Sicherheitskräfte noch nicht für Stabilität sorgen.

Derzeit sind noch etwa 97.000 ausländische Soldaten zur Unterstützung in Afghanistan stationiert. Denn jenseits der offiziellen Darstellung ist ungewiss, ob die afghanischen Kräfte die Friedenssicherung alleine meistern können. Die allermeisten sind im Schnellverfahren ausgebildet worden. Und nach wie vor ist die afghanische Armee auf die logistische, medizinische und finanzielle Unterstützung der NATO angewiesen.

Die Kampfmission des Bündnisses endet 2014, danach will sich die NATO auf eine stark verkleinerte Trainings- und Ausbildungsmission beschränken. Ein entsprechendes militärisches Abkommen ist allerdings noch immer nicht ausgehandelt.

Stand: 18.06.2013 18:10 Uhr

Darstellung: